Letztes Update am Do, 20.02.2014 07:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

„An Natura 2000 führt

kein Weg mehr vorbei“

Wolfgang Retter sieht Österreich in der Pflicht. Laut Kanusportler Michael Straganz zählt Osttirol zu den Top drei der Wildwassergebiete Europas.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Wolfgang Retter sieht die Zeit gekommen: „Aussitzen, Schweigen, Hinhalten. Die EU lässt sich das nicht länger gefallen und hat Österreich eine letzte Frist gesetzt. Die Isel wurde im Mahnschreiben besonders hervorgehoben. Sie muss bis zum 15. September als Natura-2000-Gebiet genannt werden, daran führt kein Weg mehr vorbei.“

Seit vierzig Jahren kämpft Retter mit dem Verein zum Schutz der Erholungslandschaft Osttirol gegen die Zerstörung von unwiederbringlichen Naturschätzen. „Wir haben nie lockergelassen und werden das auch in Zukunft nicht tun. Vor uns werden noch viele Politiker aufhören“, verspricht der Naturschützer. „Die Isel ist ein einzigartiger Gletscherfluss, den wir für unsere Nachwelt erhalten müssen.“

Das geschehe mit Natura 2000 endlich und gegen den immensen Druck der eigenen Regierenden, die sich immer gewehrt hätten: „Seit Juli 2013 wird das 20.000 Euro teure Tamariskengutachten des Planungsverbandes 34 unter Verschluss gehalten, aber Bürgermeister zitieren daraus.

Natura 2000 verhindere keine Wirtschaft, auch keine Kraftwerke. „Solche werden nur sehr genau auf ihre Verträglichkeit geprüft.“

Der Kanuschulbetreiber Michael Straganz unterrichtet in Wien und Osttirol und kennt Europas Wassergegenden von Norwegen bis Korsika. „Das Potenzial hier ist riesig. Andere machen viel mehr mit weniger. Osttirol ist ein Eldorado für den Wildwassersport und bietet alle sechs Wildwasserklassen, frei zugänglich, in atemberaubenden Landschaften. Das ist Urlaub.“

Heute schon kämen jährlich 30.000 Wassersportler nach Osttirol, schätzt Straganz. „In Slowenien zahlt jeder Gast für den Wassersport eine Tagesgebühr von 2,50 Euro, so selbstverständlich wie die Kurtaxe.“

Kanuten brauchen Campingplätze und Infrastruktur wie Einstiegsstellen und saubere Toilettenanlagen. „80 Prozent meiner Kunden sind aber Hotelgäste, und das genaue Gegenteil vom ‚billigen Gast‘“, berichtet Straganz aus Erfahrung. „Am Vormittag Skitour gehen und am Nachmittag im Boot sitzen. Wo sonst ist das mit so kurzen Wegen möglich?“