Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Tirol

Dreierlandtag tanzt mit dem Wolf: Streit um Abschuss

Dem Tiroler Landtag geht der Antrag aus Südtirol zu weit. Ein Kompromiss-vorschlag wurde abgelehnt, trotzdem wird noch bis zum Schluss verhandelt.

Emotionales Streitthema beim heutigen Dreierlandtag in Meran: der Umgang mit dem Wolf in der Euregio.

© Rudy De Moor / TTEmotionales Streitthema beim heutigen Dreierlandtag in Meran: der Umgang mit dem Wolf in der Euregio.



Von Peter Nindler

Innsbruck, Meran – Die sechs Tiroler Landtagsfraktionen ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, NEOS und Liste Fritz stellten sich bereits in der Vorwoche die Sinnfrage. Der Umgang mit dem Wolf in der Europaregion Tirol bestätigt ihre Kritik am aktuellen politischen Zuschnitt des Dreierlandtags von Tirol, Südtirol und dem Trentino. Heute tagt er in Meran. Denn nicht einmal ein gemeinsamer „Wolf-Antrag“ wurde zustande gebracht; weil sich der Antragsteller für den Südtiroler Landtag, der dortige freiheitliche Parteiobmann Andreas Leitner-Reber, bisher geweigert hat, einem vom Tiroler Landtag ausgearbeiteten Kompromissvorschlag zuzustimmen.

Es spießt sich schon beim Antragstitel: Während Südtirol „Wolffreie Almgebiete in der Europaregion Tirol“ haben möchte, schlagen der stellvertretende ÖVP-Klubchef Hermann Kuenz und der grüne Abgeordnete Michael Mingler die „Zusammenarbeit in der Europaregion Tirol beim Umgang mit dem Wolf in den Almregionen“ vor. Andererseits fordert der Südtiroler Landtag „im Sinne von wolffreien Almgebieten“ alle notwendigen Maßnahmen auf den jeweiligen nationalen Ebenen sowie gemeinsam auf europäischer Ebene, um eine Entnahme des Wolfes durch Fangen und Töten in sensiblen Gebieten zu ermöglichen. Diese weitreichende Vorgangsweise lehnt wiederum das Bundesland Tirol ab. Eine „Entnahme einzelner Problemtiere“ sollte nur als „Ultima Ratio“ (letztes Mittel) in sensiblen Gebieten ermöglicht werden, heißt es im Tiroler Abänderungsantrag.

Bis zum Beginn der Tagesordnung heute Vormittag wird deshalb weiterverhandelt, Hermann Kuenz hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. „Eines ist jedoch klar: Dem vorliegenden Antrag können wir nicht zustimmen.“ In den vergangenen Wochen habe man sich um einen Kompromiss bemüht, „doch der war nicht möglich“. Man sei sich der Problemstellung um die großen Beutegreifer in den Almregionen sehr wohl bewusst, zugleich aber realistisch, fügt Kuenz hinzu. „Dazu gehören vorbeugende Maßnahmen und vorerst gelindere Schritte. Erst wenn diese nicht zum Erfolg führen, kann eine Entnahme erfolgen.“ Michael Mingler verweist in diesem Zusammenhang auf den Herdenschutz.

Alle Vermittlungsversuche scheiterten, selbst der Tiroler FPÖ-Mandatar Alexander Gamper konnte seinen Südtiroler Kollegen nicht umstimmen. Bleibt eine Einigung in letzter Minute aus, wird der Tiroler Landtag einhellig gegen den Südtiroler Antrag zum Wolf stimmen. „Man sieht schon, dass es einen Unterschied macht, ob die Lega Nord oder die Grünen in einer Regierung sind“, ist sich der grüne Klubchef Gebi Mair sicher. Und: In Tirol gebe es viel mehr Vernunft im Umgang mit den großen Beutegreifern wie Wolf und Bär.