Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 26.08.2019


Landespolitik

Wildwuchs: Vor Heli-Gipfel rotieren die Gemüter

Eine Studie des Landes bestätigt den Alpenverein: Bei 50 Prozent der Einsatzflüge handelt es sich um keine Notfälle. Heute geht es wieder einmal um den Wildwuchs in der Luft.

Unter Führung des ÖAMTC soll heute Klartext gesprochen werden: Notfalls wird auf eine Ausschreibung der Notarzthubschrauber gedrängt.

© APA (Punz)Unter Führung des ÖAMTC soll heute Klartext gesprochen werden: Notfalls wird auf eine Ausschreibung der Notarzthubschrauber gedrängt.



Innsbruck – In regelmäßigen Abständen wird in Tirol über zu viele Rettungshubschrauber diskutiert. Weil sich die Landesregierung im Gegensatz zur bodengebundenen Rettung zu keiner Ausschreibung entschlossen hat. Vielmehr vertraut der zuständige Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) auf freiwillige Vereinbarungen der sieben privaten Betreiber. Doch diese müssen immer wieder nachgebessert werden. Zuletzt, weil Roy Knaus über das neue Notarztsystem in Osttirol seinen Hubschrauber auch im Sommer in Matrei stationieren kann. Eigentlich spielt Knaus immer wieder eine Rolle, wenn in der Luft rotiert wird.

Heute sollen erneut die Wogen geglättet werden, weil sich Knaus nicht an die seinerzeitigen Vereinbarungen halte, wie kritisiert wird. Nur: Diesmal fliegt er über das Notarztsystem, damit ging auch ein langjähriger Wunsch des Matreier Bürgermeisters Andreas Köll in Erfüllung. Er wünscht sich schon seit Jahren einen zweiten ganzjährig stationierten Hubschrauber in Osttirol. Doch statt der vorgesehenen acht Notarzthubschrauber fliegen jetzt im Sommer bis zu zwölf. Im Winter sind es 16. Dass Knaus auf einen Stützpunkt verzichtet, ist unwahrscheinlich. Die anderen Betreiber wie ÖAMTC, Schenk, ARA, SHS, Wucher und HAT fordern deshalb eine Ausschreibung. Daran hat aber das Land kein Interesse, mit 1,6 Millionen Euro ist die Grundversorgung aus der Luft relativ billig. Es dürfte deshalb wohl wieder einen Kompromiss geben.

Warum in Tirol so viel geflogen wird, darüber gibt eine Studie des Landes aus dem Jahr 2014 Aufschluss. In dieser Bedarfsschätzung wird klar darauf hingewiesen, dass Tirol mit sechs ganzjährig und vier saisonal stationierten Hubschraubern das Auslangen finden würde. Die Untersuchung der „Gesundheit Österreich“ (GÖG) bestätigt darüber hinaus den Österreichischen Alpenverein. So handelt es sich bei 50 Prozent der Einsatzflüge um keine medizinischen Notfälle. Das hat zuletzt auch der ÖAV kritisiert. Obwohl Tilg die Studie im Auftrag der Landesregierung kennt, widerspricht er dem ÖAV bzw. will dessen Aussagen nicht bestätigen. „Aufgrund der Tiroler Topografie kommt in vielen Fällen der Hubschrauber als schnellstmögliches Rettungsmittel zum Einsatz“, meint Tilg.

Was in der GÖG-Studie ebenfalls aufschlussreich ist: Die durchschnittliche Auslastung der ganzjährig eingesetzten Notarzthubschrauber betrug 2013 lediglich 13 Prozent, in den Spitzenzeiten im Winter und im Sommer 15 Prozent. (pn)




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