Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.11.2019


Bezirk Reutte

Feindliche Reaktionen auf Baby des Tages: Plädoyer für Miteinander

Außerferns SPÖ, Grüne und FPÖ erklären gemeinsam ihre absolute Missbilligung über ein ausländerfeindliches Schreiben an Eltern des „Babys des Tages“ der TT.

Die grüne Bezirkschefin Regina Karlen und SPÖ-Bundesrat Stefan Zaggl treten gemeinsam gegen Menschenhass auf.

© Mittermayr HelmutDie grüne Bezirkschefin Regina Karlen und SPÖ-Bundesrat Stefan Zaggl treten gemeinsam gegen Menschenhass auf.



Von Helmut Mittermayr

Reutte — Selten gibt es Pressekonferenzen, bei denen Parteien gemeinsam in einer Angelegenheit Stellung nehmen. Am Vormittag des Allerheiligentages war es im Büro der Reuttener SPÖ so weit. Der anonyme Brief an die Eltern eines Neugeborenen in Reutte, das in der Tiroler Tageszeitung als „Baby des Tages" veröffentlicht worden war, hatte den parteiübergreifenden Auftritt ausgelöst. „Für euren Balg wünschen wir kein Glück" sowie „Haut ab zu Erdogan! Wir wollen euch nicht in Österreich!" hatte ein Unbekannter den türkischstämmigen Eltern geschrieben.

SPÖ-Bundesrat Stefan Zaggl­ hatte die politischen Mitbewerber daraufhin zu einer gemeinsamen Erklärung gebeten. Die Grünen nahmen am Pressegespräch gerne teil, der freiheitliche Bezirksobmann gab auf Nachfrage telefonisch eine Stellungnahme ab, die ÖVP wollte sich laut Zaggl nicht gemeinsam äußern.

Der rote SP-Bezirkschef hielt dann ein Plädoyer, „die Gesellschaft gemeinsam zu gestalten". Geschlecht, Hautfarbe oder Religion seien doch völlig egal, wenn es gelte ein Gemeinwesen zu organisieren. „Und die sexuelle Orientierung", ergänzte die grüne Bezirkssprecherin. Zaggl: „Bei uns darf es keinen Platz für diese selbstgerechten Verteidiger des Abendlandes geben, die sich an einem Neugeborenen abreagieren müssen. Wir müssen gegen diesen Menschenhass auftreten."

Für Regina Karlen gilt „als oberstes Prinzip die Einhaltung der Menschenrechte. Und für mich gibt es keine zwei Klassen von Österreichern. Ich kann das Wort türkischstämmig schon langsam nicht mehr hören. Wir sind alle Österreicher. Wenn wir die Menschen schlecht behandeln, ziehen sie sich zurück." So ein Briefeschreiber disqualifiziere sich mit seinem Hass und seiner Feigheit von selbst. Karlen kann nicht verstehen, warum man das Ausländerthema nicht endlich abhaken kann. Gemeinsam wünschten die beiden dem Neugeborenen und der Familie von Herzen alles Gute für die Zukunft.

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Differenziert meldete sich FP-Obmann Fabian Walch zu Wort: „Vorab — dieses Schreiben an die türkische Familie ist allerletzte Schublade und ich verurteile das selbstverständlich." Walch ist sich aber nicht sicher, ob sich der Schreiber überhaupt diesen politischen Schulterschluss verdient habe, denn damit gebe man ihm erst recht wieder eine Bühne. Ansonsten findet er das grün-rote Vorgehen von Karlen und Zaggl­ „fast heuchlerisch. Denn wo war ihr Aufschrei, als der moslemisch-türkische Verein Atib aus Reutte türkisch-nationalistische Kriegsverherrlichung mit Kindern betrieben hat. Da hat man kein Wort gehört." Walch weiter: „Und wo ist der Aufschrei von Rot-Grün darüber, dass man unsere Tiroler Parteizentrale gerade eben wieder mit Fäkalien verunstaltet hat. Auch das ist ein Angriff auf die Demokratie, aber da ist Schweigen im Walde."