Letztes Update am Mo, 12.08.2019 13:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Klimakrise

Zehn „Pilotgemeinden“ in Tirol rüsten sich für den Klimawandel

Umfassende Risikoanalysen und bereits zahlreiche Anpassungsmaßnahmen erarbeiteten zehn Tiroler Gemeinden und Regionen im Rahmen eines Pilotprojekts. Vorreiter beim klimaschonenden Tourismus war im Juni die Erlebnisregion Ried, Prutz und Pfunds.

Die Erlebnisregion Ried, Prutz und Pfunds organisierte den Wiesenmonat Juni mit insgesamt 35 Veranstaltungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Umwelt.

© TVB, KirschnerDie Erlebnisregion Ried, Prutz und Pfunds organisierte den Wiesenmonat Juni mit insgesamt 35 Veranstaltungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Umwelt.



Innsbruck — In einem von der Landesregierung mit 114.000 Euro unterstützten Pilotprojekt haben zehn Tiroler Gemeinden bzw. Regionen vorausschauende Maßnahmen zur Klimawandelanpassung getroffen.

In Innsbruck, Arzl im Pitztal, Brixlegg, Galtür, Gnadenwald, Karrösten, Stams und Wörgl sowie in der Erlebnisregion Ried-Prutz-Pfunds und der Sonnenregion Hohe Tauern (mit Matrei, Prägraten und Virgen) wurden in den vergangenen Monaten umfassende Risiko- und Klimafolgeanalysen angefertigt. Zudem wurden bereits zahlreiche Anpassungsvorkehrungen erarbeitet. Begleitet haben den Prozess Experten von alpS, Energie Tirol und dem Klimabündnis Tirol.

Wiesenmonat in Pfunds

Einige Gemeinden arbeiten bereits erfolgreich an der Umsetzung der Maßnahmen. In der Erlebnisregion Ried, Prutz und Pfunds werden etwa naturnahe Erlebnisangebote in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung und dem Tourismusverband angeboten. Dabei organisierte die Region den Wiesenmonat Juni mit insgesamt 35 Veranstaltungen im Zeichen der Nachhaltigkeit und Umwelt. Der Artenreichtum der alpinen Pflanzenwelt ist besonders im Frühsommer ein beeindruckendes Naturereignis.

Die Arbeitsgruppe zum Projekt Klimawandel aus der Gemeinde Pfunds mit Vizebürgermeister Peter Wille (mittig mit Plakat) und alpS Projektbetreuerin Hanna Krimm (ganz links).
Die Arbeitsgruppe zum Projekt Klimawandel aus der Gemeinde Pfunds mit Vizebürgermeister Peter Wille (mittig mit Plakat) und alpS Projektbetreuerin Hanna Krimm (ganz links).
- alpS

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe mit dem Titel „JUNI.BLUAMA.ZEIT" konnten Besucher unter anderem die alte Sensenmähtechnik erlernen und Informationen zur Insekten- und Pflanzenbestimmung erhalten. Außerdem wurde es Interessierten ermöglicht, an Führungen und Workshops zum Thema teilzunehmen. Ziel dieser Maßnahmen ist die Förderung eines nachhaltigen und klimaschonenden Tourismus in der Region.

Felipe: Folgen des Klimawandels abschwächen

LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) freut sich, dass durch das Projekt das „nötige Bewusstsein für die Anpassung an den Klimawandel gestärkt wird". Das Schadenspotenzial könne so abgeschwächt und Chancen bestmöglich genutzt werden.

„Die Ergebnisse des Projekts belegen, dass es für Gemeinden unumgänglich ist, bei heutigen Entscheidungen und Investitionen die zu erwartenden Folgen des Klimawandels zu berücksichtigen, um teure Fehlentscheidungen zu vermeiden", erklärt Felipe in einer Aussendung. Ziel sei es den Wirtschaftsraum langfristig zu erhalten und die Lebensqualität gegenwärtiger und zukünftiger Generationen zu sichern. (TT.com)

Details zu den teilnehmenden Gemeinden

In Innsbruck sind Maßnahmen zur mittelfristigen Absicherung der Trinkwasserversorgung durch die IKB bereits in Planung. Sorgen bereitet der Hitzeinseleffekt: Innerstädtisch ist es an heißen Sommertagen stets zwei bis drei Grad wärmer als im Umland. Passivhäuser können hier Abhilfe schaffen, die Strategie wird dahingehend fortgesetzt.

Das Seniorenheim in Arzl im Pitztal wurde bereits teilweise mit einem Kühlsystem aufgerüstet, sodass auch an heißen Sommertagen der Betrieb bestmöglich sichergestellt werden kann. Zusätzlich zeigen sich in der Almwirtschaft auf 1000 Meter Seehöhe bis dahin noch nicht beobachtete Schädlinge und Insekten.

In Brixlegg ist unter anderem die Energieinfrastruktur vom Klimawandel betroffen, aber auch steigende Temperaturen und vermehrte Hitzetage zeigen sich verstärkt. Im Gebäudebereich sind daher entsprechende Maßnahmen gegen Überhitzung gefordert.

Galtür kann im Naturgefahrenmanagement auf viel Erfahrung zurückgreifen. Wildwasser- und Lawinenverbauung sind bereits weit fortgeschritten. Der seit Kurzem vorliegende Hochwasser-Gefahrenzonenplan soll auf Plausibilität geprüft und allenfalls notwendige Schutzmaßnahmen sollen umgesetzt werden. Aus Sicht der Forst- und Landwirtschaft werden mit Zunahme der Vegetationsperiode und Anstieg der Waldgrenze neue Chancen gesehen.

In Gnadenwald will man an der Verbesserung des Wildbach- und Lawinenschutzes arbeiten. Auch die Wälder müssen erst noch weiter klimafit umgebaut werden. Die Gemeinde muss sich weiters über eine zukunftstaugliche Trinkwasserversorgung Gedanken machen.

Durch energieeffiziente Gemeindegebäude — Volksschule und Gemeindeamt sind bereits Niedrigstenergiegebäude — ist man in Karrösten nicht nur vor kalten Wintern, sondern auch vor heißen Sommern gewappnet. Auch bei der anstehenden Entwicklung von Siedlungsgebieten spielt die Sommertauglichkeit eine wichtige Rolle.

Pfunds kann auf ein bereits bestehendes Bewässerungssystem im Tal bauen und konnte den Ertrag im Grünland trotz Trockenheit im Sommer 2018 hochhalten. Um zukünftig auch in den höheren Lagen (z.B. in Pfunds/Greit und der Pfundser Tschey) die Erträge zu sichern, könnten die dort zugeschütteten Waale reaktiviert werden.

In den drei Gemeinden der Sonnenregion Hohe Tauern ist vor allem im Sektor Tourismus die Erhaltung des weitläufigen Wanderwegenetzes ein großes Problem, da Steinschlag und auftauender Permafrost diesem mehr und mehr zusetzen. Auch die Wasserverfügbarkeit auf Hütten und Almen gilt es langfristig sicherzustellen, sodass das steigende Potenzial des Sommertourismus auch genutzt werden kann.

In Stams läuft seit fünf Jahren ein wissenschaftliches Projekt zur Untersuchung der Entwicklung und Vitalität bestimmter Baumarten, abhängig von klimatischen Bedingungen und deren Veränderungen im Gebirge. Die Resultate daraus können als Entscheidungsgrundlage für die Auswahl geeigneter Baumarten für die Zukunft dienen. Um die Trinkwasserversorgung in Zukunft noch besser abzusichern, möchte sich die Gemeinde intensiv mit den Veränderungen auseinandersetzen.

Als erfolgreiche e5-Gemeinde setzt Wörgl schon lange auf Klimaschutz. Probleme könnten beim Mikroklima auftauchen. Die Verantwortlichen wollen Retentionsflächen zukünftig deshalb sinnvoll für die Kühlung der Stadt nutzen.