Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 19.11.2019


Bezirk Reutte

Markt oder Stadt? Zustimmung zu Stadt Reutte wäre enorm

Ein Rundruf unter den 19 Reuttener Gemeinderäten zur möglichen Stadtwerdung bringt ein Plazet von 84 bzw. 89 Prozent.

Der Markt Reutte mit mehr als 7000 Einwohnern ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.

© Thomas Boehm / TTDer Markt Reutte mit mehr als 7000 Einwohnern ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Markt oder Stadt? Diese Frage wird in Reutte in absehbarer Zeit unweigerlich in ein Handaufheben münden. Die Volksvertreter werden um eine Entscheidung nicht herumkommen, BM Alois Oberer wird das Thema zur Abstimmung bringen. Die TT wollte jetzt schon wissen, wie sich die Mandatare verhalten werden. Das Ergebnis ist eindeutig.

Für viele Gemeinderäte „überzeugend“ war die Präsentation der Vor- und Nachteile durch Marktarchivar Richard Lipp, wie sie nach der Sitzung erklärten. Der Historiker, selbst ein flammender Befürworter der Stadterhebung Reuttes, hatte – wie berichtet – im Gemeinderat „pro und contra“ gegenübergestellt, vor allem die Aschenputtelrolle Reuttes herausgearbeitet. Einzig bei GR Markus Illmer hatten die Argumente Lipps mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Illmer, vor Lipps Präsentation noch ein 100-prozentiger Befürworter der Stadterhebung, weiß nun nicht mehr, wie er stimmen wird. „Gerade in Marketingfragen könnte es ja auch ein Alleinstellungsmerkmal sein, der einzig verbliebene Bezirkshauptort in Österreich zu sein, der Markt ist. Falls Tamsweg auch noch Stadt werden sollte, wären wir ganz alleine.“ Illmer will noch nachdenken. Auf der Bürgermeisterliste, die zehn von 19 Mandaten innehat, ist Illmer jedenfalls der einzige Skeptiker. BM Alois Oberer, VBM Michael Steskal, GV Gerfried Breuss und die Gemeinderäte Günther Salchner, Andrea Weirather, Gerda Wagner, Robert Bader, Gerlinde Köck und Michael Schneider werden für die Stadt stimmen. Wie auch Gottfried Strauß (SPÖ) sowie Helmut Hein und Barbara Brejla (Grüne).

Die ÖVP hat keine einhellige Meinung und in dieser Frage auch keinen Klubzwang. Was die Schwarz-Türkisen eint, ist der Wunsch nach einer Volksbefragung, der aber nicht in Erfüllung gehen dürfte, weil sie die Mehrheit des Gemeinderates nicht für nötig hält. Auch bei den Konservativen hat der Lippsche Vortrag Wirkung gezeigt. Roland Beirer etwa war ein ,Marktler’. „Aber Richard Lipp hat gezeigt, dass es keine Belastungen geben wird und Markt in Bezug auf Reutte überholt scheint“, sagt Beirer. „Also spricht für mich nichts mehr gegen ein Ja zur Stadt.“ Auch VBM Klaus Schimana und GV Elisabeth Schuster werden für die City stimmen. GR Ernst Hornstein kann sich vorstellen, „eher mit Ja“ zu stimmen, will einer möglichen Volksbefragung aber nicht vorgreifen.

Verbleiben die beiden VP-Frauen Gabi Singer und Daniela Rief, die den Markt lieben und favorisieren. Rief: „Klar ist das eine Bauchentscheidung. Ich wollte nie in einer Stadt leben und verbinde ,Reutte und Markt‘ mit Tradition, Wohlbefinden und ländlichem Flair.“

Summa summarum: 16 Befürworter der Stadterhebung, zwei Gegnerinnen und ein Unentschlossener. Die Stadtwerdung bekäme im Gemeinderat eine Zustimmung von 84 bzw. 89 Prozent.