Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Weltpolitik

US-Justizminister im Zwielicht

Das FBI wusste womöglich von brisanten Kontakten oder Verbindungen nach Russland.

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Von Floo Weißmann

Washington – In den USA wächst nun auch der Druck auf Justizminister Jeff Sessions. Warum hat er sich in den Ermittlungen zur Russland-Affäre wirklich für befangen erklärt? Hat das FBI gar etwas gegen ihn in der Hand? Aussagen des gefeuerten FBI-Direktors James Comey fachen solche Spekulationen an.

Russland hat nach Überzeugung der US-Geheimdienste die Wahl im Vorjahr zu Gunsten von Donald Trump beeinflusst. In den FBI-Ermittlungen geht es u. a. um die Frage, ob es auch Absprachen mit der Wahlkampagne von Donald Trump gegeben hat.

Justizminister Sessions, dem das FBI unterstellt ist, zog sich am 2. März selbst von den Ermittlungen zurück. Er begründete dies mit seinem Naheverhältnis zu Trumps Kampagne. Doch das war womöglich noch nicht alles.

Ex-FBI-Chef Comey sagte in seiner Anhörung vor dem Senat, er habe erwartet, dass Sessions sich für befangen erklären würde. Warum? – „Wir wussten von Fakten, die ich nicht öffentlich diskutieren kann, die sein fortdauerndes Engagement in Russland-bezogenen Ermittlungen problematisch machen würden.“

Bereits bekannt ist, dass Sessions in seinem Bestätigungsverfahren im Senat zwei Treffen mit dem russischen Botschafter während des Wahlkampfs verschwiegen hat. Sessions stellte dies nachträglich als Routinekon­takt eines mit Außenpolitik befassten Senators dar, der er damals war. Nach Comeys Aussage jedoch rätselt das politische Amerika, ob es noch weitere, bisher nicht bekannte Kontakte oder Verbindungen nach Russland gab – und ob Sessions möglicherweise sogar selbst Gegenstand der FBI-Ermittlungen ist.