Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 22.08.2019


Osttirol

Mit Punktesystem zu guten Gründen in Osttirol

Verfahren zur Grundzusammenlegung laufen gerade in Abfaltersbach, Tristach und Matrei-Raneburg. Bei der Neuaufteilung der Flächen bewirkt ein Punktesystem, dass die Eigentümer keine Nachteile haben.

Hubert Mühlmann, Leiter der Agrar Lienz, mit einem Grundstücksplan von Abfaltern, jedem Grundbesitzer ist eine Farbe zugeordnet. Einige Flächen sind fast zur Gänze von fremdem Grund umschlossen.

© OblasserHubert Mühlmann, Leiter der Agrar Lienz, mit einem Grundstücksplan von Abfaltern, jedem Grundbesitzer ist eine Farbe zugeordnet. Einige Flächen sind fast zur Gänze von fremdem Grund umschlossen.



Von Catharina Oblasser

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Lienz – Das Bewirtschaften von Agrarflächen ist nicht immer leicht. Abgesehen von Wetter und Arbeitslast sind es auch Parzellengrenzen, die Schwierigkeiten bereiten können: Das Grundstück eines Bauern ist zur Gänze von der Fläche eines anderen eingeschlossen, oder die Flächen sind zu klein für eine sinnvolle Bearbeitung. In anderen Fällen ist die unregelmäßige Form des Grundstücks das Problem oder die Zufahrt ist nicht eindeutig geregelt.

In solchen Fällen bemüht sich die Agrar Lienz um Abhilfe. Grundzusammenlegung und Flurbereinigung sind die Mittel. Vorbedingung ist, dass die beteiligten Eigentümer einen Antrag stellen, sagt Hubert Mühlmann, Leiter der Agrar Lienz. Nach einer Informationsveranstaltung beginnt dann das Verfahren.

So war es auch in Abfaltern, einem Ortsteil von Abfaltersbach. 2015 hat das Verfahren begonnen, es geht um 100 Hektar Fläche, mehr als 400 Grundstücke und 73 Eigentümer. „Bei uns haben viele Landwirte sehr kleine Flächen, die überall verstreut sind“, schildert Josef Fuchs, Obmann der Grundzusammenlegungs-Gemeinschaft Abfaltern. „Diese sind nicht alle erschlossen. Es gibt zwar alte Vereinbarungen, dass mit Pferde- oder Ochsengespannen zugefahren werden darf, aber für moderne Traktoren ist das kein Zustand.“ In anderen Fällen müsse der Grundbesitzer jedes Jahr neuerlich gefragt werden, ob er die Zufahrt über sein Grundstück erlaube, erzählt Fuchs. „Bisher war das kein Problem, aber nach einer Hofübergabe oder einem Besitzerwechsel könnte es zu Schwierigkeiten kommen. Es ist ja nichts im Grundbuch eingetragen.“

In Abfaltern sind die ersten Schritte schon geschafft: Die Grundstücksgrenzen sind überprüft, die Besitzer jedes einzelnen Fleckchens sind festgestellt und die Parzellen sind bewertet worden.

Die Bewertung funktioniert nach einem Punktesystem. „Je nach Größe der Fläche und der Bodengüte werden dem Eigentümer Punkte zugesprochen. Für Flächen mit guter Bodenqualität gibt es mehr Punkte, für schlechte weniger.“ Dieses System ist wichtig, wenn es um die Verteilung der neu umgrenzten Parzellen geht. „Die Grundbesitzer bekommen Flächen, die nach dem Punktewert dem ursprünglichen Besitz entsprechen“, erklärt der Leiter der Agrar.

Mit den neuen, sinnvolleren Grenzen ist es nicht getan. Wichtiger Teil der Grundzusammenlegung ist auch die Verbesserung der Flächen, zum Beispiel durch Entwässerung, Entsteinung oder Rekultivierung. In Summe soll eine „leistungsfähige und umweltverträgliche Landwirtschaft“ geschaffen und erhalten werden, so besagt es das Flurverfassungsgesetz.

Alle Schritte des Verfahrens müssen von rechtsgültigen Bescheiden begleitet werden, erklärt Mühlmann weiter. „Der Rechtsschutz ist stark. Sonst würden sich die Geschickteren die Rosinen herauspicken, und die anderen würden übrig bleiben.“

Neben Abfaltern ist auch in Matrei-Raneburg die Grundzusammenlegung im Laufen. Der Anstoß war eine Mure, die der Petersbach 2017 ausgelöst hat. Sie hat das Bett des Tauernbaches verschoben und damit die Bewirtschaftung auf den Kopf gestellt. Eine Neueinteilung der Grundgrenzen war zwingend nötig.

In Tristach sind 200 Hektar, 84 Eigentümer und 798 Grundstücke von der Zusammenlegung betroffen. Ende der 1960er-Jahre habe das Verfahren begonnen, weiß der Tristacher Bürgermeister Markus Einhauer. Wegen einer möglichen Südumfahrung von Lienz und der Erweiterung des Golfplatzes sei der Prozess jedoch immer wieder zum Erliegen gekommen, beschreibt Hubert Mühlmann. Nun, da die Golfplatz-Erweiterung fertig und die Umfahrung Lienz kein Thema mehr ist, geht es zügig weiter.

Noch älter als die Tristacher Grundzusammenlegung ist jene in Prägraten, die unlängst nach 54 Jahren abgeschlossen wurde. Wenn ein Verfahren so lang dauert, kann das zwei Gründe haben. „Alle Bescheide können angefochten werden. Das zieht die Sache in die Länge“, so der Leiter der Agrar. Außerdem bräuchten die Begleitmaßnahmen – z. B. Entwässerungs- oder Erschließungsprojekte – Zeit, sowohl bei der Planung als auch bei der Finanzierung.