Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 15.11.2019


Bezirk Kufstein

In Kufstein wachsen die Wohnanlagen hoch hinaus

Vier oder fünf Stockwerke? Das Ausmaß eines geplanten Gebäudekomplexes spaltete den Gemeinderat. GR Salzburger ortete einen „mysteriösen Deal“.

Sorgte im Kufsteiner Gemeinderat für Diskussionen: Im Ortsteil Weissach soll ein fünfstöckiger Komplex mit 32 Einheiten entstehen.

© HrdinaSorgte im Kufsteiner Gemeinderat für Diskussionen: Im Ortsteil Weissach soll ein fünfstöckiger Komplex mit 32 Einheiten entstehen.



Von Jasmine Hrdina

Kufstein – Ein „wundersamer Gebäudewachstum“, wie GR Richard Salzburger es nannte, beschäftigte am Mittwochabend den Kufsteiner Gemeinderat. Nicht einig waren sich die Stimmberechtigten darüber, wie hoch Gebäude in Kufstein gebaut werden dürfen. Außerdem stand der Vorwurf eines fragwürdigen Deals im Raum: Tauscht die Stadt Genehmigungen für ein zusätzliches Stockwerk gegen das Vergaberecht von geförderten Eigentumswohnungen ein?

Anstoß zur Diskussion gab ein geplanter fünfstöckiger Komplex mit 32 Wohneinheiten an der Salurnerstraße/Riedelstraße beim Kreisverkehr in Weissach. Der Bauausschuss hatte sich bereits im Juni mit den Unterlagen des Bauträgers, der Tiroler Immobilien GmbH, beschäftigt. Damals war das Objekt noch vierstöckig berechnet. Bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung war im Beschlussvorschlag dann von einer weiteren Ausschusssitzung im September und einem fünften, nach hinten versetzten Stockwerk die Rede. Für die Eigentumswohnungen einer fast gesamten Etage erhält die Stadt das Vergaberecht, sie werden in wohnbaugeförderter Bauweise errichtet. Darin sah GR Richard Salzburger (Kufsteiner VP) eine „nebulöse und mysteriöse“ Vorgehensweise, „zumal ein Gemeinderat Miteigentümer des Grundstücks ist“.

„Das zusätzliche Geschoß ist nicht der Kaufpreis für preiswerte Wohnungen“, reagierte BM Martin Krumschnabel (Die Parteifreien) mit erhitztem Gemüt. Die Penthousewohnung sei sein eigener Vorschlag gewesen, „weil das optisch schöner ist“, meinte der Stadtchef.

In Kufstein könne sich der Durchschnittsbürger keine Eigentumswohnung mehr leisten. „Hier werden Einheiten im zweiten Obergeschoß zu wohnbaugeförderten Preisen errichtet“, plädierte Bauausschuss-Obmann GR Harald Acherer (Die Parteifreien) für den neuen Entwurf.

Das Vergaberecht hierfür hätte sich die Gemeinde aber auch ohne Penthouse ausbedingen können, das Gebäude sei schließlich auch mit vier Stockwerken schon „wuchtig genug“, konterte Salzburger.

Er appellierte an das Gremium, generell zu überlegen, wie viele neue Wohnungen die Stadt noch vertrage. Infrastrukturell (Kindergärten, Schulen) sei man bereits am Limit. Die Stadt wachse jedes Jahr um 350 Personen. „Das ist ein globaler Trend, von dem sich Kufstein nicht abkoppeln kann“, kommentierte BM Krumschnabel.

Schützenhilfe bekam Salzburger dann von GR Alexander Gfäller-Einsank (Für Kufstein – SPÖ). Er habe sich die Situation vor Ort angeschaut. Für ihn seien 15 Meter Gebäudehöhe (also vier Stockwerke) genug. Damit sei man immer noch um zwei Stockwerke höher als die benachbarten Anlagen. „Und wenn dann der Nächste baut, wie hoch will der dann wohl hinaus“, gab Gfäller-Einsank zu bedenken.

Sorgen um das künftige Stadtbild äußerte auch GR Herbert Santer (FPÖ/Gemeinsame Kufsteiner Liste). „Der angrenzenden gemeinnützigen Wohnanlage hat man damals auch nur drei Stockwerke genehmigt“, brachte er zudem als Argument gegen das Penthouse ein.

Zwischendurch versuchte GR Horst Steiner (Bürgerliste Horst Steiner) zu beruhigen: Man beschließe an diesem Abend schließlich nur, dass das Projekt zur Auflage freigegeben werde. Jeder habe dann vier Wochen Zeit, seine Einwände einzubringen.

BM Krumschnabel zeigte sich entschlossen. „Es kann nicht sein, dass wir dauernd von leistbarem Wohnen reden, und es dann jedes Mal hinausgezögert wird.“ So funktioniere nun mal die Demokratie, hatte GR Salzburger das letzte Wort vor der Abstimmung. Mit den zwölf Ja-Stimmen der Parteifreien, der Grünen und der Liste Steiner gab der Kufsteiner Gemeinderat das 18 Meter hohe Projekt mit „mysteriösem Hintergrund“ letztendlich frei.




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