Letztes Update am Mi, 26.02.2014 09:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Natura 2000 wird zur Kraftprobe

Fünf Kraftwerksvorhaben stehen in Osttirol auf dem Prüfstand. Bei einer Natura-2000-Ausweisung stehen sie vor dem Aus.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Der Chef des Landesenergieversorgers Tiwag Bruno Wallnöfer ist vorgeprescht: Für die Realisierung des Kraftwerks am Tauernbach in Matrei in Osttirol sieht er kaum Perspektiven, sollten die Isel und die Zubringerflüsse Natura-2000-Schutzgebiet werden. Die Europäische Union hat bekanntlich ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, weil Österreich zu wenig Gebiete ausgewiesen hat. Nachholbedarf gibt es bei zwölf Lebensraumtypen und 29 Arten in den alpinen Regionen.

Zuversichtlicher ist Wallnöfer hingegen für die Erweiterung des Kraftwerks Huben von zehn auf 17 Megawatt, dass diese mit möglichen Schutzzielen vereinbar sein könnte. „Wir müssen aber zuerst die Entscheidung der Landesregierung abwarten.“ Aber bis dahin erwartet er sich im Umweltverträglichkeitsverfahren keine Fortschritte. Matreis BM Andreas Köll teilt seine Einschätzung. Solange die Rechtssicherheit auf fachlich-wissenschaftlicher Ebene im Bereich Isel nicht hergestellt werden könne, „ist es wirklich nicht realistisch, konkrete Genehmigungsverfahren über den Status von Prüfungen hinaus zum Abschluss zu bringen“. Im Zusammenhang mit der schützenswerten Deutschen Tamariske (Rispelstrauch) geht Köll jedoch davon aus, dass im Bereich des Tauernbachs keine Nachnominierung notwendig sei.

Weit optimistischer als Wallnöfer hört sich Virgens BM Dietmar Ruggenthaler an. Virgen und Prägraten planen an der Oberen Isel um 147 Mio. Euro ein Kraftwerk. „Es gibt auch im Natura-2000-Gebiet kein Verbot von Kraftwerksbauten.“ Er hofft auf ein faires Verfahren und dass das Projekt im Einklang mit den Schutzzielen steht.

Weil jedoch ein Verschlechterungsverbot besteht, gibt es für Energiereferent LHStv. Josef Geisler große Hürden für den Kraftwerksbau in Natura-2000-Schutzgebieten. Er spricht sich deshalb für eine differenzierte Nachnominierung aus. „Wir werden sicher nicht die Isel und noch dazu die Zubringerflüsse unter Schutz stellen.“ Ohne Ausbau der Wasserkraft sei die Energiewende nicht zu schaffen. 100 Prozent des Tiroler Energiebedarfs sollen nämlich bis 2050 aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) fordert in der Natura-2000-Debatte die Einbindung der Betroffenen vor Ort und vor allem der UnternehmerInnen. Das hat sich Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) ebenfalls zum Ziel gesetzt. Für Zoller- Frischauf steht jedoch fest: „Die berechtigten Interessen der Menschen, die in einem möglichen Natura-2000-Gebiet leben und wirtschaften, sind jedenfalls gleichwertig zu prüfen wie die Interessen am Schutz der Natur.“




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