Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Insolvenz

Cook-Pleite: NEOS üben Kritik an Ruf nach Staatshilfen

Gerbers Ruf nach Staatshilfe für Hotels nach der Cook-Pleite analog zu Ernteausfall-Hilfen ist laut NEOS-Chef Oberhofer verantwortungslos.

Der Thomas-Cook-Versicherer will Geld überweisen.

© dpaDer Thomas-Cook-Versicherer will Geld überweisen.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Tirols NEOS-Chef Dominik Oberhofer, selbst Hotelier, kann dem Ruf von Tirols Hotellerie-Obmann und ÖVP-Mandatar Mario Gerber nach Staatshilfen für Hotels, die von der Pleite von Thomas Cook betroffen sein könnten, wenig abgewinnen. „Dann müsste man bei allen Insolvenzen den Geschädigten staatlich unter die Arme greifen“, so Oberhofer: „Da hätte dann auch ein Installateur das Recht auf Staatshilfe, wenn ein Kunde in Konkurs geht.“ Gerbers Vorschlag sei „hanebüchen, unverantwortlich und Augenauswischerei“. Der ÖVP-Mandatar wolle damit lediglich vor der Wahl auf Stimmenfang gehen. Auch Gerbers Vergleich mit der Landwirtschaft würde hinken, so Oberhofer. Ernteausfälle seien schließlich Naturkatastrophen geschuldet, hier dagegen handle es sich um die Pleite eines Reiseveranstalters, die zudem weniger Auswirkungen habe als die Pleite des Online-Portals kurz-mal-weg.de (Unister) vor drei Jahren. „Da waren weit mehr Tiroler Hoteliers betroffen als bei der jetzigen Thomas-Cook-Insolvenz“, so Oberhofer.

Er fordert von Gerber mehr Information für die betroffenen Betriebe. Denn aufgrund des deutschen Insolvenzrechts könne auf Tirols Hoteliers noch einiges zukommen. Wie berichtet, haben Hoteliers Verträge mit Thomas Cook Schweiz, aber nach deutschem Recht. Bei der „Kurz-mal-weg“-Pleite vor drei Jahren sei man „nicht nur auf offenen Rechnungen sitzen geblieben, sondern musste – aufgrund des Insolvenzrechts – teilweise sogar noch vom Reiseveranstalter bezahlte Rechnungen rückerstatten“, erinnert sich der NEOS-Chef, dessen Betrieb damals selbst Gläubiger war. „In dem Moment, wo ein Unternehmen absehbar in den Konkurs schlittert, dürfen keine Zahlungen mehr durchgeführt werden. Die von kurz-mal-weg.de bezahlten Rechnungen mussten also wieder zurückgezahlt werden und ­kamen in die Insolvenzmasse.“

Unterdessen hat der ebenfalls insolvente österreichische Ableger Thomas Cook Austria für die Pauschalreisenden eine Versicherung mit einer Gesamtdeckung von 22 Mio. Euro bei Swiss Re Corporate Solutions. Diese Summe sei „aller Voraussicht nach ausreichend“, um die Ansprüche der Urlauber abzudecken. Und Hotels, die Kunden von Thomas Cook Deutschland beherbergen, erhalten Geld von der Zurich-Versicherung.

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