Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Tirol

Kraftwerksausbau: Umweltanwalt für UVP-Stopp im Kaunertal

Für den Landesumweltanwalt kann die Umweltverträglichkeitsprüfung für den Ausbau des Kaunertalkraftwerks nicht fortgesetzt werden.


Im Platzertal ist der neue Kaunertal-Speicher geplant.

© TiwagIm Platzertal ist der neue Kaunertal-Speicher geplant.



Von Peter Nindler

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Innsbruck – Dass die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für die umstrittene Erweiterung des Kraftwerks Kaunertal auf Basis neuer Projektunterlagen fortgeführt bzw. wieder aufgenommen wird, sorgt seit Wochen für heftige Debatten. In der Vorwoche forderte die Gemeinde Sölden einen Stopp des Verfahrens, solange nicht geklärt ist, wer das Wasser der Venter Ache benützen darf. Die Gemeinde will dort ein Kleinkraftwerk errichten, das Wasser aus der Gurgler Ache wurde ihr bereits für ein dort geplantes Kraftwerk zugesprochen. Darauf verzichtet der Landesenergieversorger Tiwag für das Kaunertal-Kraftwerk jetzt teilweise.

Grundsätzlich spricht sich Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer gegen die Ausbaupläne aus, weil in weiterer Folge wegen der Ausbau-Pläne für Prutz-Imst sowie Imst-Haiming nicht nur die Funktionsfähigkeit des Inns zerstört werde, sondern durch den neuen Speicher im Platzertal auch Moorlandschaften in der Größenordnung von rund 14 Fußballfeldern beeinträchtigt würden. Die benötigten Wasserableitungen aus dem Ötztal ins Kaunertal degradieren die Gurgler und die Venter Ache außerdem zu Restwassergerinne. „Der Eingriff in den Wasserhaushalt des Ötztales wäre massiv“, argumentiert Kostenzer.

Für den Landesumweltanwalt ist es unverständlich, dass die Tiwag keine Lehren aus den kritischen Stellungnahmen zu Beginn der Umweltverträglichkeitsprüfung 2012 gezogen hat. Als nicht nachvollziehbar bezeichnet er die Einschränkung der Wasserableitung aus der Gurgler Ache. Nach wie vor werde zu viel Wasser entnommen. „Außerdem entsprechen die modifizierten Unterlagen nicht dem aktuellen Stand der Gewässerökologie“, heißt es in der Stellungnahme der Landesumweltanwaltschaft an die UVP-Behörde. Gewässerabschnitte würden sich verschlechtern, das widerspreche dem Verschlechterungsverbot.

Die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen bewertet Kostenzer ebenfalls als mangelhaft, weil eine seriöse Gegenüberstellung zwischen Eingriff in den Naturhaushalt und Ausgleich schlichtweg nicht möglich sei. Schlussendlich ist für ihn wegen der vorhandenen Widersprüchlichkeiten in den Projektunterlagen für die UVP eine Fortführung des Verfahrens aus rechtlicher Sicht nicht möglich und verwaltungsökonomisch nicht zweckmäßig.