Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Bezirk Schwaz

Gründung des Wasserverbandes im Bezirk Schwaz rückt näher

Der Großteil der Gemeinden des künftigen Wasserverbandes Mittleres Unterinntal hat den Beitritt beschlossen, darunter Jenbach. Den größten Widerstand gibt es in Strass, wo der Beschluss noch aussteht.

Im Juni war der Grundwasserspiegel so angestiegen, dass viele Felder am Inn wie hier in Münster unter Wasser standen.

© DählingIm Juni war der Grundwasserspiegel so angestiegen, dass viele Felder am Inn wie hier in Münster unter Wasser standen.



Von Walter Zwicknagl

und Angela Dähling

Jenbach, Wiesing, Strass – „Wer bis heuer noch Zweifel am notwendigen Hochwasserschutz hatte, wurde wohl eines Besseren belehrt“, sagte Peter Schuler vom Baubezirks­amt Innsbruck, als es im Jenbacher Gemeinderat um die Satzungen und den Beitritt zum Wasserverband ging. Eine Stunde dauerte die Präsentation künftiger Maßnahmen, der Beschluss erfolgte einstimmig. Acht Gemeinden des Mittleren Unterinntales hätten sich schon dazu bekannt, fünf seien noch ausständig, betonte Schuler. Der Arbeitsbereich erstreckt sich von Pill-Terfens bis Reith-Münster. Kooperation und wechselseitige Solidarität seien notwendig, betonte der Experte. Die Kernfrage sei, wie viel Retentionsvolumen die Gemeinden zur Verfügung stellen.

Als von den Kosten die Rede war, horchten die Gemeinderäte auf. Denn die enorme Summe von 250 Mio. Euro stellte Schuler in den Raum. Das sei ungefähr der Kostenrahmen, von dem auch flussabwärts von Münster beim Projekt Unteres Unterinntal die Rede sei. 85 Prozent der Kosten übernehme der Bund, 15 Prozent müssen die Gemeinden berappen, davon wiederum 14 Prozent Jenbach. Heuer habe man namhafte Betriebe in Jenbach noch durch den Einsatz von Großpumpen schützen können.

Derzeit gibt es Überlegungen, das Projekt Hochwasserpumpwerk am Jenbacher Gießen vorzuziehen. Von diesem ist schon seit Jahren die Rede. „Das allein ist aber nicht der Weisheit letzter Schluss“, betonte Schuler. Bei der Grundwasserfrage seien Buch, Strass und Jenbach ein besonderes Problem. Bisherige Studien seien aber nicht in Stein gemeißelt.

Für den Wiesinger BM Alois Aschberger war schon vorab klar, dass die Gemeinde Jenbach allein wegen der immer wieder prekären Hochwassersituation beim Großkonzern Innio zustimmen wird. Bei der Gemeinderatssitzung am 28. August appellierte er an seine Mandatare: „Ich bitte um Beschließung, denn wir kommen da nicht aus.“ Von einem Baustart frühestens 2027 und zehn Jahren Bauzeit war die Rede. Auch in Wiesing fiel der Beitritt zum Verband und das Ja zu den Satzungen dann einstimmig aus. Bezirkshauptmann Michael Brandl geht nicht davon aus, dass irgendeine Gemeinde nicht mitmacht. „Am Verband führt kein Weg vorbei. Was man dann wie umsetzt, ist eine andere Sache“, sagt er. Beschlüsse sind noch in Münster, Bruck, Schlitters und Strass ausständig. Laut Brandl soll sich das diesen Herbst noch ändern. Grundsatzbeschlüsse gebe es seit 2018 von allen Gemeinden.

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„Bei uns hat der Bürgermeister im Frühsommer den Punkt nach einer heftigen Diskussion wieder abgesetzt und seither nicht mehr auf die Tagesordnung gesetzt“, sagt der Strasser Gemeindevorstand Alfred Enthofer. BM Karl Eberharter: „Ich möchte noch mit der Abteilung Wasserwirtschaft einiges klären. Das Thema kommt im November auf die Tagesordnung.“ Strass ist eine der am meisten betroffenen Gemeinden und jene, in der der Widerstand am höchsten ist – mit Alfred Enthofer an der Spitze. „Wir hatten aber im Juli ein gutes Gespräch mit LHStv. Josef Geisler“, sagt er. Dabei sei die Firma I.N.N. beauftragt worden, eine Studie hinsichtlich alternativer Schutzmaßnahmen zu ­erstellen.