Letztes Update am Sa, 14.03.2015 07:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Natura 2000

Iseltaler Ortschefs drohen mit Höchstgericht

Die Verordnung zum Naturschutzgebiet für Natura 2000 bringt die Iseltaler Bürgermeister auf die Barrikaden. Sie wollen gegen die Abgrenzungen klagen. Knackpunkt ist der Begriff „Gletscherflüsse“.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Natura 2000 nach derzeitiger Planung wird die Iselregion ins Unglück stürzen: Das ist kurz gefasst die Prophezeiung der Bürgermeister aus Matrei, Virgen und Prägraten sowie ihrer Stellvertreter. Schon der Abgrenzungsvorschlag rief große Proteste hervor: Demnach soll die gesamte Isel bis knapp vor Lienz unter den Schutz von Natura 2000 fallen, jedoch nur der Oberlauf des Kalserbaches. Das zu schützende Gut ist die Deutsche Tamariske. „Gerade am Kalserbach befinden sich aber 45 Prozent des Osttiroler Tamariskenbestandes“, so der Matreier ÖVP-Bürgermeister Andreas Köll. An der oberen Isel im Gemeindegebiet von Prägraten und Virgen gebe es kaum solche Pflanzen. Köll und seine Kollegen Anton Steiner (Prägraten) und Dietmar Ruggenthaler (Virgen) beharren deshalb nach wie vor auf dem Abgrenzungsvorschlag, den sie selbst eingebracht haben – ohne obere Isel, dafür mit Kalserbach. Außerdem wollen sie die EU, die den Schutz der Tamariske eingemahnt hat, persönlich kontaktieren. Für Ruggenthaler ist es „politisch motiviert“, dass das Land den Kalserbach nicht komplett in Natura eingliedern will. Im Unterlauf ist ein Kraftwerk geplant.

Noch mehr Empörung empfinden die Gemeindechefs angesichts der Naturschutzgebiet-Verordnung, die mit Natura 2000 einhergeht. „Die ausgewiesenen Flächen führen zum Teil über unser Loipennetz“, sagt Ruggenthaler. „Das bedeutet, dass wir die Loipen nicht mehr präparieren können, denn im Naturschutzgebiet ist der Einsatz von Kfz – wie es das Loipengerät ist – verboten.“ Ähnliches gelte für Parkplätze, ein Fußballfeld oder das Matreier Schwimmbad.

Mit 7. Mai tritt die Verordnung zum Naturschutzgebiet in Kraft. Sollte der Entwurf so bleiben, wollen die Iseltaler Bürgermeister beim Verfassungsgerichtshof klagen. „Im Entwurf ist von ‚Gletscherflüssen‘ die Rede. Doch diesen Begriff gibt es im Tiroler Naturschutzgesetz nicht“, ortet der studierte Jurist Köll einen Ansatzpunkt.

Paul Aigner, Sprecher von LHStv. Felipe (Grüne), bestreitet das Loipendilemma: „Was in diesem Gebiet bisher erlaubt war, wird auch weiter möglich sein. Es gilt im Natura-2000-Gebiet hinsichtlich der Schutzgüter ein Verschlechterungsverbot. Etwaige Mängel im Verordnungsentwurf können selbstverständlich im Laufe der Begutachtungsphase rückgemeldet werden und werden von Seiten unserer Umweltabteilung genau geprüft.“