Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.09.2019


Innsbruck-Land

„Wollen Augenhöhe mit Investoren und Bauträgern“

Der Zirler Gemeinderat hat einstimmig die bereits präsentierten Schritte für leistbares Wohnen beschlossen. Bei konkreten Projekten hapert es.

Bis eine neue Vertragsregelung vorliegt – was bis Jahresende der Fall sein soll –, beschließt der Zirler Gemeinderat für Bauvorhaben, die drei Wohneinheiten übersteigen, vorerst keine Bebauungspläne mehr.

© DomanigBis eine neue Vertragsregelung vorliegt – was bis Jahresende der Fall sein soll –, beschließt der Zirler Gemeinderat für Bauvorhaben, die drei Wohneinheiten übersteigen, vorerst keine Bebauungspläne mehr.



Zirl – Als Reaktion auf explodierende Grundstücks- und Wohnkosten möchte Zirl, wie berichtet, eine Trendwende hin zu leistbarerem Wohnen einleiten. Am Donnerstagabend beschloss der Gemeinderat nun einstimmig die bereits im Vorfeld präsentierten Schritte: Bis ein Instrumentarium der Vertragsraumordnung ausgearbeitet ist, das die Schaffung von leistbarem Wohnraum erleichtern soll, werden vorerst keine Bebauungspläne für Bauvorhaben mehr genehmigt, die drei Wohneinheiten überschreiten. Ausgenommen sind Projekte, bei denen leistbares Wohnen „in ausreichendem Ausmaß“ sichergestellt ist und die mit der Gemeinde abgestimmt sind. Ein Rechtsanwalt soll nun die juristischen Grundlagen für solche Instrumentarien bzw. einen Mustervertrag ausarbeiten, die dann vom Gemeinderat zu beschließen sind.

Von einem „Stopp“ für größere Bauprojekte wollte BM Thomas Öfner (Für Zirl) dezidiert nicht sprechen. Vielmehr wolle man eine Vertragsregelung ausarbeiten, „die uns wieder auf Augenhöhe mit Investoren und Bauträgern bringt. Wenn ein Bauträger die Vorgaben akzeptiert, kann er sehr wohl rasch bauen.“

Letztlich votierte der Gemeinderat einstimmig für diese Vorgangsweise. Davor setzte es jedoch teils heftige Kritik: GV Rainer Schöpf (Zirl Aktiv), der eine Überarbeitung der bisherigen Zirler Regelung mitinitiiert hatte, ärgerte sich darüber, dass BM Öfner die Vorschläge bereits vor der Gemeinderatssitzung und „mitten in die Ausschussberatungen hinein“ gemeinsam mit den Obmännern von Raumordnungs- und Wohnausschuss medial vorgestellt habe. Auch Vize-BM Iris Zangerl-Walser (Zukunft Zirl) bemängelte dies. Die Liste „Zirl Aktiv“ habe man überhaupt nicht einbezogen, monierte Schöpf. Öfner konterte, dass er sämtliche Fraktionen im August zur Beratungssitzung mit dem Rechtsanwalt eingeladen habe, auch im Raumordnungsausschuss habe man breit diskutiert.

Durch das „reißerische“ mediale Auftreten würden jedenfalls „Hoffnungen in der Bevölkerung geschürt, die vielleicht schwer zu erfüllen sind“, ergänzte Schöpf. Zudem forderte er eine fixe zeitliche Befristung für den Stopp, die Gemeinde dürfe als Partner für die Bauträger „nicht abhandenkommen“. Der Gemeinderat einigte sich schließlich auf das Ziel, die neue Vertragsregelung bis Jahresende zu erarbeiten.

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Leicht wird der Weg zu günstigerem Wohnen in Zirl aber nicht. Das zeigte sich schon, als es bei einem späteren Tagesordnungspunkt darum ging, konkrete Projekte für leistbares Wohnen auf gemeindeeigenen Flächen in Eigenhofen bzw. am Schwimmbad-Areal auf den Weg zu bringen, genauer: Wettbewerbe für gemeinnützige Bauträger vorzubereiten. Da bot der Gemeinderat ein eher chaotisches Bild der Uneinigkeit, fraktionellen Zersplitterung und Kommunikationsprobleme, Beschlüsse wurden keine zustande gebracht. In Sachen Eigenhofen, wo ein Grundsatzbeschluss für die Umsetzung von leistbarem Wohnraum vorliegt, ist nun wieder der Ausschuss am Zug. (md)