Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.10.2019


Innsbruck-Land

Bauprojekt in Wildermieming stößt auf Widerstand

Wildermieming: Zuzugsdruck, Golfplatznähe, wechselnde Bauträger und steigende Grundstückspreise weckten die Angst vor einem „Ausverkauf“ bei zahlreichen Bürgern. An einer Lösung wird gearbeitet.

BM Klaus Stocker und Martin Weber waren sich anfänglich uneins darüber, wie ein Bauträger ein Haus plus Grund verwerten darf.

© ParthBM Klaus Stocker und Martin Weber waren sich anfänglich uneins darüber, wie ein Bauträger ein Haus plus Grund verwerten darf.



Von Thomas Parth

Wildermieming – ausverkauf.tirol – so lautet die Homepage der gleichnamigen Bürgerinitiative (BI) in Wildermieming. „Nach der Gemeinderatssitzung am 21. August, bei der ein Bebauungsplan beschlossen wurde, wollten wir uns als betroffene Bürger etwas breiter aufstellen“, informiert Martin Weber, der gemeinsam mit Dieter Schmid und Martin Czermak als Gründungsmitglied der BI verantwortlich zeichnet. Im kritisierten Anlassfall in Wildermieming (Bild) war zunächst eine Baumassendichte von 2,0 vorgesehen. Auch wäre die bestehende Einfamilienhaus-Struktur in Gefahr. Ein „Domino-Effekt“, dass sich mehrere Bauträger in Wildermieming einkaufen und Grundstücke für Einheimische unerschwinglich werden, wurde befürchtet.

Für eine breitere Resonanz sorgte neben dem Internetauftritt auch eine Unterschriftenliste, welche jüngst dem Wildermieminger Bürgermeister Klaus Stocker übergeben wurde. Die Unterschriftenliste sei ein Selbstläufer gewesen, wie Weber bestätigt: „Den Leuten brennt das Thema unter den Fingernägeln, weil sie Angst vor Großbauprojekten haben und nicht verstehen, was derartige Wohnblöcke einer Gemeinde wie Wildermieming bringen sollen.“

BM Stocker selbst ist zwar nicht von der Herangehensweise begeistert, hegt jedoch Verständnis für die Inhalte der Bürgerinitiative: „Mit uns kann man jederzeit über alle Anliegen sprechen. Nach der Gemeinderatssitzung war uns klar, dass ein Beharrungsbeschluss des vorliegenden Bebauungsplans schwierig wird. Mit dem Vizebürgermeister und dem Bauträger haben wir uns zusammengesetzt, um eine gemeinsame Lösung zu finden.“ Klar sei aus Sicht der Gemeindeführung, dass eine Bebauung des Grundstückes stattfinden darf. „Ich kann mir vorstellen, das Projekt auf einer Gemeindeversammlung der Bevölkerun­g vorzustellen. Auch die Kritik, dass beim vorliegenden Projekt zu wenige Besucherparkplätze vorhanden wären, will der Bauträger annehmen und alles dafür tun, dass das Projekt verträglich wird“, versichert Stocker.

Jetzt sei zunächst der Gemeinderat am Zug. Das Gremium müsse beschließen, wie es mit den Einsprüchen gegen den Bebauungsplan umgeht, so BM Stocker. Er habe das Gespräch mit der Bürgerinitiative gesucht und werde sich um eine einvernehmliche Lösung bemühen.

Im Zuge der Diskussion ist ein alter Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1998 „aufgetaucht“, von dem der aktuelle Gemeinderat keine Ahnung hatte, der jedoch noch Gültigkeit besitzt. Die Vereinbarung besagt, dass bei Wohnanlagen mindestens 75 Prozent der Wohneinheiten an Gemeindebürger vergeben werden müssen.

„Diesen Beschluss könnte man erneuern“, schlägt Weber vor. So weit will Stocker allerdings noch nicht gehen und „schon gar nicht dem Gemeinderat vorgreifen“.