Letztes Update am Di, 29.05.2018 21:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine

Kremlkritischer russischer Journalist in Kiew erschossen

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind in vier Jahren drei Journalisten ermordet worden. Der jüngste Fall: Arkadi Babtschenko, der sich aus Russland bedroht fühlte.

Arkadi Babtschenko wurde vermutlich wegen seiner journalistischen Arbeit getötet.

© REUTERS/Vitalii NosachArkadi Babtschenko wurde vermutlich wegen seiner journalistischen Arbeit getötet.



Kiew – Der regierungskritische russische Journalist und Kriegsreporter Arkadi Babtschenko ist in Kiew erschossen worden. Das bestätigte am Dienstagabend eine Sprecherin der ukrainischen Polizei. Seine Frau habe ihn mit Schussverletzungen im Rücken gefunden.

Babtschenko (41) hatte Russland Anfang 2017 verlassen, weil sich Drohungen gegen ihn und seine Familie häuften. In Kiew arbeitete er unter anderem für den krimtatarischen TV-Sender ATR. „Arkadi ist im Krankenwagen gestorben“, teilte der Sender auf Facebook mit.

Babtschenko sei vermutlich wegen seiner journalistischen Arbeit getötet worden, erklärte die ukrainische Polizei. In Kiew ist es der dritte aufsehenerregende Mord an einem Journalisten in vier Jahren. 2016 tötete eine Autobombe den russischen Journalisten Pawel Scheremet, ebenfalls einen Exilanten und Kritiker der Moskauer Führung. 2015 wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Die Fälle sind ungeklärt.

OSZE äußerte sich besorgt

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) äußerte sich besorgt. In Moskau forderte das Außenministerium eine Aufklärung des Mordes, das russische Staatliche Ermittlungskomitee leitete eigene Untersuchungen ein. Babtschenkos entsetzte Kollegen bei ATR machten indes Russland für die Bluttat verantwortlich. Er selbst habe in den vergangenen Tagen über Todesdrohungen von dort berichtet.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Moskau kritisiert Kiew derzeit verstärkt, weil die Ukraine den Vertreter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, Kirill Wyschinski, seit Mai in Untersuchungshaft hält. Die Ukraine stuft seine prorussische Berichterstattung als Landesverrat ein.

Babtschenko sei von einem Einkauf zurückgekehrt, berichtete der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko. Der Killer habe ihm im Treppenhaus vor der Wohnung aufgelauert und ihn in den Rücken geschossen.

Babtschenko diente in den 1990er-Jahren als junger russischer Soldat im Tschetschenien-Krieg. Im Buch „Die Farbe des Krieges“ machte er sich literarisch einen Namen mit der Schilderung der Brutalitäten in der russischen Armee sowie im Kampf gegen die Rebellen. (APA/dpa)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Justin Trudeaus (l.) Glanz ist verblasst. Andrew Scheer will davon profitieren.Weltpolitik
Weltpolitik

Gefallener Star oder farbloser Herausforderer: Kanadas schwere Wahl

Vor vier Jahren versprach Justin Trudeau „sonnige Wege“ – nun ist die Liebe zwischen dem einst gefeierten Premier und den Kanadiern nach Skandalen erloschen. ...

Clinton unterlag Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016.USA
USA

„Don‘t be a d...“: Clinton teilt Parodie zu Trumps Erdogan-Brief

Ein Brief von Donald Trump an den türkischen Präsidenten sorgt derzeit für Lacher im Netz. Der US-Präsident hatte das Schreiben in flapsiger Twitter-Sprache ...

Evo Morales muss bei Präsidentschaftswahl in zweite Runde.Präsidentenwahl
Präsidentenwahl

Morales führt bei Wahl in Bolivien: Stichwahl wahrscheinlich

Boliviens Staatschef strebt eine vierte Amtsperiode an. Er verfehlt jedoch die absolute Mehrheit in der ersten Wahlrunde. Sein Rivale Mesa feiert nach vorläu ...

Die Wahlplakate des einstigen Superstars der kanadischen Politik, Trudeau, sind besonders häufig verunstaltet worden.Weltpolitik
Weltpolitik

Der Anti-Trump Kanadas muss zittern

Vor vier Jahren versprach Justin Trudeau „sonnige Wege“ – nun könnte der einst gefeierte kanadische Premier nach Skandalen am Ende sein. Bei der knappen Parl ...

Etwa 1000 US-Soldaten verlassen Syrien - nur 150 bleiben im Süden stationiert.News-Blog: US-Präsident Trump
News-Blog: US-Präsident Trump

Aus Syrien abrückende US-Truppen gehen in den Irak

In der Whistleblower-Affäre steht US-Präsident Trump massiv unter Druck. Die Demokraten leiteten ein Amtsenthebungsverfahren ein. Kritik aus den Reihen der R ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »