Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Innsbruck-Land

Baumfällungen für Radweg sorgen in Hall für Unmut

Laut BM Posch waren Schlägerungen aus Sicherheitsgründen unabdingbar, „Für Hall“ übt scharfe Kritik. Auch am Inn zeichnen sich Kontroversen ab.

Für den neuen Radwegabschnitt mussten ca. 15 Bäume weichen.

© TschernerFür den neuen Radwegabschnitt mussten ca. 15 Bäume weichen.



Hall – Das Thema Radverkehr sorgt derzeit in Hall für Debatten. Der Anlass: Im Zuge der Errichtung des neuen Radweges am (verrohrten) Gießen – von der Höhe Kreisverkehr Burgfrieden bis zur Trientlstraße – mussten zuletzt rund 15 Bäume entfernt werden.

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Die Vorgangsweise stößt Vize-BM Wolfgang Tscherner (Für Hall) sauer auf: „Die Gemeinderäte wurden erst am selben Tag informiert, an dem die Schlägerungen bereits vollzogen wurden, das kann es nicht sein.“ Zuvor sei das Projekt mit diesen Auswirkungen auf den Baumbestand in keinem Gremium vorgestellt, lediglich die Vergabe der Planung an die Hall AG im Infrastrukturausschuss beschlossen worden. „Und weil damals keinerlei Daten über Breite und Aufbau des Radweges vorhanden waren, habe ich auch nicht dafür gestimmt.“

Tscherner kritisiert generell die Asphaltierung des Radweges: „Wir brauchen da keine asphaltierte Trasse, keine Autobahn. Den Weg sauber zu schottern, würde reichen.“ Zudem seien die Beleuchtungsmasten, die auf der Südseite des neuen Radwegs installiert werden, „viel zu hoch“.

Tscherners Fazit: „Es wäre ein weitaus kostengünstigerer, ökologisch verträglicher Weg für diesen Radabschnitt möglich gewesen.“ Doch BM Eva Posch (VP) habe einen Stopp samt Überarbeitung des Projektes leider abgelehnt.

BM Posch weist die Kritik zurück: „Im Zuge der Arbeiten wurde festgestellt, dass die – hier von selbst aufgegangenen – Bäume nicht standhalten, wenn die Asphaltierung erfolgt.“ Wenn man einen sicheren, ganzjährig befahrbaren Radweg mit entsprechendem Unterbau wolle, müsse man die Wurzeln kappen – „und dann verlieren die Bäume an Standfestigkeit. Diese Gefahr können wir nicht eingehen.“ Also habe man, nach Begutachtung durch die Stadtgärtnerei, entschieden, die Bäume zu fällen. „Generell werden in Hall aber jedes Jahr mehr Bäume gesetzt als gefällt“, betont Posch. Den Weg nur zu schottern, sei keine Alternative: „Dort ist auch Winterdienst vorgesehen, ein Schotterweg wäre im Frühjahr kaputt.“ Zu einem Radweg, wie er den Richtlinien des Landes entspricht, gehöre auch eine Beleuchtung, ergänzt Posch. „Und bei niedrigeren Masten bräuchte man dafür mehr davon, das käme teurer.“

Potenzial für kontroverse Debatten besteht auch in der Unteren Lend: Im regionalen Radverkehrskonzept schlugen die Planer vor, den Inntalradweg in Hall künftig nördlich des Flusses zu führen. Doch es gebe die Befürchtung von Anrainern, darunter viele ältere Menschen, dass die Situation am Inndamm gefährlich bzw. unangenehm werden könnte, wenn dieser für Radfahrer geöffnet wird, sagt Posch. Daher habe man das Büro Planoptimo beauftragt, ergebnisoffen zu prüfen, ob der Radweg alternativ über Anna-Dengel-Straße, Schopperweg/Glashüttenweg geführt werden könnte. Diese Straßen seien ausreichend breit.

Davon hält Tscherner gar nichts: „Der Inndamm ist breit genug, dass man dort miteinander Platz hat.“ Wenn man einen Radweg auf eine Straße lege, sei es nur noch eine halbe Sache – vor allem, wenn es, wie hier, vermeidbar wäre. (md)