Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.10.2019


Bezirk Kitzbühel

Aktion scharf gegen illegale Freizeitwohnsitze gefordert

Nach Bürgerprotesten im Bezirk Kitzbühel bringt die Liste Fritz im Landtag zwei Dringlichkeitsanträge für bessere Kontrollen ein.

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© Michael Mader



Von Michael Mader

St. Johann i. T. – An die 100 Bürger waren vor gut zwei Wochen zum Informationsabend über das Thema „Ausverkauf der Heimat! Freizeitwohnsitze: Genug ist genug!“ nach St. Johann gekommen. Initiiert haben die Veranstaltung Christine und Niki Freysinger aus Going, organisiert hat sie das Team der Liste Fritz.

Der massive Protest der Bürger, die den Wildwuchs bei den Freizeitwohnsitzen so nicht mehr hinnehmen wollen, ist für Liste-Fritz-Landtagsabgeordneten Markus Sint Anlass genug, zwei Dringlichkeitsanträge im Oktober-Landtag einzubringen. „Die Landesregierung wird beauftragt, eine allgemein gültige Checkliste für die Kontrolle und Feststellung mutmaßlicher illegaler Freizeitwohnsitze auszuarbeiten und den Gemeinden bzw. Bürgermeistern zur Verfügung zu stellen, um diesen eine einheitliche und bestmögliche Erfüllung ihrer gesetzlichen Prüfpflichten zu ermöglichen“, lautet der erste Antrag. „Das Gesetz muss nämlich auch kontrolliert und vollzogen werden. So gibt es keine Ausreden mehr, dass man nicht genau wusste, wie das zu machen gewesen wäre“, sagt Sint. Er ermutigt alle Bürger, mutmaßliche illegale Freizeitwohnsitze beim jeweiligen Bürgermeister zu melden: „Wir müssen eine Aktion scharf machen. Das Signal soll über Tirol hinausgehen. Das Maß des Erträglichen ist voll. Die Bürger haben die Schnauze gestrichen voll.“

In Tirol gebe es mit 16.218 genehmigten Freizeitwohnsitzen ohnehin genug. 63 von 279 Gemeinden würden über dem „ominösen“ Acht-Prozent-Anteil liegen. Im Bezirk Kitzbühel sind 13 von 20 Gemeinden über dieser Marke, in Kufstein zehn von 30. So habe beispielsweise Westendorf einen Freizeitwohnsitzanteil von 26 Prozent, Aurach und Reith bei Kitzbühel einen von 24 Prozent.

Der zweite Dringlichkeitsantrag beinhaltet sinngemäß die Prüfung, ob die Freizeitwohnsitzkontrolle die Gemeinden nicht überfordere und beispielsweise die Bezirkshauptmannschaft bzw. das Amt der Tiroler Landesregierung das übernehmen solle. Oder ob für die Kon­trolltätigkeit finanzielle oder personelle „Zuwendungen“ erforderlich seien. Sint ist sich bewusst, wie schwierig die Thematik ist: „Ich weiß von einem Bürgermeister, der beim Betreffenden angefragt hat, ob das schon ein Hauptwohnsitz ist, und dann ein 16-seitiges Anwaltsschreiben zurückbekommen hat.“ Von einem Flächenfraß in den Gemeinden und einer Preistreiberei, wodurch junge Familien keine Chance mehr haben, ein Haus zu bauen, sprach Josef Niedermoser, Bezirkssprecher Kitzbühel der Liste Fritz. In dieselbe Kerbe schlägt Marielle Haidacher, Gemeinderätin in Kitzbühel: „Wohnen ist ein Grundrecht der Menschen. Bei uns sagt die ÖVP, dass sie so viel für das Wohnen tut, aber ist es wirklich im Interesse der Leute, dass sie in einen Schuhkarton abgeschoben werden?“