Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.11.2019


Landespolitik

Tourismus will Verkehr angehen

Tourismus macht Urlauber-Anreise zum Kampagnen-Schwerpunkt. Grünen-Chefin Felipe fordert beim Thema Verkehr Kostenwahrheit.

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© DählingSymbolfoto



Innsbruck – Der Großteil der jährlich mehr als 12 Millionen Tirol-Urlauber reist mit dem eigenen Auto an. Staus sind vor allem im Winter an der Tagesordnung. Das stellt inzwischen auch für Tourismusverbände ein Problem dar, zumal immer mehr Gäste und Einheimische der regelmäßige Verkehrskollaps nervt, wie gestern beim Tourismus-Mobilitätstag der Tirol Werbung in Innsbruck deutlich wurde. Als Verursacher des Verkehrsproblems sieht sich der Tourismus allerdings nicht, wie Tirol-Werbung-Geschäftsführer Florian Phleps betonte. „Der Tourismus führt zu Verkehrsspitzen, löst aber nicht das Verkehrsproblem aus“, sagte Phleps. Das Thema Urlauber-Anreise werde die Tirol Werbung 2020 aber erstmals zu einem Kampagnenschwerpunkt machen, kündigte Phleps an. Es gehe beispielsweise um eine bessere Verteilung der Anreiseformen, etwa eine stärkere Verlagerung zur Bahn oder zum Carsharing vor Ort. Das müsse aber bereits bei der Urlaubsplanung greifen. Er bemängelte in diesem Zusammenhang, dass es keinen freien Zugang zu europaweiten Verkehrsauskunftsdaten gebe, diese seien jeweils kostenpflichtig. Mobilität sei daher „eine Preisfrage“.

Die jetzigen Infrastruktursysteme im Tourismus seien auch eine Folge des Erlebnistourismus, dem ein schnellerer Rhythmus innewohnt – mit immer mehr Anreisen und kürzeren Aufenthalten, schilderte Infrastruktur-Experte Markus Mailer. Eine Rückkehr vom Erlebnistourismus zum Erholungstourismus – und damit verbunden weniger Anreisen, dafür längere Aufenthalte – könne als ein Aspekt zur Verkehrsentspannung beitragen, glaubt Mailer. Es gebe jedenfalls nicht die eine Lösung, um Verkehrsprobleme zu lösen. Es werde einen Mix brauchen, sagt auch der deutsche Tristan Horx vom ­Zukunftsinstitut.

Wer die Verkehrsprobleme in Tirol dauerhaft lösen will, müsse aber auch für Kostenwahrheit sorgen, erklärte LHStv. Ingrid Felipe (Grüne): „Luftbelastung, Gesundheitsbelastung, Stau müssen einen Preis haben“, forderte Felipe mit Blick auf die Regierungsverhandlungen von Türkis und Grün in Wien. Die auch für den kommenden Winter in Tirol beschlossenen Fahrverbote auf mehreren Landesstraßen für den Durchzugsverkehr seien zwar „nicht das Gelbe vom Ei, aber berechtigte Notwehrmaßnahmen“, betonte die Grünen-Chefin. (mas)

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