Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.10.2019


Innsbruck-Land

Anrainer in Aldrans fordern, dass Beschluss vertagt wird

Bewohner, die von einer zentrumsnahen Umfahrung in Aldrans betroffen wären, gehen vor der brisanten Sitzung am Montag auf die Barrikaden.

Die Entlastung des verkehrsgeplagten Aldranser Dorfzentrums (Bild) dürfe nicht nach dem „Florianiprinzip“, also durch Verlagerung in einen anderen Ortsteil, erfolgen, verlangen Anrainer westlich des Ortskerns.

© DomanigDie Entlastung des verkehrsgeplagten Aldranser Dorfzentrums (Bild) dürfe nicht nach dem „Florianiprinzip“, also durch Verlagerung in einen anderen Ortsteil, erfolgen, verlangen Anrainer westlich des Ortskerns.



Aldrans – Am Montagabend wird’s spannend: Da soll der Aldranser Gemeinderat darüber befinden, wie es in Sachen Entlastung für den verkehrsgeplagten Dorfkern weitergeht. Welche Empfehlung der Verkehrsausschuss Anfang der Woche ausgesprochen hat, wurde nicht publik. Anrainer gehen aber davon aus, dass die Gemeinde das Land darum ersuchen wird, eine Umfahrung zu planen.

Dagegen regt sich im Dorf einiger Widerstand. Vor allem jene Anrainer und Grundbesitzer, die von „Variante A“ (grobe Route: vom „Felseneck“ bei der Dorfeinfahrt hinauf zu Tankstelle/Feuerwehr und dann weiter zum Sägewerk Dollinger) betroffen wären, gehen auf die Barrikaden. Laut den beauftragten Verkehrsexperten hätte diese zentrumsnahe Variante die höchste Entlastungswirkung für den Dorfkern.

In einem offenen Brief an BM Hannes Strobl und die Gemeinderäte fordern Peter Kilga, Jürgen Berger und Gerda Walton „als Vertreter Hunderter Gemeindebürger der betroffenen westlichen und südlichen Dorfbereiche“ nun, dass die Beschlussfassung im Gemeinderat abgesetzt bzw. vertagt werden solle.

Sie begründen dies mit einer Reihe von Argumenten: So lägen „keinerlei seriöse offizielle Zählungen vor“, wie viele Gemeindebürger durch die Umfahrungsvariante A „in ihrer Lebensqualität schwer beeinträchtigt und geschädigt“ würden. Man könne sicher „von weit über 100 Häusern mit entsprechend mehr Gemeindebürgern“ ausgehen. Vor allem im oberen Abschnitt der Umfahrung, von der Tankstelle bis zur Dollinger Säge, „ohne den bekanntlich nur eine sehr geringfügige Entlastung gegeben wäre“, wären die erst in den letzten Jahren erbauten Wohnhäuser „massiv“ betroffen, schreiben die Anrainer.

BM Strobl hatte im TT-Gespräch betont, dass man sich „hüten“ werde, den Verkehr nur zu verlagern, und dass eine allfällige Umfahrung in jedem Fall so ausgeführt würde, dass die Anrainer bestmöglich geschützt seien. Genau diese Verlagerung von einem Ortsteil in den anderen sehen aber die Anrainer in der von ihnen bekämpften Variante.

Zugleich müssten die Bürger informiert werden, wie viel an Grün-, Acker-, Wald- und Gewässerflächen „unwiederbringlich zerstört“ würde, verlangen die Anrainer. Die „grüne Lunge“ rund um Bahnhofsweg und Mühltal, bei Spaziergängern und Eltern mit Kinderwägen beliebt, sei ebenso in Gefahr wie der Kinderspielplatz oberhalb der Dollinger Säge.

Es brauche ein „zukunftsweisendes“ Maßnahmenkonzept für das gesamte südöstliche Mittelgebirge samt Einbindung von Innsbruck, heißt es weiter, nicht nur Pläne für Aldrans allein.

Bevor man an „neue und schnelle Straßen“ denke, die „mehr Verkehr anziehen“, gelte es, alle anderen Lösungsmöglichkeiten auszuschöpfen, vor allem eine Attraktivierung der Öffis (höhere Taktfrequenz, niedrigere Ticketpreise, Linienführung bis ins Innsbrucker Stadtzentrum).

Selbst die von den Verkehrsexperten erhobenen durchschnittlich 15.000 Fahrzeugbewegungen pro Tag am Aldranser Dorfplatz werden von den Anrainervertretern „nach eigenen Recherchen stark angezweifelt“. (md)