Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.08.2019


Innsbruck

Kündigung beschäftigt Stadtpolitik: Markthalle kommt nicht zur Ruhe

Noch-Marktleiter überlegt „arbeitsrechtliche Schritte“. Eine E-Mail mit Teilergebnissen der Umfrage sorgt für weiteren Wirbel.

Die Kündigung von Markthallen-Leiter Kurt Dengg ist inzwischen zum Politikum geworden.

© Rudy De Moor / TTDie Kündigung von Markthallen-Leiter Kurt Dengg ist inzwischen zum Politikum geworden.



Von Marco Witting

Innsbruck – Wenn der Wirbel von Kunden in der Markthalle momentan so groß wäre wie der Wirbel um die Kündigung von Noch-Marktleiter Kurt Dengg, dann hätten die Mieter alle Hände voll zu tun und übervolle Kassen. So hat vor allem Innsbrucks Stadtpolitik alle Hände voll zu tun. Denn die Kündigung löst weiter Wirbel aus. Unterdessen bestätigt Marktleiter Kurt Dengg gegenüber der TT, dass er „arbeitsrechtliche Schritte“ wegen der Kündigung zumindest überlegt.

Der allgemeine Wirbel wurde am Wochenende neu angefacht. Anlass ist eine E-Mail von Georg Willi an die Gemeinderäte – die der TT zugespielt wurde. Darin schreibt Willi: „In der Diskussion rund um die Markthalle wurde immer wieder verlangt, dass wir die Äußerungen der StandbetreiberInnen bekannt geben, die diese in der Umfrage zur Markthalle geäußert haben. Ihr könnt diese hier nachlesen.“ Es folgen zig Aussagen aus dieser Umfrage, in der Dengg unter anderem anonym als „Kaiser“ betitelt wird. Auch sonst zeichnen die Antworten der Standbetreiber ein kritisches Bild. Von „Angst“ und „fehlendem Informationsfluss“ ist etwa die Rede. Wie berichtet, sah Willi nach der Umfrage Handlungsbedarf und kündigte Dengg mit 30. September. Währenddessen hatten sich 85 Prozent der Mieter offen in einer Unterschriftenliste für einen Verbleib Denggs ausgesprochen.

Markthallen-Insider und ÖVP-KO Christoph Appler zeigte sich „befremdet“ über die Vorgehensweise des Bürgermeisters und forderte erneut, die ganze Umfrage zu veröffentlichen. Insgesamt hat man auch in der Koalition keine Freude mit dem Vorgehen von Willi. Bei Für Innsbruck strich man in der Antwort auf Willis E-Mail noch einmal die positiven Zahlen der Markthalle hervor. KO Lucas Krackl sah keinen Anlass, an „der Ernsthaftigkeit der offen unterschreibenden Mieter“ zu zweifeln. Es sei noch nicht zu spät für eine „vernünftige, wirtschaftlich stabile und für alle Beteiligten menschliche Lösung“.

Die Causa ist für die Opposition natürlich ein gefundenes Fressen. FPÖ-KO Markus Lassenberg fordert: „Zurück an den Start. Die scheinbar getroffenen Entscheidungen gehören revidiert und neu überlegt.“