Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.08.2016


Weltpolitik

Politiker im Katastrophengebiet: Ein schmaler Grat

Donald Trump und Präsident Barack Obama besuchten die Hochwasser-Region in Louisiana. Bei solchen Auftritten gibt es viel zu gewinnen – aber auch zu verlieren.

Donald Trump badete in der Menge

© ReutersDonald Trump badete in der Menge



Von Matthias Sauermann

Innsbruck – Donald Trump war am vorletzten Freitag im Hochwassergebiet von Louisiana in seinem Element: Der Kandidat der Republikaner schüttelte Hände, lud für die bereitstehenden Fotografen wenige Minuten lang Pakete mit Hilfsgütern von einem Lastwagen ab. Während Gegner ihm einen gnadenlos populistischen Auftritt vorwarfen, lobten Anhänger die öffentliche Solidaritätsbekundung.

Am Dienstag folgte nun US-Präsident Barack Oba­ma. Sein Auftritt produzierte ähnliche Bilder. Im Unterschied zu Trump wartete der Präsident mit seinem Besuch im Hochwassergebiet jedoch länger. In die laute Kritik daran mischten sich auch Stimmen, die darauf verwiesen, er habe nicht die Rettungskräfte stören wollen.

Die Auftritte der beiden reihen sich jedenfalls nahtlos ein in eine Reihe von Besuchen von Spitzenpolitikern in Krisengebieten. Rein aus politischem Kalkül geschehen solche Besuche jedoch nicht, meint Politikwissenschafter Gilg Seeber von der Universität Innsbruck. „Die Präsenz vor Ort wird von Politikern erwartet, die das auch zeigen müssen. Wenn nicht, werden sie dafür sofort kritisiert“, erklärt der Experte für öffentliche Meinung. Seeber, der die vergangenen Wochen in den USA verbrachte, nahm auch vor Ort heftige mediale Kritik an Präsident Obama wahr, der erst nach seinem Urlaub nach Louisiana flog. „Ihm wurde vorgeworfen, sich nicht um die Bevölkerung zu kümmern.“

Um Auftritte vor Ort nach Umweltkatastrophen kommen Verantwortliche also nicht herum – unabhängig davon, ob dies substanzielle Hilfe leistet oder nicht. Jedoch sei entscheidend, wie dabei vorgegangen wird, sagt der Politikwissenschafter. Zwei Dinge würden in solchen Fällen von Politikern erwartet: Sie müssten einerseits Empathie zeigen und Betroffene auf emotionaler Ebene stützen. Andererseits Leadership zeigen und bei der tatsächlichen Bewältigung der Umweltkatastrophe helfen. Die Balance aus diesen beiden Dingen sei entscheidend, so Seeber.

Das kann erfolgreich sein. Gerhard Schröder sicherte sich nach dem Elbe-Hochwasser 2002 so etwa die Kanzlerschaft gegen Herausforderer Edmund Stoiber. Seeber nennt im Gespräch mit der TT die Lawinenkatastrophe von Galtür 1999 als Beispiel. Landeshauptmann Weingartner (ÖVP) habe hier einerseits Präsenz gezeigt und andererseits das Ereignis auch geschickt für den Landtagswahlkampf genutzt.

Der Versuch kann jedoch auch nach hinten losgehen. So erntete der damalige Bundeskanzler Viktor Klima (SPÖ) 1997 für seinen Einsatz in gelben Gummistiefeln Spott und Hohn. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush wurde wiederum im Jahre 2005 für Fotos kritisiert, die ihn zeigen, wie er hoch aus der Luft aus seinem Flugzeug auf die Verwüstungen blickt, die Hurricane Katrina angerichtet hatte. Diese seien teils so ausgelegt worden, dass Bush die Katastrophe gleichgültig sei, meint Seeber.

Ob Politiker-Besuche nach Umweltkatastrophen als erfolgreich oder nicht wahrgenommen werden, hänge von vielen Faktoren ab, sagt Seeber. Auch von der Berichterstattung. Gerade die US-Fernsehstation „FOX News“ bewege sich im Wahlkampf mit ihren Sendungen immer weiter von journalistischen Standards weg, meint Seeber. Der Sender betreibe eine Kampagne für Donald Trump. Berichte von FOX würden also gänzlich andere Effekte haben als jene anderer Sender.

Kritik, Inszenierungen wie die Auftritte von Trump und Obama in Louisiana seien reiner Populismus und Wählerstimmenfang, lässt der Experte schließlich nicht gelten. Im Gegenteil, solche Besuche können von Katastrophen Betroffenen sehr wohl psychologisch helfen, meint Seeber.

Auch US-Präsident Barack Obama besuchte die Hochwasserregion Louisiana.
Auch US-Präsident Barack Obama besuchte die Hochwasserregion Louisiana.
- APA/AFP/NICHOLAS KAMM