Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Bezirk Landeck

Ehemaliges Klosterareal Perjen: Strengen erteilt Landeck Absage

Was passiert mit den Grundstücken am ehemaligen Klosterareal in Perjen? Die Stadt Landeck wollte die Fläche von den Miteigentümern ankaufen. Die Gemeinde Strengen macht dem einen Strich durch die Rechnung.

Die Flächen westlich des ehemaligen Kapuzinerklosters in Perjen gehören zehn Gemeinden. Eine Nachnutzung steht in den Sternen.

© ReichleDie Flächen westlich des ehemaligen Kapuzinerklosters in Perjen gehören zehn Gemeinden. Eine Nachnutzung steht in den Sternen.



Von Matthias Reichle

Landeck – Es geht um nicht mehr als 179,8 Quadratmeter – so viel Grund besitzt die Gemeinde Strengen in bester Lage. Mitten im Landecker Stadtteil Perjen. Gemeinsam mit Land­eck, Zams, Fließ, Stanz, Grins, Pians, Flirsch, Pettneu und St. Anton gehört ihr nämlich eine 1798 Quadratmeter große Fläche am ehemaligen Kloster­areal. Seit einem Rechtsstreit mit den Kapuzinern und einer außergerichtlichen Einigung können die zehn Miteigentümer wieder darüber verfügen. Seither liegt sie mehr oder weniger brach. Nun wollte sie die Stadt Landeck komplett erwerben – Strengen lehnt den Deal allerdings ab und macht damit der Nachnutzung einen Strich durch die Rechnung.

Es war denkbar knapp. „Die Abstimmung ist 7 zu 6 ausgegangen“, erklärt der Strenger Bürgermeister Harald Siess, der selbst für den Verkauf war. „Wir haben ein Zehntel der Fläche, mit der man nicht viel anfangen kann. Für die Stadt hat es einen größeren Wert. Das Angebot war fair. Ein Teil des Gemeinderats hat das anders gesehen“, zieht er Bilanz. Siess will das nicht weiter kommentieren. Laut Gemeinderatsprotokoll war wohl so manchem der Preis zu niedrig, auch eine Verpachtung wurde diskutiert.

Wie es weitergeht, ist derzeit noch in der Schwebe. Für einen Grundverkauf müssen alle zustimmen, betont der Land­ecker Bürgermeister Wolfgang Jörg. „Derzeit ist alles vogelfrei, es gibt keine Zuständigkeiten.“ Er würde die Eigentumssituation gerne lösen. „Ideelles Miteigentum nutzt so niemandem wirklich was. Wenn man es erwerben könnte – kann man etwas investieren usw.“

Aktuell wird die Fläche zum Teil als Parkplatz genutzt, aber auch Hühner werden dort gehalten und es gibt einen kleinen Garten. Was man seitens der Stadt Landeck damit vorhat, sei noch offen. Jörg sieht Entwicklungspotenzial für Perjen – vom Parkplatz über einen Park bis hin zu einem Spielplatz oder Dorfplatz. „Hauptziel ist nicht, dass man das verbaut.“ Das Vernünftigste wäre, wenn man es lösen könnte – „sonst bleibt es wie gehabt, und es hat niemand was“. 120 Euro bietet Landeck derzeit pro Quadratmeter – bzw. einen Aufschlag, sollte die Fläche später in Bauland umgewidmet werden. Außerdem ist die Fläche laut Jörg noch mit einer Dienstbarkeit belastet.

St. Anton und Pettneu haben bereits zugesagt. In Stanz hat man zwar noch keinen Beschluss gefasst, aber auch dort sieht BM Ferdinand Beer den Verkauf als „sinnvolle Lösung“. Auch der Zammer BM Siggi Geiger geht von einem „positiven Beschluss“ aus. Jörg will noch einmal mit dem Strenger Gemeinderat zusammensitzen, wenn es in anderen Gemeinden positiv entschieden ist. Ob man die Fläche auch ohne den Strenger Anteil erwerben könnte, lässt er offen.

Doch auch in Flirsch dürfte der Verkauf umstritten sein. „Ich bin nicht sicher, ob es bei uns positiv ausgehen würde“, erklärt Dorfchef Roland Wechner. Er hat das Thema bereits im Gemeindevorstand diskutiert – nach dem Strenger Beschluss hat er jetzt keine Eile, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen – und ist darüber nicht ganz unglücklich. Das Argument dagegen: „Es geht ja nicht um viel Geld und warum soll ich Grund, der nur im Wert steigen kann, verkaufen.“ Für ihn selbst macht ein Verkauf an Landeck allerdings durchaus Sinn – „ich kann aber auch Strengen verstehen“. Auch die Vorgeschichte um den Rechtsstreit mit den Kapuzinern dürfte eine Rolle spielen. „Das ist vom ehemaligen Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger ausgegangen“, so Wechner. Möglich also, dass sich der ein oder andere jetzt die Frage stellt, warum Land­eck davon profitieren soll.




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