Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Wildbachverbauung

Ein Jahr nach der Mure: 800.000 € sichern Karres

Die 600-Einwohner-Gemeinde konnte gemeinsam mit der Wildbachverbauung die wichtigsten Maßnahmen treffen.

BM Willi Schatz treibt die Arbeiten weiter voran und hofft auf ein Einsatzfahrzeug für die Feuerwehr.

© ParthBM Willi Schatz treibt die Arbeiten weiter voran und hofft auf ein Einsatzfahrzeug für die Feuerwehr.



Von Thomas Parth

Karres – Bürgermeister Will­i Schatz kann nach den Verbauungsmaßnahmen der Wildbach zwar wieder „ruhig schlafen“, wie er sagt, aber: „Wenn ein Gewitter aufzieht, schnappe ich mir mein Fernglas und schaue hinauf, ob es auf dem Tschirgant hagelt.“

Das wichtigste Drittel der Arbeiten zum Schutz der Siedlung oberhalb von Karres ist bereits erledigt.
Das wichtigste Drittel der Arbeiten zum Schutz der Siedlung oberhalb von Karres ist bereits erledigt.
- Parth

Ein Jahr ist es her, dass ein heftiges Hochwetter mit schwerem Hagel und starkem Regen eine Mure auslöste. Gesteins- und Geröllmassen zerstörten Wege und drohten Brücken und die Wasserleitung oberhalb von Karres mit ins Tal zu reißen. Mittlerweile hat die Wildbach- und Lawinenverbauung die wichtigsten Arbeiten am Berg erledigt. „Ein Hotspot war ein Felsen, den die Behörde nicht sprengen wollte, um die nahe liegenden Wasserreservoirs nicht zu gefährden. Aber wir hatten sehr gute Baggerfahrer da, die den Stein weggeschremmt haben“, lobt Schatz. Alle Maßnahmen zur Sicherung der Siedlung oberhalb des Ortszentrums konnten bereits umgesetzt werden. Querverrohrungen, Wasserrinnen und Geschiebebremsen sollen den Wasserverlauf lenken und von den Häusern fernhalten.

„500.000 Euro sind für die Wildbach veranschlagt, 130.000 Euro für die Gemeindegutsagrar zur Almwegsanierung. 20.000 Euro kostet es, das Steinschlagnetz beim Klettergartenparkplatz wieder herzurichten und vom Material zu befreien, das dort hängen geblieben ist. Und zu guter Letzt kommt die fachgerechte Restaurierung der alten Römerbrücke auf gut 150.000 Euro“, rechnet Willi Schatz vor. Auch wenn die Unterstützungen durch den Katastrophenfonds des Landes und durch Landesrat Johannes Tratter großzügig seien, so habe die Kleingemeinde dennoch einiges zu schultern. „30 Prozent sind für uns immer noch viel Geld“, bilanziert Schatz.

Das Gemeindeoberhaupt rechnet damit, dass die Restaurierung der Römerbrücke jetzt im September startet. Bei raschem Bauverlauf könnte die historische Brücke, die nach Vorgaben des Bundesdenkmalamtes instand gesetzt wird, bereits nach zwei Monaten wieder als restauriert gelten. „Erst danach kann die Wildbach weiterarbeiten und die restlichen Steinschlichtungen errichten. Aktuell ist das wichtigste Drittel der Arbeit erledigt“, informiert der Bürgermeister: „Am Berg kommen bis Herbst 2020 noch Abtreppungen dazu, um das Wasser zu bremsen und Geschiebe zurückzuhalten.“

Er danke dem Imst Tourismus, der alle Wanderwege zwischen Karres und Karrösten saniert habe. Selbst ein „langjähriger Feuerwehrler“, werde sich Schatz bei LR Josef Geisler dafür starkmachen, dass auch die Freiwillige Feuerwehr Karres mit einem entsprechenden Einsatzfahrzeug ausgerüstet wird.

„Wir hatten in Karres rund 40 Keller unter Wasser. Am 7. und 8. September, wenn die Feuerwehr ihre 125-Jahr-Feier hat, werde ich den Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft hervorheben. Die Freiwilligkeit und die Nachbarschaftshilfe haben bei uns funktioniert und unbezahlbare Dienste geleistet“, bekräftigt der Karrer Bürgermeister.