Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Osttirol

Tilg zu notärztlicher Versorgung: „Es besteht kein Anlass zur Sorge“

Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg bekräftigt, dass die notärztliche Versorgung in den Osttiroler Tälern funktioniert.

Landesrat Bernhard Tilg sieht die Versorgung gesichert.

© Christoph BlassnigLandesrat Bernhard Tilg sieht die Versorgung gesichert.



Von Christoph Blassnig

St. Jakob i. Def., Außervillgraten – In einem Pressegespräch äußerten Vertreter der Unterschriftenaktion für den Erhalt der medizinischen Versorgung im Pustertal und im Defereggental ihre Befürchtung, dass das notärztliche System wie im Iseltal von Hubschraubern abgelöst werden könnte. Der Landtagsabgeordnete Markus Sint schloss sich dieser Sorge an und forderte vom zuständigen Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg „ein klares Bekenntnis zum funktionierenden System Defereggental und Pustertal“. Dazu brauche es eine rechtliche Absicherung. Denn im Defereggental teilt sich Gernot Walder seit über zwei Jahren eine Kassenstelle mit vier weiteren Ärzten – die Tiroler Tageszeitung berichtete. Eine rechtliche Grundlage für diese Konstruktion gibt es bisher nicht.

Aus dem Büro des Landesrates heißt es auf eine Anfrage hin: „Die Systeme der notärztlichen Versorgung sind insofern rechtlich abgesichert, als dass es seit 2011 bestehende Verträge gibt, die von den Vertragspartnern eingehalten werden. Seitens des Landes Tirol besteht hohe Zufriedenheit betreffend Qualität der medizinischen Versorgung und Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in diesen Bereichen; somit gibt es aktuell keine Veranlassung, an diesen bestehenden Verträgen etwas zu ändern.“

Diese vertraglich festgelegten Systeme mit niedergelassenen Ärzten funktionierten unter der Annahme, dass es genug niedergelassene Ärzte gibt, welche die Dienste ganzjährig auf vertraglicher Basis erbringen. „Derzeit besteht überhaupt kein Anlass zur Sorge, da die notärztliche Versorgung im Defereggen- und Pustertal mit hoher Qualität funktioniert.“

Sint verlangte erneut die Umsetzung der Entschließung des Tiroler Landtages aus dem Jahr 2015 für eine Modellregion Osttirol. Vorgesehen ist darin unter anderem die Verzahnung der Versorgung in- und außerhalb der Krankenhausmauern sowie die Intensivierung der Zusammenarbeit niedergelassener Ärzte mit den regionalen Sozial- und Gesundheitssprengeln. Dazu LR Tilg: „Es hat zahlreiche Gespräche der betroffenen Systempartner gegeben. Zuletzt wurde im Einklang mit den bundesrechtlichen Entwicklungen die Möglichkeit von Primärversorgungseinheiten diskutiert. Es haben unter Federführung der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), unter Einbeziehung von Sozialversicherung und Ärztekammer konkrete Gespräche in Matrei und Sillian stattgefunden. Diese Gespräche müssen fortgesetzt und intensiviert werden.“ Es brauche jedoch in erster Linie die Bereitschaft der betroffenen Ärzteschaft, solche Modelle gemeinsam zu entwickeln. Die Vernetzung mit der Pflege bzw. die Abstimmung mit den Sozial- und Gesundheitssprengeln werde ein zentraler Punkt sein. Die niedergelassene allgemeinmedizinische Versorgung sei nachhaltig zu gewährleisten, die TGKK beauftragt, Primärversorgungseinheiten zu entwickeln.