Letztes Update am Mo, 05.06.2017 09:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

Montenegro wird 29. Mitglied der NATO, Russland protestiert

Am Montag wird der kleine Balkanstaat offiziell in das Verteidigungsbündnis aufgenommen. In Russland stößt dies auf heftigen Protest.

Blick ins Parlament Montenegros.

© ReutersBlick ins Parlament Montenegros.



Podgorica - Der kleine Balkanstaat Montenegro wird am Montag offiziell als 29. Mitglied in die NATO aufgenommen. Ministerpräsident Dusko Markovic wird dazu die Beitrittsurkunde bei der US-Regierung hinterlegen, die nach dem Nordatlantikvertrag für die Aufbewahrung zuständig ist. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird an der Zeremonie im US-Außenministerium in Washington teilnehmen.

Für die amerikanische Seite wird Staatssekretär Thomas Shannon erwartet. Das Verteidigungsbündnis hatte die Aufnahme des südosteuropäischen Landes im Mai 2016 formal beschlossen, was in Russland auf heftigen Protest stieß. Moskau sieht in der Osterweiterung der NATO eine Gefahr für die eigene Sicherheit und hat lange Zeit versucht, den NATO-Beitritt Montenegros zu verhindern. Die Entfernung zwischen den Außengrenzen Russlands und Montenegros beträgt knapp 1.400 Kilometer.

Adriahäfen von militärischer Bedeutung

Montenegros Armee umfasst gerade einmal rund 2.000 Soldaten. Allerdings sind die Adriahäfen des Landes militärisch von Bedeutung. Die Österreicher hatten in der Bucht von Kotor im 19. Jahrhundert einen k.u.k-Kriegshafen gebaut, später nutzte und erweiterte das Militär Jugoslawiens die Anlagen.

Das montenegrinische Parlament hatte sich den Beitritt Ende April gebilligt. Regierungschef Markovic sprach damals von einer „historischen Entscheidung“. Montenegro, das nur 620.000 Einwohner hat, verhandelt auch mit Brüssel über einen EU-Beitritt.

Russische Oligarchen hatten in den vergangenen Jahren zu teils horrenden Preisen große Teile der montenegrinischen Küste aufgekauft. Auch die größten Industriebetriebe des Landes waren zeitweise in russischer Hand. (APA/dpa)