Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.04.2015


Exklusiv

Standortagentur legt Bericht vor, Kritik bleibt

Man habe noch nie so viele Betriebe wie derzeit angesiedelt, sagt Standortagentur-Chef Gohm. AK-Chef Erwin Zangerl sieht das anders.

Die Standortagentur forciert den Blick über den Tellerrand. Vernetzen ist ein Job der Landeseinrichtung.

© STADie Standortagentur forciert den Blick über den Tellerrand. Vernetzen ist ein Job der Landeseinrichtung.



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der Tätigkeitsbericht der Standortagentur ist derzeit in Druck. Die Landesregierung hat ihn bereits abgesegnet. Ob er bis in die Arbeiterkammer vordringt, ist offen. Deren Präsident Erwin Zangerl geht nicht nur mit Landesrat Tratter hart ins Gericht (siehe Artikel links), sondern auch mit der Standortagentur bzw. deren zuständiger Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Zangerls Kritik: Er frage sich, was die Standortagentur mit ihrem sieben Millionen Euro schweren Budget mache. Von den Betriebsansiedelungen merke er, Zangerl, nichts.

Seit 1998 ist Harald Gohm Geschäftsführer der Agentur. Zangerls Kritik ordnet er in die Kategorie „politisch“ ein und will sie nicht kommentieren. Nur so viel: „Die Zahl ist falsch.“ Das Budget der Standortagentur hat 2014 neun Millionen Euro betragen, die jährliche Zuwendung vom Land betrage allerdings nur 3,5 Millionen Euro, erklärt Gohm. 2,5 Millionen Euro hat die Agentur über EU-Fördergelder lukriert. „Bei den Betriebsansiedelungen sind wir so stark wie nie.“ 125 Interessenten sind laut Tätigkeitsbericht betreut worden. 24 Ansiedelungen wurden demnach tatsächlich realisiert und 188 Arbeitsplätze geschaffen.

Daneben richtet die Agentur Cluster als Drehscheiben für Innovation und Kooperation ein. 372 Tiroler Unternehmer sind Mitglieder dieser Cluster, 110 Kooperationsprojekte sind der Output. Man wolle über den Tellerrand schauen und Unternehmer miteinander vernetzen, meint Gohm. Südtirol, München und Zürich seien Tirol näher als Wien. „Es geht darum, enger zusammenzuarbeiten.“

Auch bei Gohm schlägt der Werber durch. Seit ein paar Jahren segelt die Standortagentur unter dem rot-weißen Tirol-Logo. Die Marke ist vor allem durch den Tourismus aufgeladen. Der setzt weiterhin auf Dirndl, Lederhose und Tiroler Gastfreundschaft, die Standortagentur sieht ein moderneres Tirol-Bild. „Der Tourismus tut sich in der Zusammenarbeit schwer, weil die Konkurrenz beispielsweise zwischen Südtirol und Tirol groß ist, die Wirtschaft tut sich leicht, Landesgrenzen zu überschreiten.“

Für Gohm hat die Agentur ihr Betätigungsfeld gefunden. Überlappungen mit dem Land gebe es nicht. „Die Wirtschaftsförderungen sind wieder beim Land angesiedelt, bei der Agentur laufen sie aus.“

Von der Zukunftsstiftung zur Standortagentur Tirol

Zukunftsstiftung: Gegründet wurde die Zukunftsstiftung, wie sie damals hieß, von Ex-Landesrat Ferdinand Eberle. Böse Zungen behaupten, er wollte eine Stelle einrichten, um Förderungen verteilen zu können, ohne Gremien wie den Landtag betrauen zu müssen.

Standortagentur: Das Verteilen der Wirtschaftsförderung hat unter Landesrätin Zoller-Frischauf wieder das Land übernommen. Die Standortagentur hatte 2014 ein Budget von neun Millionen Euro und 39 Vollzeit-Mitarbeiter.

Was tun die? Die Agentur ist ein Dienstleiter für Wirtschaft und Wissenschaft. Vernetzen, beraten und Betriebe ansiedeln sind Tätigkeitsfelder.