Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.11.2019


Tirol

Auch Oberland spürt schon den Engpass in der Pflege

Neue Pflegebetten im Wohnheim in Flirsch konnten über Monate nicht belegt werden. Neue Werbekampagne für Pflegeberufe startete in Zams.

Pflege ist personalintensiv – in den Tiroler Heimen fehlen laut jüngsten Erhebungen rund 300 Mitarbeiter, vor allem Pflegeassistenten. 140 Pflegeplätze bzw. Betten können daher nicht belegt werden.

© WenzelPflege ist personalintensiv – in den Tiroler Heimen fehlen laut jüngsten Erhebungen rund 300 Mitarbeiter, vor allem Pflegeassistenten. 140 Pflegeplätze bzw. Betten können daher nicht belegt werden.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Imst, Reutte — Einen Aufnahmestopp für Pflegepatienten in den beiden Kufsteiner Heimen hatte 2017 für Aufregung gesorgt. Der Stadtrat begründete den Beschluss mit akutem Mangel an Pflegemitarbeitern. Der Versuch, Leasing-Mitarbeiter zu beschäftigen, griff nur teilweise: Mitunter konnten mehr als zehn von 178 Betten nicht belegt werden.

Das Oberland war damals besser dran, unbesetzte Stellen gab es kaum. Inzwischen sind allerdings mehrere Heime in den Bezirken Landeck, Imst und Reutte von den Engpässen betroffen. Fallbeispiel Wohn- und Pflegeheim Oberes Stanzertal in Flirsch: Der Gemeindeverband hatte beschlossen, das 30-Betten-Haus um fünf Betten zu erweitern. Doch die neuen Betten blieben heuer monatelang leer. „Wir haben viel Aufwand und Werbung in die Mitarbeitersuche gesteckt. Leider hielt sich der Erfolg in Grenzen", schildert Geschäftsführerin Kathrin Hörschläger. Erst kürzlich, Mitte Oktober, konnten alle 35 Betten belegt werden. Dass eine pensionierte Diplomkrankenschwester für Teilzeit-Mitarbeit aktiviert wurde, bestätigt die angespannte personelle Situation. Man hoffe, dass die neuen Mitarbeiter längerfristig bleiben und nicht in andere Branchen abwandern.

Den tirolweiten Engpass in der Pflege fasst Robert Kaufmann, Vorstand der ARGE Tiroler Altenheime, so zusammen: „Nach unserer jüngsten Umfrage können derzeit 140 Plätze bzw. Betten nicht belegt werden. Aktuell fehlen 300 Pflegemitarbeiter, wobei der Bedarf an Pflegeassistenten am größten ist." Dafür gebe es mehrere Ursachen. „Einmal ist es die Demografie, die uns zu schaffen macht. Dazu kommt, dass Pflegeberufe in Konkurrenz zu anderen Berufen stehen. Der scharfe Wettbewerb beginnt oft schon in den Schulen." In Zeiten guter Konjunktur und Vollbeschäftigung würden Pflegeberufe eher nicht an erster Stelle bei den jungen Leuten stehen, erläutert Kaufmann. „Es spricht sich auch herum, dass manche Firmen eine Kopfprämie für erfolgreiche Anwerbung von Mitarbeitern zahlen."

Infotag im Kaufhaus: Viele Besucher ließen sich von Cornelia Scherl den Blutdruck messen.
Infotag im Kaufhaus: Viele Besucher ließen sich von Cornelia Scherl den Blutdruck messen.
- Wenzel

Bei der tirolweiten Pflegeberuf-Kampagne, die am Donnerstag in Zams startete, gab es eine Premiere: Ein Team der Gesundheits- und Krankenpflegeschule St. Vinzenz war nicht — wie bisher üblich — im Bildungszentrum anzutreffen, sondern im Handelshaus „Grissemann". „Hier können wir sehr viele Leute ansprechen, vielleicht auch Berufsumsteiger oder Wiedereinsteiger. Das Interesse am Infostand ist erfreulich groß", resümierte eine Mitarbeiterin der Landessanitätsdirektion. Angeboten wurde auch ein kleiner Gesundheits-Check mit Blutdruckmessen. „Das kommt gut an", schildert Pflegeassistentin Cornelia Scherl aus Schönwies, die sich mit Ausbildung und Karrierechancen bestens auskennt. „Es ist ein sehr schöner Beruf mit hoher Arbeitsplatzsicherheit. Man bekommt von den Patienten vieles zurück."

Ein weiterer Infotag im Rahmen der Kampagne für Pflegeberufe ist für 30. November im Eurospar Reutte geplant.