Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.04.2017


USA

„Trump lernt jetzt die Weltpolitik“

US-Präsident Trump kümmerte sich bisher kaum um Weltpolitik. Jetzt holen ihn die Krisen ein und er verspricht womöglich zu viel.



Von Floo Weißmann

Washington – Donald Trump wollte unter dem Titel „America first“ das Engagement in der Welt zurückfahren. Doch nach zweieinhalb Monaten im Amt sieht sich der neue US-Präsident zu einer Kurskorrektur gezwungen. Sowohl in Nordkorea als auch in Syrien erkennt seine Regierung dringenden Handlungsbedarf. Sie macht Druck auf China bzw. Russland und droht in beiden Fällen mit einem Alleingang. „Bei Trump beginnt womöglich die Realität der Weltprobleme einzusickern“, analysierte die Washington Post.

Der neue US-Präsident habe die Krisen bisher ignoriert, „weil er sich kein Bild davon gemacht hatte, wie die Welt ausschaut“, sagte Professor Heinz Gärtner von der Universität Wien der TT. Trump lerne jetzt Weltpolitik. „Das ist ein bisschen mehr, als bilaterale Verträge abzuschließen.“

Unklar bleibt allerdings, was der US-Präsident wirklich zu tun gedenkt bzw. überhaupt tun kann. Gärtner sieht weder in Syrien noch in Korea eine militärische Lösung. „Er verspricht jetzt Dinge, von denen man weiß, dass sie nicht umsetzbar sein werden.“

Trump findet sich nun in Syrien in einer ähnlichen Situation wie sein Amtsvorgänger Barack Obama. Auch dieser kämpfte an zwei Fronten – gegen Machthaber Bashar al-Assad und gegen den IS. Auch Obama hatte die Erwartung erzeugt, dass die Supermacht intervenieren würde. Am Ende gab es ein Abkommen zur chemischen Abrüstung. „So etwas hat Trump jetzt nicht in der Tasche“, sagt Gärtner.

Zugleich werden nun am Beispiel Syrien die Konfliktfelder mit Russland sichtbarer, die den Machtwechsel in Washington überdauert haben. „Ich habe nie an das Bild vom romantischen Verhältnis zwischen zwei Machos geglaubt“, sagt Gärtner mit Blick auf die Freundlichkeiten, die Trump und Kremlchef Wladimir Putin ausgetauscht hatten.

Trump werde nicht so einfach einen Deal mit Putin machen können, wie er geglaubt habe, prognostiziert der Experte. Und auch an Chinas Staatschef Xi Jinping „wird sich Trump die Zähne ausbeißen. Es ist nicht so leicht, China unter Druck zu setzen.“