Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.08.2019


Exklusiv

59 Prozent der Lkw weichen über Brenner aus

Der Gesamtverkehr wuchs 2018 in Tirol erneut um 1,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der Transit-Lkw am Brenner fahren Um- und Mehrwege.

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Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Blockabfertigungen, neue Lkw-Fahrverbote, eine Dieselprivileg-Debatte und erstmals auch Beschränkungen für den Pkw-Ausweichverkehr: Das Transit-Thema hatte Tirol in den vergangenen Monaten fest im Griff. Nun liegt auch der Verkehrsbericht des Landes für das Jahr 2018 vor.

Nach einem Plus beim Gesamtverkehr von 1,4 Prozent im Jahr 2017 stieg selbiger 2018 auf den Tiroler Straßen erneut um 1,5 Prozent an. Über dem Schnitt lag das Verkehrsaufkommen auf dem Asfinag-Netz (Inntal-, Brenner-Autobahn; Arlberg Schnellstraße) mit plus 2,1 Prozent.

Betrachtet man lediglich den Wochenendverkehr, so legte dieser aber um rund vier Prozent zu. Die Verkehrsplaner des Landes sehen darin auch den Hauptgrund für die durchschnittlichen Wachstumsraten in Tirol.

An einer der ganzjährigen Haupttransitstrecken, der Fernpassroute, fuhren mit rund 14.100 Kfz/24 Stunden (Zählstelle Fernpass) um gut 200 Fahrzeuge (+1,5 %) mehr als noch 2017. Das höchste Aufkommen wurde am 3. März 2018 mit 27.780 Kfz/24 h gemessen, das ist im Vergleich zum Spitzentag 2017 ein Minus von rund 2000 Fahrzeugen. Am Eingang zum Zillertal (Brettfalltunnel) wurden im Schnitt 19.200 Kfz/24 h (+1,6 %) gezählt.

Die neuen Rekordzahlen beim Güterverkehr am Brenner durch die Asfinag belegt auch der Verkehrsbericht, wenngleich sie dort leicht höher ausfallen, da das Land im Lkw-Verkehr die Mautkategorien 2, 3 und 4 (klassische Transit-Lkw) zusammenzählt. Folglich kommt das Land auf 2,517 Mio. Lkw, die 2018 den Brennerpass überfuhren (+6,6 %).

Angeführt und auf den Brenner-Übergang umgelegt wurde vom Land das Ergebnis einer Routenbefragung unter Lkw-Lenkern (CAFT-Studie 2014/15; veröffentlicht im Februar 2018). Derzufolge ist für nur knapp 41 Prozent der Transit-Lkw der Brenner die kürzeste, also Bestroute. Knapp 60 Prozent nehmen einen Mehr- bzw. Umweg in Kauf. Letzteres (Definition: über 60 Kilometer zusätzliche Wegstrecke) ist gar bei rund 30 Prozent der Brenner-Lkw der Fall. Der niedrige Mautpreis am Brenner-Korridor sowie die Billigtankstellen entlang der Inntal- und Brennerautobahn dürften wohl Gründe sein. Zum Vergleich: Am Gotthard-Korridor gibt es so gut wie gar keinen Umwegverkehr (siehe Grafik).

Es passt ins Bild, dass die Schiene am Brenner im Gütervolumen ein Minus von 5,6 % verzeichnete. Die Rollende Landstraße (RoLa) selbst musste ein Minus von 13 % an transportierter Fracht hinnehmen – de facto wurden um 16.184 Lkw weniger als 2017 huckepack genommen. Wenig überraschend, dass der „Modal Split“ beim Frachtvolumen am Brenner konstant bei 71 % Straße und 29 % Schiene liegt.

Auch die Lkw-Dosiertage bei Kufstein wurden erfasst. An 27 Tagen wurden in Summe 104,5 Stunden dosiert. Also im Schnitt 3,9 h pro Dosiertag.

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