Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Exklusiv

Italien will neuen BBT-Vorstand: Neue Funktion für Bergmeister möglich

Um den eigenen Basistunnel-Vorstand Raffaele Zurlo loszuwerden, fordert Italiens Eisenbahn-Boss Maurizio Gentile auch den Rückzug Bergmeisters.

Im Tunnel „kracht“ es planmäßig, in der Basistunnelgesellschaft hingegen ordentlich.

© BöhmIm Tunnel „kracht“ es planmäßig, in der Basistunnelgesellschaft hingegen ordentlich.



Von Peter Nindler

Innsbruck — Hinter den Kulissen wird intensiv verhandelt, doch für den mächtigen Generaldirektor der italienischen Staatsbahnen (RFI), Maurizio Gentile, dürfte die Entscheidung gefallen sein. Der Eigentümervertreter Italiens und Aufsichtsrat in der Brennerbasistunnelgesellschaft will, wie es heißt, einen kompletten Neuanfang: Die Vorstände Konrad Bergmeister und Raffaele Zurlo sollen gehen. Wobei Bergmeister offenbar das Bauernopfer in dem von Intrigen gespickten Streit ist. Deshalb gibt es massive Widerstände in Österreich, Bergmeister könnte aber auch in einer anderen Funktion dem Basistunnel erhalten bleiben.

Die seit Monaten anhaltende Blockade im Vorstand der Brennerbasistunnelgesellschaft BBT SE führte bereits zu einer Kompetenzbereinigung. Künftig können die beiden von Italie­n bzw. Österreich ernannten Tunnel-Vorstände in ihrem Wirkungsbereich autonomer agieren. Dass dies Raffaele Zurlo und Konrad Bergmeister sein werden, ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. Denn die Nebel lichten sich, schließlich geht es auch darum, das Patt im Aufsichtsrat bzw. auf Eigentümerebene zu beenden. Hier spielt vor allem der mächtige Generaldirektor der italienischen Staatsbahnen RFI, Maurizio Gentile, eine zentrale Rolle. Und der hat sich offenbar bereits festgelegt.

Um den bei den italienischen Aufsichtsräten unbeliebten Zurlo loszuwerden, verlangt Gentile deshalb auch „gesichtswahrend" den Rückzug Bergmeisters. Alles andere würde Gentile als Schwäche und als Eingeständnis, dass Zurlo hauptverantwortlich für die Miser­e ist, ausgelegt werden. Das will sich der RFI-Boss jedoch nicht nachsagen lassen, obwohl er bereits im Vorjahr die Versetzung Zurlos innerhalb der RFI zugesagt haben soll.

Österreichs BBT-Vertreter ringen um eine Lösung

EU-Tunnelkoordinator Pat Cox sowie die Vertreter der ÖBB und des Verkehrsministeriums können Gentiles Vorgangsweise nicht viel abgewinnen. Trotzdem: Wie am Dinestag durchgesickert ist, ringen selbst Österreichs BBT-Vertreter um eine Lösung. Eine Umstrukturierung des Vorstandsbereichs steht wie eine neue Funktio­n Bergmeisters zur Debatte. Pat Cox, der gemeinsam mit Bergmeister eine treibende Kraft für das Tunnelvorhaben in der EU ist, will nämlich auf seinen bisherigen Partner nicht verzichten. Im Sinne von notwendigen Entscheidungen für den Tunnel und die anstehende Betriebstechnik sind die Kontrollorgane unter Zugzwang. Jedenfalls soll noch vor der Aufsichtsratssitzung Mitte September vom so genannten Präsidium aus den Eigentümervertretern Maurizio Gentile und Franz Bauer sowie den wechselnden Aufsichtsratsvorsitzenden Herbert Kasser und Lamberto Cardia ein Vorschlag präsentiert werden.

Auf diesen wartet auch Südtirols Landeshauptmann Arn­o Kompatscher: „Wenn etwas Konkretes auf dem Tisch liegt, werde ich mich dazu äußern", sagt er. Das Land Südtirol ist mit 6,38 Prozent am italienischen 50-Prozent-Anteil beteiligt. Deutliche Worte findet hingegen der Sprecher der Tiroler ÖVP-Nationalräte Hermann Gahr. „Es wäre ein Armutszeugnis und für das Projekt Brennerbasistunnel ein schwerer Schaden, wenn er nun in einem seit Monaten schwelenden Machtkampf als Bauernopfer herhalten müsste." Bergmeister habe als Tunnel-Vorstand immer versucht, die Interessen der transitgeplagten Menschen mit den großen Herausforderungen, die so ein Projekt, sowohl logistisch als auch umsetzungstechnisch mit sich bringe, zu vereinen und Lösungen zum Wohle aller Beteiligten zu finden. Ein­e Abberufung des Tunnel-­Managers wäre für Gahr nicht nur ein Affront gegenüber Bergmeister, sondern „auch gegenüber der Tiroler Bevölkerung".

Für FPÖ-Chef Markus Abwerzger hat Bergmeister bisher bewiesen, dass er der richtige Mann ist. „Und er sollte auch weiterhin das Projekt vorantreiben."