Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Bezirk Kufstein

Fußballer in Brandenberg müssen mit halbem Spielfeld auskommen

In Brandenberg sind sich Grundeigentümer und Gemeinde nicht über den Pachtzins für die Sportfläche einig. Eine Räumungsklage wurde eingebracht.

Für die Hälfte des Spielfeldes lief der Pachtvertrag bereits Ende 2018 aus. Die Gemeinde sieht nicht ein, nun mehr als das Dreifache als bisher an Pachtzins dafür zu bezahlen.

© HaunFür die Hälfte des Spielfeldes lief der Pachtvertrag bereits Ende 2018 aus. Die Gemeinde sieht nicht ein, nun mehr als das Dreifache als bisher an Pachtzins dafür zu bezahlen.



Von Jasmine Hrdina

Brandenberg – Weniger Ausdauer beim Laufen könnte Hobbyfußballern in Brandenberg bald abverlangt werden. Ihr Spielfeld am hiesigen Sportplatz dürfte nämlich auf die Hälfte seiner Größe schrumpfen. Gemeinde und Grundeigentümer können sich nicht auf einen Pachtzins einigen – eine Räumungsklage liegt bereits vor.

Seit 30 Jahren wird auf der ehemaligen Waldfläche schon gekickt, Eigentümer sind mehrere hiesige Landwirte. Für eine Parzelle, die etwa die Hälfte der Sportanlage ausmacht, lief nun nach drei Jahrzehnten mit Ende 2018 der Pachtvertrag aus. Für eine Neuauflage will der Besitzer nun an den Zahlen drehen – etwas zu weit, wie Bürgermeister Hans Jürgen Neuhauser denkt. „Der Verpächter will eine utopische Summe für den Platz.“

Zuletzt zahlte die Gemeinde indexierte 34 Cent pro Quadratmeter – nun fordert der Besitzer laut BM Neuhauser 1,20 Euro. „Wir haben daraufhin ein Gutachten in Auftrag gegeben. Darin kommt man zum Schluss, dass der Pachtzins von 44 Cent pro Quadratmeter angemessen wäre“, erklärt der Dorfchef. 70 Cent wäre man per Gemeinderatsbeschluss schließlich sogar bereit gewesen, zu zahlen. Dem Verpächter sei dies aber nicht genug gewesen – nun flatterte der Gemeinde eine Räumungsklage ins Haus.

Der verhandlungsführende Vertreter des Grundeigentümers wollte sich gestern auf telefonische Nachfrage nicht zu dem Thema äußern.

Es wäre ein „absoluter Verlust“ für die Gemeinschaft im Dorf, meint Christian Ampferer. Der Brandenberger nutzt das Feld mit einer Grupp­e Hobbyfußballer, die mit den Kindern im Dorf jeden Dienstag freiwillig trainieren. „Wir Fußballer kommen seit Jahren für die Instandhaltung der Anlage auf. Wir haben aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln Kabine, Kantine und Fassade aufgebaut“, hofft Ampferer darauf, dass Kommune und Inhaber doch noch zusammenfinden. Schließlich werde der Rasen auch intensiv von Volksschule, Kindergarten und Feuerwehr zur Vorbereitung auf die Nassbewerbe genutzt.

BM Neuhauser würde eine einvernehmliche Lösung zwar begrüßen, sieht die Sache aber kritisch: „Wir haben viele Pachtflächen im Dorf, wir machen uns ja die Preise kaputt.“ Für die andere Hälfte des Sportplatzes laufe der Vertrag noch weitere 12 Jahre. „Wir können ja nicht für eine Hälfte 1,20 Euro bezahlen und für die andere 70 Cent.“ Im Oktober wird das Gericht entscheiden, ob die Tore auf dem umstrittenen Feldbereich abgebaut werden müssen. Sollten alle Strick­e reißen, müsse man für die nächsten zwölf Jahre mit einem kleinen Spielfeld auskommen, sagt der Bürgermeister. Auf der Suche nach einer potenziellen Alternative für einen Sportplatz habe man mit den Bundesforsten bereits einen Gesprächspartner gefunden.

Der Gemeinderat steht laut Neuhauser jedenfalls hinter dem Entschluss, nicht mehr als 70 Cent pro Quadratmeter zu zahlen.