Letztes Update am Mo, 30.09.2019 08:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl 2019

VP in lichten Höhen, Freudentränen bei Grünen: So reagieren Tirols Parteien

Die Tiroler ÖVP, die Grünen und die NEOS zeigten sich durch die Bank hochzufrieden mit dem Wahlergebnis. Keinen Grund zum Feiern gab es für SPÖ und FPÖ. Die Reaktionen im Video:

Jubelstimmung und freudige Gesichter bei der Tiroler ÖVP auf der Wahlparty im Innsbrucker Arkadenhof.

© Vanessa Rachlé / TTJubelstimmung und freudige Gesichter bei der Tiroler ÖVP auf der Wahlparty im Innsbrucker Arkadenhof.



Innsbruck - Was will Tirols ÖVP-Parteiobmann und Landeshauptmann Günther Platter mehr? Seit der Nationalratswahl 2017 geht es mit seiner Partei im Lande stetig bergauf, obwohl er sich mit dem demonstrativen Bekenntnis zur Farbe Schwarz auch gegenüber Türkis in der Bundespartei abgrenzt. Das zweitbeste ÖVP-Bundesländerergebnis hochgerechnet mit Wahlkarten 45,4 Prozent (+7 Prozentpunkte), die Prozentpunkte von der Landtagswahl sogar noch einmal übertroffen. Dazu ein überragender Wahlsieg von Sebastian Kurz. Und Platters Koalitionspartner, die Grünen, mischen ebenfalls wieder mit und kratzten in Tirol sensationell sogar an Platz zwei bei der gestrigen Nationalratswahl.

Bedeutet das für ihn Rückenwind auch für Schwarz-Grün im Bund? Platter gibt sich kryptisch: „Es wäre der falsche Zeitpunkt, jetzt schon definitive Koalitionsaussagen zu machen. Ich schließe nach wie vor keine Partei aus, die ÖVP wird mit allen reden." Wichtig seien stabile Verhältnisse. Insgesamt freut sich Platter über das tolle Ergebnis in Tirol. „Das stärkt uns auch in Wien." Die Tiroler ÖVP hat einen Sitz dazugewonnen, mit Kira Grünberg kommt eine siebente Abgeordnete hinzu. Sie wurde auf der ÖVP-Bundesliste abgesichert.

Für die ÖVP sieht Platter einen klaren Wählerauftrag und seine Spitzenkandidatin Margarete Schramböck wieder als künftige Wirtschaftsministerin in einer von Kurz geführten Bundesregierung. Intern scheint die Linie in der Tiroler ÖVP trotz Platters Zurückhaltung klar zu sein: Keine Koalition mehr mit der FPÖ, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Während im Innsbrucker Arkadenhof Feierlaune angesagt war, wussten FPÖ-Chef Markus Abwerzger und SPÖ-Vorsitzender Georg Dornauer schon früh, dass an dem an sich strahlenden Sonntag dunkle Wolken für FPÖ und SPÖ aufziehen. 14,7 Prozent inklusive Wahlkartenhochrechnung bedeuten für die FPÖ ein Minus von 10,2 Prozentpunkten, die SPÖ verliert 7,2 Prozentpunkte und landet bei 13,6 Prozent. Platters Herausforderer im Land mussten etwas kleinlaut das Ergebnis kommentieren.

Abwerzger: Es wird " in der Bundespartei gehörig rascheln"

Abwerzger nahm sich dabei kein Blatt vor dem Mund, am Dienstag wird es mit Unterstützung aus Tirol „in der Bundespartei gehörig rascheln". Er stellt einen Ausschluss von Ex-Chef Heinz-Christian Strache offen zur Diskussion, die Nationalratswahl habe die Partei um zehn Jahre zurückgeworfen. Außerdem empfiehlt er seiner Partei den Gang in die Opposition.

Im Parkhotel in Hall hatten sich am späten Nachmittag die Funktionäre und Unterstützer um FPÖ-Spitzenkandidat Peter Wurm versammelt. Nach Feiern war hier angesichts des Absturzes der FPÖ niemandem zumute. An dem Ergebnis gebe es nichts schönzureden, die Niederlage habe sich abgezeichnet, sagt Wurm. „Erst die Ibiza- und dann die Spesengeschichte haben uns vom Kurs abgebracht", sieht Wurm die Gründe für die herben Verluste vor allem in Wien. In Tirol hätten er und seine Wahlkämpfer ein gutes Gefühl gehabt. „In den Gesprächen mit den Leuten draußen hatten wir den Eindruck, dass wir 19, vielleicht sogar noch 20 Prozent erreichen können. Die Stimmung war gar nicht so schlecht", erklärt Wurm. „Wir haben gehofft, mit einem blauen Auge davonzukommen. Geworden sind es jetzt zwei."

Dornauer geknickt

Nur noch Platz vier, SPÖ-Parteichef Georg Dornauer ist geknickt. „Ohne unsere Stammwähler würde es noch düsterer aussehen, uns traut man offensichtlich die Regierungskompetenz nicht mehr zu. Nicht einmal die Jungen können wir gewinnen." Inhaltlich fordert er eine Kurskorrektur „ohne Tabus". Eine Debatte über SP-Bundesparteivorsitzende Rendi-Wagner hält Dornauer nicht für zielführend, „schließlich sollte sich die SPÖ mit einer Personaldebatte nicht aus dem Koalitionsspiel nehmen". Und wie schaut es mit Selbstkritik aus, hat die SPÖ in Tirol doch überdurchschnittlich verloren? Dornauer: „Gar nicht, die Genossen wissen, dass gerade ich in den vergangenen Monaten Tag und Nacht für die Partei gelaufen bin."

Spitzenkandidatin Selma Yildirim spricht von einem „schmerzlichen Ergebnis", das genau zu analysieren sei.

Tränen der Freude bei Neßler

Bei Barbara Neßler kullerten die Freudentränen. Die Tiroler Spitzenkandidatin der Grünen brauchte ein paar Minuten, bis sie das Ergebnis der Nationalratswahl realisieren konnte. Zwar war schon vor der ersten Hochrechnung klar, dass die Grünen ihr Comeback schaffen werden. Doch das endgültige Ausmaß des Erfolgs, hochgerechnet mit Wahlkarten 14,7 Prozent (+10,2 Prozent), war da noch nicht bekannt.

Mit den Wahlkarten könnte den Grünen in Tirol sogar der Sprung auf Platz zwei gelingen. Und neben Neßler würde damit auch für Hermann Weratschnig der Wechsel nach Wien möglich sein. „Unbeschreiblich", rang die (noch) Innsbrucker Gemeinderätin Neßler nach Worten. „Das Comeback ist wirklich sensationell."

Die grüne Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe war Neßler gleich nach der ersten Hochrechnung um den Hals gefallen. Zwei Jahre nach der Wahlschlappe war für Felipe die Rückkehr „sagenhaft". Während Neßler sich zu Koalitionsfragen in Wien nicht äußern, sondern lieber den Erfolg „einmal genießen" wollte, sagte Felipe: „Das hängt sehr davon ab, ob die ÖVP ihren Kurs beibehält oder ihn doch auch im Sinne der Klimakrise ändert." Ein ganz persönliches „Comeback" brachte die Wahl für Weratschnig. Das Schwazer Polit-Urgestein erklärte, dass man sich „Koalitionsgesprächen nie verschließen" sollte. Und er sieht in dem sehr wahrscheinlichen zweiten Mandat für die Tiroler Grünen einen starken „Akzent" etwa beim Verkehr.

Oberhofer: "Sensationell gelaufen"

Die NEOS gewinnen weiter an Stimmen dazu. In Tirol erreichten die Pinken laut vorläufigem Ergebnis und ohne Wahlkarten 8,03 Prozent, ein Plus von 2,31 im Vergleich zu den Wahlen im Jahr 2017. Hochgerechnet (mit Wahlkarten) sind es 8,6 Prozent (ein Plus von 2,9 Prozent). Mit Johannes Margreiter wurde auch erstmals ein Tiroler NEOS-Kandidat ins Parlament gewählt.

Dementsprechend zufrieden ist auch die Landesspitze der Partei. „Es ist für uns in Tirol sensationell gelaufen", sagt Dominik Oberhofer, Landessprecher der Partei. Überraschend sei, dass die Tiroler NEOS „erneut sehr viel besser als die Partei im Bundesschnitt abgeschlossen haben". Daraus gelte es nach einer genaueren Analyse Schlüsse zu ziehen.

Von einer „riesigen Genugtuung" sprach Spitzenkandidat und Neo-Parlamentarier Johannes Margreiter — bei den Nationalratswahlen 2017 und den EU-Wahlen 2019 erlangte er kein Mandat. „Ich bin erfreut, dass unser Angebot so großen Anklang gefunden hat." Im Parlament wolle er sich „kritisch und lautstark zu Wort melden und die Anliegen der Tiroler vertreten". (TT.com / pn, np, bfk, mw)