Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Flüchtlinge

Promi-Protest für Schließung von Rückkehrzentrum Bürglkopf

Über 100 Personen und Organisationen fordern die Schließung des bundesbetreuten Rückkehrzentrums. Das Innenministerium erteilt dem jedoch eine klare Absage.

Zahlreiche Menschen beteiligten sich an Protestaktionen.

© Foto TT/Rudy De MoorZahlreiche Menschen beteiligten sich an Protestaktionen.



Fieberbrunn — Seit den 90er-Jahren hat das Heim am Bürglkopf für Flüchtlinge als Unterkunft gedient. Ursprünglich für Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien. 2017 wurde das Haus in ein so genanntes Rückkehrzentrum umfunktioniert. Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren heftige Diskussionen darum. Zuletzt, als 17 Asylsuchende Anfang Juni in Hungerstreik traten. Jetzt fordern namhafte Kulturschaffende die Schließung des Bürglkopfs — und eines Zentrums in Schwechat. Die Forderung ist nicht neu. Und vom Innenministerium gab es die alte Antwort — in Form einer Absage.

Persönlichkeiten wie Cornelius Obonya und Stefanie Sargnagel, Wissenschafter und NGOs wie SOS Mitmensch haben sich für die Schließung jetzt noch einmal starkgemacht. Der besagte Streik habe laut den Unterzeichnern und Initiatoren „bis heute keine nennenswerte Änderung der Lage der Asylsuchenden" nach sich gezogen. In einer Aussendung der Initiative ist diesbezüglich davon die Rede, dass eben jene Asylsuchenden „auf ihre verzweifelte Lage" und auf „unerträgliche Bedingungen" aufmerksam machen wollten. Trotz zahlreicher dadurch ausgelöster Solidaritätsbekundungen der Tiroler Bevölkerung kam es allerdings nicht zu der jetzt vehement geforderten Schließung des Rückkehrzentrums.

Christoph Pölzl, Ressortsprecher des Bundesministeriums für Inneres, nimmt die neuerliche Aufforderung gegenüber der TT gelassen: „Wir denken nach wie vor nicht daran." An dieser Haltung habe sich nach wie vor nichts geändert. Auf die Asylsuchenden im Rückkehrzentrum Bürglkopf in Fieberbrunn angesprochen, gibt Pölzl an, dass sich derzeit keine Personen mehr im Hungerstreik befinden würden.

Fieberbrunns Bürgermeister Walter Astner wird immer wieder zum Bürglkopf von Journalisten befragt. Er sagt: „Man hat uns damals nicht gefragt, als das Heim in Betrieb genommen wurde, und wird uns wohl auch nicht fragen, wenn es einmal geschlossen wird." Er verstehe menschlich, dass die monatelange Warterei für die Bewohner schrecklich sei. Aber: „Die Frage ist auch immer, was macht man dann, wenn dieser Standort geschlossen wird. Dann muss man die Bewohner ja irgendwo unterbringen." Auf diese Frage hätten ihm jene, die eine Schließung fordern, bisher noch keine Antwort geben können. Was für Astner keinesfalls in Frage kommen würde, das macht der Ortschef auch klar: „Die Bewohner dann im Ort unterbringen geht nicht." Die Betreuung und Unterbringung der Flüchtlinge vor Ort ist laut Astner übrigens in Ordnung. (mm, mw, APA)