Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.10.2019


Landespolitik

Sport-Fördertopf soll in Zukunft transparenter werden

Landesrechnungshof gegen Doppelförderungen, Telfer Eis- halle ist trotz hoher Zuschüsse finanzielle Gratwanderung.

Allein Land Tirol und Stadt Innsbruck schießen jährlich 200.000 Euro für die Ganzjahres-Eishalle in Telfs zu.

© gepaAllein Land Tirol und Stadt Innsbruck schießen jährlich 200.000 Euro für die Ganzjahres-Eishalle in Telfs zu.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Millionen fließen in den Tiroler Sport, zehn bis elf Millionen kommen jährlich vom Land. Stehen Großveranstaltungen an, sind es deutlich mehr. Aus der Sicht der Sportverbände und -vereine ist es immer zu wenig. Dennoch: Die Förderkulisse benötigt einen Transparenzschub, ein Jahr nach seiner Kritik an allfälligen Doppelförderungen für die Fachverbände bleibt die Antwort des Landessport­rats dieselbe.

Die Förderrichtlinien müssten nicht überarbeitet werden, weil keinesfalls von Doppelförderungen ausgegangen werden könne, heißt es in einer gestern beschlossenen Stellungnahme der schwarz-grünen Landesregierung. „Darüber hinaus obliegt es der Autonomie der Fachverbände und deren Gremien, welche Förderungen (bzw. auch Beiträge) über die Mitgliedsvereine gewährleistet bzw. auch eingehoben werden.“ Debatte beendet.

Wobei der Landesrechnungshof lediglich zwei Optionen vorgeschlagen hat: Die Fördermittel an die Fachverbände reduzieren sich auf Zuschüsse zum laufenden Betrieb, die Förderung der Nachwuchsarbeit und der Durchführung von Veranstaltungen an die Vereine erfolgt ausschließlich durch das Land Tirol. Alternativ sind die Fachverbände für die Förderung, für die Nachwuchsarbeit und die Durchführung von Veranstaltungen von Mitgliedsvereinen zuständig.

Dass es vor allem bei Sportgroßveranstaltungen Reformen benötigt, zeigt die Nordische WM 2019 in Seefeld. Nach wie vor wird über die Mehrkosten diskutiert. Ausgangsbasis ist, wie Recherchen der TT ergeben haben, die Fördervereinbarung von August 2018: Damals wurden 27,15 Mio. Euro festgeschrieben, aktuell liegt die Abrechnung bei 30,7 Mio. Euro. Der Bund will vorerst nicht mehr als 8,8 Mio. Euro zahlen, das Land hat einmal 10,9 Mio. Euro vorgesehen. Wahrscheinlich wird noch mehr als eine Million dazukommen. Unabhängig davon, dass Interims-Finanz- und Sportminister Eduard Müller auf die „maximalen 8,8 Mio. Euro“ pocht, will sich Sportreferent LHStv. Josef Geisler (VP) damit nicht zufrieden geben. „Weil es andere Zusagen gegeben hat.“

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Kritik kommt von der Liste Fritz. „Das Unvermögen, die veranschlagten Budgets bei Sportgroßveranstaltungen einzuhalten, nervt gewaltig, ist komplett unprofessionell und schadet dem Sport“, empört sich LA Markus Sint.

Eine finanzielle Gratwanderung ist auch die GanzjahresEishalle in Telfs: Viereinhalb Jahre nach der Eröffnung wird zwar ausgeglichen bilanziert, doch nach wie vor lastet ein Bilanzverlust von 107.234 Euro auf der „Ice Sport Arena“. Mit massiver öffentlicher Unterstützung wurde die Halle finanziert, das Land schießt jährlich 130.000 Euro zu, die Stadt Innsbruck kauft um 70.000 Euro Eiszeiten und auch der Tourismusverband sponsert mit 25.000 Euro. Insgesamt weist die Bilanz 2018/2019 für die „Ice Sport Arena Sportanlagen GmbH“ Subventionen und Zuschüsse von rund 780.000 Euro aus.

Intransparent? Rechnungshof rügt Sport-Dachverbände

Die Sportförderung wird in Tirol aus dem Sportförderungsfonds und dem Landesbudget bestritten. 22,6 Millionen Euro flossen im Vorjahr in den heimischen Sport; davon knapp 13 Mio. Euro in den Bau von Sportstätten (Großevents) und zwei Mio. Euro in die Durchführung von Veranstaltungen. Die Kritik des Landesrechnungshofs (LRH) an den Finanzierungskonzepten für die Nordische WM in Seefeld 2019 (28 Millionen Euro) und vor allem für die Rad-WM im September in Innsbruck (13 Mio. Euro) dürfte nachhaltig sein. Wobei der Chef des Organisationskomitees von Seefeld, Christian Scherer, darauf verweist, dass die Durchführung der Nordischen Weltmeisterschaften ausschließlich vom Österreichischen Skiverband finanziert werde. So weit, so gut.

Die Infrastrukturkosten in Seefeld schnellten von 16,5 auf 27,9 Mio. Euro in die Höhe. Das Budget für die Rad-WM weist derzeit noch Lücken zwischen zwei und drei Millionen Euro auf. Allein der "Organisationsbeitrag" an den Internationalen Radsportverband macht mit 5,840 Mio. Euro knapp die Hälfte des Veranstaltungsbudgets aus. Die durchführende "Innsbruck-Tirol Sports GmbH" (ITS),an der Land Tirol und Stadt Innsbruck mit je 45 Prozent und das Österreichische Olympische Komitee mit zehn Prozent beteiligt ist, dürfte nach der WM wohl ins Wanken geraten.

In Innsbruck wird der Sinn der Gesellschaft offen in Frage gestellt, im Land tendiert man zu einer Neupositionierung der ITS. Künftige Sport-Großveranstaltungen sollen durch das Zusammenziehen von fachlichen Kompetenzen vorbereitet und durchgeführt werden. Zentrales Bestreben: Dem Land muss bereits in der Entwicklungsphase ein realistisches sowie nachvollziehbares Kosten und Finanzierungsziel mit erkennbaren Risiken vorgelegt werden. Schließlich leben die WM-Budgets großteils von den Förderungen des Landes.

Wie sieht es sonst mit der Sportförderung aus? Im Großen und Ganzen regt der Landesrechnungshof an, dass das Land stärker als bisher die Effizienz der eingesetzten Förderungen("Outcome-Orientierung")überprüfen müsste. Das soll eine effektive Mittelverwendung gewährleisten. Kritisch sieht der Landesrechnungshof einmal mehr die mangelnde Transparenz bei den drei großen Dachverbänden. Der ASVÖ erhielt 2017 Förderungen von 171.667 Euro, ASKÖ und Union jeweils 99.167 Euro. Bekanntlich gehören die Sportvereine einem Fach-und einem Dachverband an.

Weil die Jahresabschlüsse der Verbände nicht dem Land vorgelegt werden, gebe es keine Informationen über die Gesamtfinanzierung der Förderempfänger, bemängelt der LRH. Es sei deshalb auch unklar, in welchem Ausmaß der Betriebsaufwand gefördert worden sei. Bereits 2009 hatte der Bundesrechnungshof die geringe Transparenz der Mittelströme in der Dachverbandsförderung festgestellt. Der LRH hat keine Verbesserungen bei der Transparenz festgestellt und fordert ebenfalls die Vorlage von Verwendungsnachweisen und Jahresabschlüssen.

Wie sieht es mit den Tiroler Großklubs aus? Wacker Innsbruck wurde 2017 mit 430.000 Euro gefördert, Handball Tirol mit 140.000 Euro. Die Eishockey-Haie bekamen 210.000 Euro, die Wattener Fußballer 170.000 Euro.