Letztes Update am Do, 08.06.2017 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Isoliertes Emirat

Signal in der Krise: Türkei baut Militärkooperation mit Katar aus

Die Türkei wird zusätzliche Truppen in Katar stationieren und Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden. Die katarische Regierung will Nachweise für einen Hackerangriff haben, der die diplomatische Krise auslöste.

Ein Artikel über eine angebliche Rede von Katars Emir Tamim bin Hamad Al-Thani war Auslöser für die Krise unter den Golfstaaten.

© REUTERSEin Artikel über eine angebliche Rede von Katars Emir Tamim bin Hamad Al-Thani war Auslöser für die Krise unter den Golfstaaten.



Ankara - Inmitten der diplomatischen Krise um Katar am Persischen Golf baut die Türkei die militärische Zusammenarbeit mit dem Emirat aus. Das Parlament in Ankara ratifizierte am Donnerstagabend ein Abkommen, wonach die Türkei zusätzliche Truppen in Katar stationieren und Sicherheitskräfte des Emirats ausbilden wird, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete.

Das Abkommen sehe auch gemeinsame Übungen der Streitkräfte beider Länder vor. Die Türkei unterhält bereits eine Militärbasis in Katar. Um wie viele Soldaten die dortigen Truppen nun verstärkt werden sollen, blieb zunächst unklar.

Das Abkommen war bereits vor der Krise zwischen den arabischen Staaten am Golf auf den Weg gebracht worden. Die türkische Basis in Katar ist Teil eines Verteidigungsabkommens, das Ankara und Doha im Jahr 2014 schlossen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ist ein enger Verbündeter der Führung Katars, pflegt allerdings auch gute Beziehungen zu anderen Golfstaaten. Erdogan hatte sich kritisch zu den Sanktionen Saudi-Arabiens und anderer arabischer Staaten gegen Katar geäußert.

Katar: Hackerangriff bewiesen

Indes geht die Regierung Katars auf der Grundlage eines vorläufigen Untersuchungsberichts davon aus, dass ein Hacker-Angriff auf die staatliche Nachrichtenagentur KNA die schwere diplomatische Krise mit den Nachbarstaaten hervorgerufen hat. Der Hacker-Angriff habe Anfang April begonnen, erklärte das Innenministerium in Doha am Mittwochabend.

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Einen Monat später verbreitete die Agentur angebliche Erklärungen des Emirs von Katar, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani. Unter den Themen, die in der angeblichen Erklärung von Scheich Tamim angeschnitten wurden, waren die radikalislamische Palästinenserbewegung Hamas, die als „legitime Vertretung des palästinensischen Volkes“ bezeichnet wurde, und der Iran, der als strategischer Alliierter für seine Nachbarstaaten empfohlen wurde.

Hacker sollen „falsche Erklärungen“ verbreitet haben

„Das mit der Untersuchung beauftragte Team hat bestätigt, dass der Hacker-Angriff mit neuartigen technischen Mitteln erfolgte und an einer Schwachstelle des Systems der KNA ansetzte“, teilte das Innenministerium mit. Der Angriff habe im April begonnen und sei Ende Mai genutzt worden, um „falsche Erklärungen des Emirs“ herauszugeben. In die Untersuchung zum Hacker-Angriff sind die US-Bundespolizei FBI und britische Experten einbezogen.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen sowie den Verkehr über Luft-, Wasser- und Landwege eingestellt. Begründet wurde dies unter anderem mit Verbindungen Dohas zu „Terrororganisationen“. (APA/dpa/AFP)


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