Letztes Update am Mi, 10.06.2015 12:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konferenz bei Telfs

Erste Bilderberger treffen ein, Interalpenhotel als Festung

Polizeieskorten lotsen Gäste vom Flughafen Innsbruck zum Nobelhotel in Buchen oberhalb von Telfs. Seit Mittwoch gilt auch ein Flugverbot für Paragleiter, Segel- und Modellflieger über weiten Teilen Tirols. Kritik gibt es an den hohen Sicherheitskosten und der Geheimniskrämerei um das Treffen.

© APASeit Dienstag kontrolliert die Polizei Autofahrer an Checkpoints in Moos bei Leutasch und Bairbach.



Telfs - Das 63. Bilderberg-Treffen im Interalpenhotel in Buchen bei Telfs steht vor der Eröffnung. Am Mittwoch wurden bereits die ersten Gäste erwartet. Offizieller Auftakt des viertägigen Treffens von ausgewählten Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und den Medien ist am Donnerstag.

Seit Dienstag gilt ein verordnetes „Platzverbot“ (Strafandrohung: 500 Euro) rund um den Tagungsort. Seit Mittwoch gibt es zudem Einschränkungen für den „zivilen Sichtflugverkehr“, wogegen vor allem Flugsportler vehement protestieren.

500 Euro Strafe bei Eindringen in Sicherheitszone
Ärger bei Flugsportlern: Luftraumsperre "völlig überzogen"

Polizei eskortiert Teilnehmer vom Flughafen zum Hotel

Der Großteil der rund 140 Teilnehmer soll über den Flughafen Innsbruck anreisen. Polizeieskorten lotsen die Gäste dann über die Inntalautobahn bis zum Interalpenhotel, das zur Gänze für die Tagung reserviert wurde. Mit dabei werden teilweise auch eigene Sicherheitsleute sein. Auch die Spezialeinheit Cobra soll für Personenschutz zur Verfügung stehen.

Seit Dienstag sind auch die beiden für das G-7-Treffen eingerichteten „Checkpoints“ nach Moos bei Leutasch und Bairbach bei Telfs in Betrieb. Die Zufahrtsstraße zum Interalpenhotel ist vom Platzverbot betroffen und damit de facto komplett gesperrt.

Das vom Bundesheer überwachte „Flugbeschränkungsgebiet“ umfasst 50 Kilometern rund um das Tagungshotel und betrifft Leichtflugzeuge, Paragleiter oder Drohnen. Wer von beliebten Paragleiter- oder Drachenflugstartplätzen etwa im Stubaital, bei der Hinterhornalm oder auch auf der Hohen Munde, seinem Hobby nachgehen will, kann das erst ab kommenden Montag wieder. „50 Kilometer“ bedeutet in Tirol den Einschluss nahezu des gesamten Außerfern, im Westen bis nach Landeck, im Osten bis Kramsach. Im Norden und Süden werden die „50 Kilometer“ von der jeweiligen Staatsgrenze unterbrochen.

2.100 Polizisten stehen bereit

Die Teilnehmer setzen sich zusammen aus politischen Entscheidungsträgern und Experten aus der Industrie, Finanzen, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien aus 22 Ländern. Die Teilnehmerliste ist unter www.bilderbergmeetings.org einsehbar. Die Konferenz versteht sich als ein Forum für den „informellen Austausch zu Themen von globaler Relevanz“.

Die Polizei kann für die Veranstaltung nach eigenen Angaben bis zu 2.100 Beamte aus ganz Österreich mobilisieren. Im nahen Mittenwald in Bayern stehen weitere 300 deutsche Polizeibeamte bereit, die „im Fall des Falles“ die österreichischen Kollegen unterstützen könnten.

Protestmarsch am Samstag in Telfs

Die Gegner der Veranstaltung mobilisieren zu einem großen Protestmarsch am Nachmittag des kommenden Samstag vom Rathausplatz in Telfs durch den Ort. Erwartet werden etwa 1.000 Teilnehmer. Auf einem Parkplatz auf dem Weg zum Hotel findet ab Freitag eine „Dauerkundgebung“ mit bis zu 150 Demonstranten statt. Kritisiert werden vor allem die hohen Kosten der öffentlichen Hand und damit der Steuerzahler für Sicherheitsmaßnahmen rund um das private Treffen.

Die Geheimniskrämerei um die jährlichen Konferenzen ruft immer wieder auch Verschwörungstheoretiker auf den Plan, die in den „Bilderbergern“ eine geheime Weltregierung sehen. Österreichs Ex-SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky bezeichnete dies im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung als „Humbug“.

Bilderberg-Treffen: Weltverschwörung, ein Humbug

Einige Gesellschaftswissenschaftler, wie der deutsche Sozialforscher Bernd Greiner, kritisieren jedoch, dass durch die geheimen Treffen essentielle Teile des politischen Diskurses der Öffentlichkeit vorenthalten würden und damit keiner demokratischen Kontrolle unterlägen. (TT.com, APA)

Bilderberg-Teilnehmer

Die 63. Bilderberg-Konferenz findet von Donnerstag, 11., bis Sonntag, 14. Juni, im Interalpen-Hotel in Telfs-Buchen statt. Teilnehmer sind Spitzenvertreter aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Medien, darunter (alphabetisch geordnet):

Paul M. Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank,

Jose M. Barroso, früherer Präsident der EU-Kommission,

Rene Benko, Gründer der Signa-Holding,

Ben van Beurden, Vorstandsvorsitzender der Royal Dutch Shell,

Oscar Bronner, Gründer der Wiener Tageszeitung „Der Standard“,

Jeroen Disselbloem, Vorsitzender der Euro-Gruppe,

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags,

Heinz Fischer, Bundespräsident der Republik Österreich,

Lilli Gruber, italienische TV-Journalistin,

Alfred Gusenbauer, ehemaliger Bundeskanzler der Republik Österreich,

Victor Halberstadt, Wirtschaftsprofessor an der Universität Leiden (Holland),

Erich Hampel, Vorstandsvorsitzender der Bank Austria Creditanstalt AG,

Wolfgang Hesoun, Vorstandsvorsitzender von Siemens Österreich,

Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende des Verlags Gruner und Jahr,

Alain Juppe, ehemaliger Premierminister von Frankreich,

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG,

Henry A. Kissinger, ehemaliger Außenminister der Vereinigten Staaten,

Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender des Aluminiumkonzerns Alcoa,

Ursula von der Leyen, deutsche Verteidigungsministerin,

Mario Monti, ehemaliger italienischer Ministerpräsident,

Michael O?Leary, Vorstandsvorsitzender der Ryan Air,

Prinzessin Beatrix, ehemalige Königin der Niederlande,

David H. Petraeus, ehemaliger CIA-Direktor,

Gerhard Roiss, Vorstandsvorsitzender der OMV,

Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande,

Rudolf Scholten, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Kontrollbank,

Karl Sevelda, Vorstandsvorsitzender Raiffeisenbank International AG,

Jens Stoltenberg, NATO-Generalsekretär,

Alexander Stubb, Finanzminister von Finnland,

Robert B. Zoellick, ehemaliger Präsident der Weltbank.


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