Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.11.2019


Bezirk Schwaz

Ärger in Schwaz: „Politische Entscheidungen schädigen unsere Bäume“

Grünen-Stadträtin ortet Verfehlungen bei der Politik und nicht bei der Pflege, wenn es um die städtischen Bäume in Schwaz geht.

Die Stadtgärtner Markus Krieg (l.) und Christian Lintner bemühen sich um jeden Baum im Schwazer Stadtgebiet.

© FankhauserDie Stadtgärtner Markus Krieg (l.) und Christian Lintner bemühen sich um jeden Baum im Schwazer Stadtgebiet.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Es werde kein Baum zum Spaß gefällt – das bekräftigte Stadtgärtner Markus Krieg in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Der Baumkataster der Stadt wurde präsentiert. Im Zuge dessen übte StR Viktoria Gruber aber auch Kritik hinsichtlich der vielen gefällten Bäume in der Birnbaumallee – die TT berichtete.

Es ist ein wunder Punkt für die Grünen-Stadträtin Gruber. Denn für sie ist ein jung nachgesetzter Baum kein ausreichender Ersatz für einen alten. „Ein neuer Baum kann nicht das leisten, was der alte geschafft hat“, sagte sie in der Sitzung. Sie wünscht sich einen sorgsameren Umgang. Dabei bemängelt Gruber aber nicht die Pflege durch die Stadtgärtner. Vielmehr sieht sie das Problem im politischen Handeln. „Es sind politische Entscheidungen, die unsere Bäume schädigen. Ich finde es traurig, wenn ein Naturdenkmal wie die Birnbaum­allee nicht mehr zählt und die Wirtschaft den Vorzug erhält“, ärgert sich Gruber. Man lasse viel zu oft zu nahe an die Bäume heranbauen, seien es Gebäude oder Straßen.

Die Birnbaumallee (l., Archivbild) beim ehemaligen Zöhrer-Areal zog früher viele Blicke auf sich.
Die Birnbaumallee (l., Archivbild) beim ehemaligen Zöhrer-Areal zog früher viele Blicke auf sich.
- Dähling

„Das kann ich so nicht stehen lassen“, kontert BM Hans Lintner (VP). Schwaz sei eine Vorzeigestadt und stets bemüht, kranke oder nicht mehr verkehrstaugliche Bäume auch wieder nachzusetzen. Und auch die Birnbaumallee in der Dr.-Theodor-Körner-Straße werde nach den Bauarbeiten am ehemaligen Zöhrer-Areal im Herbst 2020 nachgesetzt. Laut Stadtgärtner Christian Lintner ist man bemüht, auch möglichst große Bäume mit bis zu 20 cm Stammdurchmesser nachzupflanzen.

Laut Stadtgärtner Anton Krieg hat man vor etwa 40 Jahren große Einschnitte in die Bäume der Stadt vorgenommen. „Damals hat man gemeint, dass das so richtig ist. Heute wissen wir aber, dass dadurch viele Schäden entstanden sind“, berichtet er. Sein Kollege Markus Krieg erklärt: „Wir tun alles Mögliche, um die Bäume zu erhalten.“ Aber teils seien die Schäden nicht mehr behebbar oder die Gefahr zu groß.

Heute ist nicht mehr viel davon übrig.
Heute ist nicht mehr viel davon übrig.
- Dähling

StR Gruber lobt die Arbeit der Stadtgärtner und ortet die Fehler, die zu Problemen und Fällungen führen, nicht bei ihnen. „Das steht auch im Schreiben des Landesumweltanwaltes so drinnen, dass die Bäume nicht falsch gepflegt wurden“, sagt sie und fügt hinzu: „Ich kritisiere nicht die Stadtgärtner, sondern die politischen Maßnahmen, wenn wir zu nahe heranbauen lassen. Die Bauträger sollen die Bäume erhalten. In der Birnbaumallee hat es auch geheißen, dass die Bäume alle erhalten bleiben. Und jetzt? Sind sie alle weg.“ Sie habe das Gefühl, dass im Gemeinderat die Wichtigkeit eines solchen Artenschutzes noch nicht angekommen sei.

BM Lintner weist die Vorwürfe zurück, dass es an politischen Entscheidungen liege. Die Bäume in der Allee seien schon vorher stark angeschlagen gewesen. „Am Ende der Bauarbeiten werden hier wieder genauso viele Bäume stehen“, versprach er.

Alle anderen Gemeinderäte hielten sich in der Diskussion zurück.

Baumkataster Schwaz

Die zehn häufigsten Baumarten der Stadt: Rosskastanie, Bergahorn, Japanische Kirschblüte, Spitzahorn, Rotblühende Rosskastanie, Sommerlinde, Birke, Ahornblättrige Platane, Säulenhainbuche und Ulme.

Gesundheit: Von den 935 Bäumen im Stadtbereich sind 705 ohne Schäden. Etwa 145 weisen leichte Versorgungsstörungen auf bzw. kränkeln. 51 sind bereits krank oder mittelstark geschädigt. 30 Bäume hat es noch stärker erwischt und fünf sind abgestorben.

Anstehende Fällung: Die 30 Bäume mit starken Schäden bzw. fortgeschrittener Krankheit müssen in naher Zukunft gefällt werden.

Altersklasse: Der größte Anteil (432 Stück) des Baumbestandes in der Stadt ist bis zu 70 Jahre alt. Noch älter sind etwa 340 Bäume und zu den unter 15-Jährigen zählen 163 Stück.




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