Letztes Update am Mi, 07.06.2017 13:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katar-Isolation

Neue Strafen für Land und Leute: Emirate steigern Anti-Katar-Kurs

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verschärfen ihr Vorgehen in der diplomatischen Krise mit Katar. Einwohnern des Nachbarlandes wurden Flüge über die Airports Dubai und Abu Dhabi verboten. Zudem sind Sympathiebekundungen für Katar untersagt worden. Russland weist indes Hacker-Vorwürfe zurück.

Nach dem Landeverbot für Qatar Airways in mehreren arabischen Staaten, verschärfen die Vereinigten Arabischen Emirate den Kurs noch: Bürger Katars dürfen nicht mehr in den Emiraten umsteigen.

© REUTERSNach dem Landeverbot für Qatar Airways in mehreren arabischen Staaten, verschärfen die Vereinigten Arabischen Emirate den Kurs noch: Bürger Katars dürfen nicht mehr in den Emiraten umsteigen.



Doha - Der Streit zwischen Katar und seinen Nachbarn verschärft sich weiter. Bürger des Staats dürfen nicht mehr an den Flughäfen der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) umsteigen, wie die dortige Fluglinie Etihad am Mittwoch mitteilte. Das Verbot umfasst die Großflughäfen Abu Dhabi, an dem Etihad seine Heimatbasis hat, sowie das Drehkreuz Dubai der größten VAE-Fluglinie Emirates.

Die Regelungen gelte auch für Ausländer, die in Katar leben und dort eine Aufenthaltsgenehmigung haben. Die VAE hatten Einwohnern von Katar bereits die Einreise untersagt. Die genauen Folgen für den Flugverkehr blieben jedoch unklar. „Die Anordnung gilt für alle Fluglinien, die die VAE anfliegen“, erklärte Etihad. Bei Emirates war keine Stellungnahme zu erhalten.

Die neuen Flugregeln für Katar sind damit schärfer als für Israelis, die 24 Stunden Zeit haben, um in Dubai oder Abu Dhabi umzusteigen. Gleichzeitig zieht das Verbot immer größere Kreise: Die australische Airline Quantas, die mit Emirates Gemeinschaftsflüge (Codeshares) über Dubai betreibt, lässt katarische Bürger nicht mehr an Bord.

Das Flugverbot kam am Montag aus heiterem Himmel. Wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung kündigten Saudi-Arabien, Ägypten, die VAE und Bahrain an, alle Verkehrsverbindungen nach Katar einzustellen - und den Luftraum für Flugzeuge des Landes zu schließen. Deshalb fliegen auch Emirates und der Air-Berlin-Partner Etihad nicht mehr nach Doha - die Hauptstadt von Katar.

VAE wollen Katar „zur Vernunft bringen“

Neben dem Einreiseverbot für katarische Bürger und dem Verbot von Sympathiebekundungen für Katar in Medien des Golfstaates schlossen die VAE auch weitere Schritte nicht aus. Man hoffe, die Entscheidungsträger in Katar „zur Vernunft bringen zu können“, sagte Staatssekretär Anwar Karkasch der Nachrichtenagentur Reuters.

Katar ist stark von Importen abhängig. Aus Regierungskreisen in Doha verlautete, die am Markt verfügbaren Getreidevorräte dürften für vier Wochen reichen. Zudem habe die Regierung große Mengen Lebensmittel in Doha gebunkert. „Wir sprechen mit der Türkei und dem Iran und anderen Ländern“, sagte ein Insider zu der Versorgungslage. Etwaige Lieferungen würden durch Frachtflüge von Qatar Airways ins Land gebracht.

Diplomatische Bemühungen laufen auf Hochtouren

Am Mittwoch liefen die Bemühungen weiter, den Konflikt diplomatisch zu entschärfen. Am Mittag wurde der saudiarabische Außenminister Adel al-Jubeir zu einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin erwartet. Aus türkischen Regierungskreisen verlautete, der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif werde im Laufe des Tages in die Türkei reisen.

Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump die Isolierung Katars begrüßt und als persönlichen Erfolg nach seiner Nahostreise bewertet. Wie Reuters aus US-Regierungskreisen erfuhr, telefonierte Trump danach mit dem saudiarabischen König Salman. Verteidigungsminister James Mattis sprach seinerseits mit seinem Gegenüber aus Katar, wie ein amerikanischer Sprecher sagte.

Die VAE gehören zu einer Staatengruppe unter der Führung Saudi-Arabiens, die ihre Beziehungen zu Katar gekappt und die Flugverbindungen ausgesetzt haben. Sie werfen dem Golf-Staat vor, Terroristen und den Erzfeind Iran zu unterstützen, was die Regierung in Doha zurückweist. Der Vorgang ist nicht nur wegen der weltweiten wirtschaftlichen Verflechtungen und Energie-Reserven Katars von Bedeutung. Auf einem Militärstützpunkt sind etwa 8.000 US-Soldaten stationiert. Von dort werden auch Luftangriffe auf die Terrormiliz IS (Daesh) im Irak und Syrien koordiniert.

Moskau weist Hacker-Vorwürfe zurück

Moskau hat am Mittwoch den Vorwurf zurückgewiesen, dass Russen die katarische Nachrichtenagentur gehackt hätten, um damit die Krise auf der arabischen Halbinsel zu provozieren. Er sei es Leid, immer auf solche „Banalitäten“ reagieren zu müssen, für die es „keinen Beweis“ gebe, sagte Andrej Krutskich, Putins Berater für Cybersicherheit. Es gebe „null Beweis“ für die Vorwürfe.

Der US-Fernsehsender CNN hatte am Dienstag unter Berufung auf US-Geheimdienstmitarbeiter berichtet, dass russische Hacker eine „Fake News“-Geschichte bei der staatlichen Nachrichtenagentur Katars platziert hätten. „Leider erfinden sie (die Amerikaner, Anm.) nie etwas Neues und sprechen deshalb, egal was passiert, von Hackern“, sagte Berater Krutskich weiter.

Katars Außenminister Scheich Mohammed Bin Abdulrahman al-Thani sagte CNN, das FBI habe den Hackerangriff und die „Fake News“-Geschichte bestätigt. „Was auch immer an Vorwürfen laut geworden ist, alles basiert auf Fehlinformationen“, sagte er dem US-Sender.

Laut CNN gab die Regierung Katars an, dass der Medienbericht vom 23. Mai falsche Informationen hinsichtlich der katarischen Führung beinhaltete, die dem Iran und Israel gegenüber freundlich schienen. Überdies soll in dem Bericht infrage gestellt worden sein, ob sich US-Präsident Donald Trump im Amt halten könne. (TT.com, APA/Reuters)


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