Letztes Update am Sa, 01.03.2014 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Landespolitik

Umweltanwalt zerpflückt Gutachten

Für Johannes Kostenzer sind die eingereichten Unterlagen zum geplanten Isel-Kraftwerk widersprüchlich.



Von Catharina Oblasser

Virgen, Prägraten – Umweltanwalt Johannes Kostenzer geht mit dem Kraftwerksprojekt an der Isel im Virgental hart ins Gericht: In der Stellungnahme der Umweltanwaltschaft wird das Vorhaben als nicht umweltverträglich beurteilt – zumindest nach den Unterlagen, die derzeit vorliegen.

Dabei handelt es sich um verschiedene Gutachten zur Gewässerökologie, Botanik und anderen Bereichen, die im Zuge der Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) von den Kraftwerksplanern eingereicht wurden. Wie berichtet, wollen die Gemeinden Virgen und Prägraten gemeinsam mit der Firma Infra ein Ausleitungskraftwerk um rund 150 Millionen Euro am Gletscherfluss Isel bauen.

Kritisch sieht der Umweltanwalt einige der eingereichten Gutachten, mit denen die Projektwerber ihr Ansinnen untermauern: An einer Stelle werde gesagt, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Tamarisken an der Isel nicht gefährdet seien. Ein anderes Gutachten weist jedoch darauf hin, dass negative Auswirkungen des Kraftwerks auf die Tamariskenbestände nicht ausgeschlossen seien. „Uns stellt sich die Frage, warum die Gutachten in ihren inhaltlichen Aussagen derart divergieren“, so die Umweltanwaltschaft in ihrer Stellungnahme.

Außerdem schließt Kostenzer aus den eingereichten Unterlagen, dass das Kraftwerk den Lebensraum von Pflanzen und Tieren sehr wohl verändern könnte. „Und zwar nicht nur im Projektgebiet, sondern bis zur Drau hinunter und bis nach Kärnten.“ Außerdem würde seiner Meinung nach das Erscheinungsbild der Flusslandschaft massiv leiden – und damit auch der Erholungswert und der touristische Nutzen.

Nun liegt der Ball beim Land. Die Umweltabteilung ist gefordert, ein Gutachten zum Thema „Kraftwerk und Umweltverträglichkeit“ zu erstellen. Und darauf pocht auch Anton Steiner, Bürgermeister der Projektträger-Gemeinde Prägraten. „Die Beurteilung sollte der Umweltanwalt den Prüfgutachtern des Landes überlassen“, sagt Steiner. Er und die anderen Projektbetreiber würden das ebenso halten. Mehr wollte Steiner dazu nicht sagen.

Das Projekt liefert seit Jahren Diskussionsstoff. Es gibt nicht nur eine Bürgerinitiative gegen, sondern auch eine für das Werk. Im Juni 2012 wurden die Bürger von Virgen und Prägraten zum Thema befragt: Dabei sprach sich bei hoher Beteiligung eine Mehrheit für das Projekt aus: In Virgen waren es 72,4 Prozent, in Prägraten 60 Prozent.