Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.09.2019


Innsbruck

Stadt Innsbruck soll für freien Markt bauen

SPÖ-Stadtparteiobmann Plach möchte, dass Innsbruck über eine Gesellschaft auch frei finanzierbare Wohnungen baut.



Von Marco Witting

Innsbruck – Die Analyse des Innsbrucker SPÖ-Stadtparteichefs Benjamin Plach fällt nüchtern und hart aus. „Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, was wir für leistbares Wohnen seitens der Stadt tun können. Dabei ist klar geworden, dass wir an so gut wie allen Stellschrauben gedreht haben bzw. es etwa bei den Vorbehaltsflächen keine Mehrheiten gibt.“ Deshalb wollen die Roten in der Stadt jetzt noch andere Wege andenken und aufzeigen. Und dabei auch am freien Wohnungsmarkt mit den dortigen Betreibern in den Ring steigen.

Plach rechnet vor, dass seiner Ansicht nach im Pema-2-Gebäude „konservativ geschätzt“ zwischen 50 und 60 Anleger-Wohnungen versteckt sind. Wohnungen, die seiner Ansicht nach oft leer stehen. Was dann dazu führt, dass Menschen, die nicht in sozialen Wohnungen unterkommen, weil sie nicht die entsprechenden Kriterien erfüllen, aus Innsbruck abwandern. „Ich bin dafür, dass wir hier mit einer städtischen Gesellschaft in den frei finanzierten Markt einsteigen und dort Wohnungen entwickeln, die dann zu marktkonformen Preisen, ohne Gewinnaufschlag für die Gesellschaft, vermietet werden können.“

Dies sei Politik der kleinen Schritte. „Ein mittel- bis langfristiger Plan. An dessen Ende aber durchaus dann auch ein gewisser Anteil von Wohnungen da ist, die der Stadt gehören und wo die Mieter längerfristige Verträge anstreben können.“

Angst, dass ein weiterer Player auf dem Markt die schwindelerregende Preisspirale weiterdrehen würde? „Das glaube ich nicht. Klar ist, dass der freie Markt sehr oft am Bedarf vorbeibaut. Hier könnten wir mit einer städtischen Gesellschaft entgegenwirken.“

Plach will eine derartige Idee demnächst anstoßen, sieht sie aber in keiner Weise als Konkurrenz zum geförderten sozialen Wohnbau. „Es braucht beides. Außerdem ist klar, dass wir ab dem Jahr 2025 wohl keine Grünflächen mehr haben, die für den geförderten Wohnbau hergenommen werden können. Außer es gibt Neuerschließungen.“ Der SPÖ-Stadtchef will das Thema und den „Befund“ seiner Partei in den kommenden Wochen auch mit der Koalition besprechen.