Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.08.2019


Bezirk Reutte

Betreiber wollen klare Aussage zu geplanten Chalets im Lechtal

Für eine Genehmigung fehlt der Raumordnungsvertrag. Teile des Gemeinderates von Häselgehr wollen den Kaufvertrag aufschnüren.

Auf diesem Areal sollten ein Haupthaus auf Vier-Sterne-Niveau sowie 22 Chalets im Endausbau entstehen. 28.000 m² umfasst das Agrargrundstück, allerdings ist das gesamte Gelände offiziell noch eine Bauschuttdeponie.

© PaschingerAuf diesem Areal sollten ein Haupthaus auf Vier-Sterne-Niveau sowie 22 Chalets im Endausbau entstehen. 28.000 m² umfasst das Agrargrundstück, allerdings ist das gesamte Gelände offiziell noch eine Bauschuttdeponie.



Von Alexander Paschinger

Häselgehr – Seit Jahren beschäftigt ein geplantes Chaletdorf die Lechtaler Gemeinde Häselgehr. Ein Haupthaus auf Vier-Sterne-Niveau und 22 Chalets sollten in der Endausbaustufe auf gut 28.000 m² an der Gemeindegrenze zu Elme­n entstehen. Ein Kaufvertrag wurde mit großer Mehrheit bereits 2015 beschlossen, die Umwidmung wurde vor eineinhalb Jahren im Gemeinderat positiv behandelt. Was fehlt, ist ein Raumordnungsvertrag, den das Land für eine aufsichtsbehördliche Genehmigung einfordert. Dazu kommt, dass zuletzt im Gemeinderat seitens des Substanzverwalters und Vizebürgermeisters Thomas Gerber ein angemessener Kaufpreis und sogar die Gültigkeit des Kaufvertrages angezweifelt wurden.

Für Dorfchef Harald Friedle ist es lediglich der Raumordnungsvertrag, der für eine Realisierung fehlt. „Da geht es in erster Linie darum, dass keine Freizeitwohnsitze geschaffen werden dürfen“, sagt Friedle. Dass diese Sache in der kommenden Gemeinderatssitzung bereits beschlossen werden könnte, bezweifelt er. Letztlich bleibt er optimistisch. „Wenn alles gut geht, haben wir das im Frühjahr über die Bühne.“

Thomas Kohler ist Mitgesellschafter der Naturparkresort Lechtal GmbH, zu der schon das Chaletdorf Benglerwald in Bach gehört. „Wir wollen ein klares Ja oder Nein“, sagt Kohler. Inzwischen habe man den Gemeinderat angeschrieben, welche Punkte man im Kaufvertrag geändert haben wolle. Was den Kaufpreis betrifft, meint Kohler, dass die fünf Euro pro Quadratmeter angemessen wären – „andere Gemeinden würden den Grund für so ein Projekt kostenlos zur Verfügung stellen“, ist er überzeugt. Die Finanzierung sei jedenfalls gesichert, erklärt der Investor. Und man stehe auch nicht unter Zeitdruck.

Der Kaufpreis sei übrigens schon seit drei Jahren auf einem Treuhandkonto hinterlegt, betont Kohler. Denn auf der Parzelle ist für das gesamte Areal eine Bauschuttdeponie eingetragen. Das Gelände steht im Eigentum der Gemeindegutsagrar. „Das müsste seitens des Substanzverwalters noch repariert werden“, sagt Kohler.

Dass im Chaletdorf keine Freizeitwohnsitze entstehen dürfen, sei für ihn als gebürtigen Häselgehrer selbstverständlich: „Wir wollen ein ordentliches Tourismusprojekt schaffen“, betont er die Lage am Radweg und den Gewinn für die Gemeinde Häselgehr.

„Wir sind nicht gegen das Projekt“, versichert Substanzverwalter Gerber. Allerdings sei seine Information, dass der Kaufvertrag aufgrund verstrichener Fristen die Gültigkeit verloren habe. Und, dass der Kaufpreis mit fünf Euro pro Quadratmeter zu niedrig sei. Im September soll es dazu neue Besprechungen zwischen Gemeinderat und Gesellschaftern geben. BM Friedle wird sich außerdem um Infos rund um den Raumordnungsvertrag kümmern.