Letztes Update am Mi, 07.06.2017 16:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


USA

Karrierejurist Wray soll neuer Chef des FBI werden

Christoper Wray ist Absolvent der Eliteschmiede Yale, Leiter einen Privatkanzlei und war zu Zeiten des US-Präsidenten George W. Bush im Justizministerium tätig. Jetzt soll der versierte Jurist die Nachfolge des entlassenen James Comey antreten und den Chefposten im FBI übernehmen.

Christopher Wray auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2003. Damals war er im US-amerikanischen Justizministerium tätig.

© Reuters Christopher Wray auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2003. Damals war er im US-amerikanischen Justizministerium tätig.



Washington - Einen Monat nach dem überraschenden Rauswurf von FBI-Chef James Comey hat US-Präsident Donald Trump seinen Kandidaten für die Nachfolge benannt. Neuer Direktor der Bundespolizei soll der Jurist Christoper Wray werden, der früher ein hochrangiger Mitarbeiter des Justizministeriums war und derzeit in einer Anwaltskanzlei arbeitet.

Wray sei ein Kandidat von "tadellosen Referenzen", schrieb Trump am Mittwoch im Kurznachrichtendienst Twitter. In den vergangenen Wochen hatten Trump und sein Team eine ganze Reihe möglicher Kandidaten für die FBI-Spitze durchleuchtet.

Der Präsident entschied sich letztlich für einen Kandidaten, der nicht aus der Politik kommt - wie beispielsweise der zeitweise gehandelte Ex-Senator Joe Lieberman -, sondern für einen Anwärter mit reichlich Erfahrung in der Strafverfolgung. Wray sei deshalb ein Kandidat, der innerhalb des FBI als "akzeptabel" gelte, schrieb die New York Times.

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Senat muss Ernennung noch bestätigen

Die Ernennung des Juristen muss noch vom Senat bestätigt werden. Übernehmen soll Wray das mächtige Amt in einer Phase, in der die Behörde inmitten heftiger politischer Turbulenzen steckt. Die Bundespolizei ermittelt zu mutmaßlichen russischen Einmischungen zugunsten Trumps im Wahlkampf und möglichen illegalen Absprachen von Trump-Mitarbeitern mit Moskau.

Am Donnerstag soll der von Trump entlassene Ex-FBI-Chef Comey zu diesen Ermittlungen im Kongress aussagen. Dabei wird es voraussichtlich schwerpunktmäßig um den Verdacht gehen, dass der Präsident sich in unstatthafter Weise in die Russland-Ermittlungen eingemischt haben könnte.

Laut Medienberichten soll Trump den früheren FBI-Direktor vergeblich bedrängt haben, die Ermittlungen gegen den im Februar zurückgetretenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn einzustellen. Flynn gilt als Schlüsselfigur der Russland-Affäre.

Als neuer FBI-Direktor würde Wray diese Ermittlungen jedoch nicht leiten. Sie wurden kurz nach der Entlassung Comeys vom Justizministerium in die Hände des früheren FBI-Chefs Robert Mueller gelegt, der als Sonderermittler mit umfassenden Vollmachten ausgestattet ist.

Eliteschüler und Karrierejurist

Wray leitete zu Zeiten von Präsident George W. Bush im Justizministerium die Abteilung für die Verbrechensbekämpfung. Er war in dem Ministerium auch mit großen Unternehmensskandalen wie jenen beim Energiekonzern Enron befasst. Laut der von seiner Kanzlei King & Spalding veröffentlichten Biographie war Wray zudem für die Koordination von Anti-Terrorismus-Maßnahmen nach den Anschlägen des 11. September 2001 mitverantwortlich. Damals arbeitete er eng mit dem FBI zusammen.

In der Privatkanzlei leitet der Absolvent der Eliteschmiede Yale eine Abteilung, die Unternehmen und Manager in Fällen von angeblicher Wirtschaftskriminalität vertritt und sich auch mit internen Firmenuntersuchungen befasst. Er war in den vergangenen Jahren auch als Anwalt des Gouverneurs des Bundesstaats New Jersey, Chris Christie, tätig. Christie war während des Wahlkampfs ein enger Verbündeter Trumps. (APA, AFP)