Letztes Update am Fr, 06.10.2017 14:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltpolitik

Friedensnobelpreis für Anti-Atomwaffenbewegung ICAN

Die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) erhielt den mit neun Millionen schwedischen Kronen dotierten Preis. In diesem Jahr waren 215 Personen und 103 Organisationen nominiert.

Daniel Hogstan, Beatrice Fihn und Will Fihn Ramsay von ICAN.

© AFPDaniel Hogstan, Beatrice Fihn und Will Fihn Ramsay von ICAN.



Oslo – Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). „Wir leben in einer Welt, in der das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes größer ist als seit langer Zeit“, erklärte die Vorsitzende des norwegischen Nobelpreiskomitees, Berit Reiss-Andersen, am Freitag in Oslo.

Die Organisation werde für ihren seit einem Jahrzehnt andauernden Kampf für eine atomwaffenfreie Welt gewürdigt. ICAN hatte sich maßgeblich für die erst in diesem Jahr erfolgte Verabschiedung eines Verbots von Atomwaffen durch die Vereinten Nationen eingesetzt. Österreich hat den Vertrag unterzeichnet. Da das Abkommen von den Atommächten, aber auch von Deutschland und der NATO boykottiert wird, hat es lediglich symbolischen Charakter.

Aufruf zu „ernsthaften Verhandlungen“

Der diesjährige Friedensnobelpreis sei auch ein Aufruf an alle Atommächte, „ernsthafte Verhandlungen“ mit dem Ziel einer schrittweisen und „sorgfältig überprüften Vernichtung“ der fast 15.000 Atomwaffen in der Welt zu beginnen, so das Nobelpreiskomitee. Der Nobelpreis sei nicht als Kritik an einem konkreten Land zu verstehen, so die Jury-Vorsitzende. „Wir treten mit diesem Preis niemandem vors Schienbein“, sagte sie.

Die ICAN-Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz nach der Verkündung der Nobelpreis-Jury.
Die ICAN-Verantwortlichen bei einer Pressekonferenz nach der Verkündung der Nobelpreis-Jury.
- REUTERS

Mehrere Staaten modernisierten derzeit ihre Arsenale und die Gefahr sei real, dass mehr Länder versuchten, Atomwaffen herzustellen. Konkret nannte Reiss-Andersen Nordkorea.

ICAN wurde 2007 in Wien am Rande einer Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag von mehr als 300 Nichtregierungsorganisationen gegründet. Die Graswurzelbewegung ist inzwischen in mehr als 100 Ländern aktiv. Zuletzt hatte Nordkorea mit Atomtests massive Kritik auf sich gezogen. 2015 dagegen wurde der Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran international als Erfolg gefeiert. US-Präsident Donald Trump zieht die Vereinbarung allerdings in Zweifel.

„Wir dachten, der Anruf war vielleicht ein Scherz“

Die ICAN-Geschäftsführerin Beatrice Fihn zeigte sich am Freitag überwältigt. „Wir bekamen den Anruf nur ein paar Minuten vor der offiziellen Verkündung“, sagte Fihn am Freitag vor ihrem Büro in Genf. „Wir waren schockiert, dann haben wir gekichert und einen Moment gedacht, der Anruf war vielleicht ein Scherz.“ Sie seien zutiefst dankbar, sagte Fihn.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen gratulierte der Organisation am Freitag umgehend. „Es ist unsere gemeinsame Verantwortung für eine Welt ohne Atomwaffen einzustehen“, schrieb Van der Bellen auf Twitter.

Der ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Othmar Karas, meinte, der Friedensnobelpreis für ICAN stärke „alle, die auf Dialog und beharrliche Diplomatie setzen anstatt auf Drohgebärden“. Die Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung sei seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr so groß gewesen, so Karas in einer Aussendung. „Der Preis ist eine Aufforderung, dass mehr Länder den UNO-Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnen.“

Die Grüne Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl, Ulrike Lunacek, sprach von einer „richtigen Entscheidung“ des Nobelpreiskomitees. „In Zeiten, in denen US-Präsident Trump und der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un die atomare Eskalationsspirale nach oben schrauben, kommt dieses Zeichen der Ächtung von Atomwaffen genau zur richtigen Zeit“, so Lunacek in einer Aussendung. „Meine herzliche Gratulation an das ICAN-Team in Österreich und weltweit – und vielen Dank für Ihren Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt“.

Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 verliehen und wurde vom Erfinder des Dynamits, dem schwedischen Industriellen Alfred Nobel, gestiftet. Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (945.000 Euro) dotiert und wird am 10. Dezember in Oslo überreicht. (APA/dpa)