Letztes Update am Fr, 23.05.2014 15:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Oncotyrol: Die verwertbaren Ergebnisse fehlen

Der Landesrechnungshof ortet massive Defizite beim Tiroler Krebsforschungszentrum Oncotyrol.

© thomas boehmOncotyrol beschäftigt derzeit rund 70 Personen. Bisher ist es laut Rechnungshof nicht gelungen, verstärkt Mitarbeiter an das Zentrum zu binden. Ohne weitere Förderungen gehen wohl die Lichter aus.Foto: Böhm



Von Peter Nindler

Innsbruck –Die hohen Investments in der Krebsforschung haben bisher nicht genügend Wertschöpfung in der Wirtschaftsentwicklung, Teilnahme von Tiroler Firmen und für die Patientenversorgung gebracht.“ Diesen nüchternen Befund der Tiroler Landesregierung vom Oktober 2013 zum Krebsforschungszentrum Oncotyrol macht der Landesrechnungshof (LRH) in seinem jetzt vorliegenden Bericht öffentlich.

Wie es ab 2015 mit dem Krebsforschungszentrum unter der wissenschaftlichen Leitung von Lukas Huber weitergeht, hängt wohl davon ab, ob die bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG beantragte Förderung von 2,4 Mio. Euro gewährt wird. Eine Entscheidung ist Mitte des heurigen Jahres zu erwarten. Nach den kritischen Zwischenevaluierungen von internationalen Experten, der Tiroler Standortagentur und der Krankenhausgesellschaft Tilak, die der Landesrechnungshof penibel in seinem Bericht auflistet, konzentriert sich das Forschungszentrum künftig ausschließlich auf das Forschungssegment des Knochenmarkkrebses.

Der LRH hat die Umsetzung der hochgesteckten Zielsetzungen von der Gründung 2008, die von der damaligen ÖVP/SPÖ-Landesregierung forciert wurde, bis heute unter die Lupe genommen. Auf Basis von Expertenberichten und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen ortet der LRH deutliche Schwachstellen. So ist das geringe Eigenfinanzierungspotenzial der einzelnen Projekte eine generelle Schwäche, „ohne massive Finanzierung von außen“ ist die Weiterführung des Kompetenzzentrums nicht möglich.

Rund 26,4 Mio. Euro wurden bisher investiert, mehr als 20 Mio. Euro finanzierte die öffentliche Hand. Das Land Tirol verknüpft eine weitere Anschlussförderung in Höhe von 1,2 Mio. Euro ab 2015 an klare Bedingungen. In diesem vom Rechnungshof zitierten „Letter of Commitment“ der im Eigentum des Landes stehenden Standortagentur wird klar und deutlich gesagt, dass „die bisherigen wirtschaftlichen Erfolge sowie die Ergebnisse im Sinne einer verbesserten Patientenversorgung die ursprünglichen Erwartungen nicht erfüllten“. In ihren Evaluierungsberichten stellten die Experten auch fest, dass Projekte der Oncotyrol zu grundlagenlastig waren und dadurch keine Möglichkeiten auf eine Marktumsetzung hatten.

Eigentümer von Oncotyrol sind die Tochtergesellschaften es Landes Tilak, Standortagentur, UMIT und Cemit mit 65,1 Prozent sowie die Medizinische Universität (24,9 Prozent) und die Stammuniversität Innsbruck (10 Prozent).




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