Letztes Update am Fr, 13.07.2018 19:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Großbritannien-Besuch

Queen empfing Trump, Aktivisten spotten mit riesigem Baby-Ballon

Nach einem Treffen mit Premierministerin May – die er im Vorfeld brüskiert hatte – besuchte der US-Präsident Queen Elizabeth II. auf Schloss Windsor. Zehntausende Menschen protestieren gegen den Besuch Trumps im Königreich, für besonders Staunen sorgte ein gigantisches „Trump-Baby“ in Form eines Heliumballons.

© REUTERSDonald Trump und First Lady Melania zu Besuch bei Queen Elizabeth II.



London – Queen Elizabeth II. hat US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania auf Schloss Windsor empfangen. Die 92 Jahre alte Monarchin begrüßte die beiden am späten Freitagnachmittag mit militärischen Ehren im Innenhof des Palasts. Die Queen lächelte, als sie dem US-Präsidenten und der First Lady die Hände schüttelte.

Trump hält sich derzeit für mehrere Tage in Großbritannien auf. Ursprünglich hatte Premierministerin Theresa May ihn zu einem Staatsbesuch im Namen der Queen eingeladen. Das stieß aber auf heftigen Widerstand in Großbritannien. Knapp 1,9 Millionen Menschen unterzeichneten eine Petition, um den Besuch herabzustufen, weil er „die Queen in Verlegenheit bringen würde“.

Zehntausende demonstrierten gegen Besuch

Zehntausende Menschen demonstrierten in mehreren britischen Städten gegen den Besuch Trumps. Schätzungen der Initiative „Stop Trump“ sprachen sogar von „mindestens 250.000“ Demonstranten allein in London. Auch in anderen Städten wie Belfast und Windsor gab es Demos.

Mehrere Protestzüge führten durch die Londoner Innenstadt zum Regierungsviertel zwischen dem Parlament und dem Trafalgar Square. Die Polizei teilte am Nachmittag mit, der Platz habe seine Kapazität erreicht. Über der Innenstadt kreisten mehrere Hubschrauber.

Demonstranten zogen während des Besuchs von US-Präsident Trump durch London.
- REUTERS

Aktivisten ließen Trump-Baby-Ballon steigen

Hunderte hatten sich bereits am Vormittag auf dem Parliament Square versammelt und beobachtet, wie ein etwa sechs Meter großer Helium-Ballon in Form eines Trump-Babys in Windeln über dem Platz schwebte. Die Aktivisten wollten damit eigenen Angaben zufolge Trump ins Lächerliche ziehen und seinen in ihren Augen kindischen Charakter auf die Schippe nehmen.

Das Trump-Baby soll den US-Präsidenten nach Angaben von Aktivisten auch nach Schottland begleiten. Die Organisatoren des Protests hätten einen Antrag gestellt, den Ballon nahe Trumps Golf-Resort fliegen zu lassen, wo Trump das Wochenende verbringt.

Der Trump-Ballon neben den Türmen der Westminster Abbey.
- AFP

Zuerst May brüskiert, dann Aussage relativiert

Bereits im Vorfeld seines Besuchs hatte Trump mit einer Interview-Aussage für Irritationen gesorgt. Zwar relativierte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Premierministerin Theresa May am Freitag seine in dem Blatt The Sun getätigte Kritik an ihrem Brexit-Plan, Lob gab es jedoch erneut für May Rivalen Boris Johnson. Am Ende blieb die Einigung auf ein Streben nach einem Freihandelsabkommen.

May sprach von einem „ambitionierten“ Deal. Beide Länder wollten unter anderem einen „Gold Standard“ bei der Kooperation in Finanzdienstleistungen setzen, sagte die politisch angeschlagene Premierministerin bei der Pressekonferenz auf dem Landsitz Chequers bei London. Die Wall Street in New York und die Londoner City bilden zwei der größten Finanzzentren der Welt.

Theresa May und Donald Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.
- REUTERS

Entschieden wollen die USA und Großbritannien nach Worten von May gegen Russland auftreten. Sie sei sich mit Trump einig gewesen, dass ein Dialog mit Moskau aus einer Position der „Stärke und Einigkeit“ erfolgen müsse, erklärte die Premierministerin. Der US-Präsident sagte, seine Regierung sei gegenüber Russland bisher „härter aufgetreten als jede andere“. Auch wolle er ein gutes Verhältnis zu dem russischen Staatschef Wladimir Putin entwickeln, sei das eine gute Sache. Das Treffen zwischen Trump und Putin geht am Montag in der finnischen Hauptstadt Helsinki über die Bühne.

Trump wirft Deutschland „furchtbare Fehler“ vor

Ein weniger gutes Verhältnis scheint Trump mit Deutschland anzustreben. Bei der Pressekonferenz warf er der Regierung in Berlin „furchtbare Fehler“ in den Beziehungen zu Russland vor. Während sich sein Land um „Frieden in der Welt“ bemühe, zahle Deutschland „Milliarden Dollar in die russischen Kassen“, bekräftigte Trump seine Kritik vom NATO-Gipfel an den Gasimporten aus Russland und den Bau der Gaspipeline Nord Stream 2. Dies sei „schlecht für Deutschland und das deutsche Volk“.

Auch in der Giftaffäre handelte Deutschland nach Ansicht Trumps nicht angemessen. Berlin habe nach der Attacke auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal im englischen Salisbury nur drei Diplomaten ausgewiesen, dabei sei es ein mächtiges Land, betonte der US-Präsident - und er verwies gleichzeitig darauf, dass die USA 60 Russen ausgewiesen hatten. Rund 25 Staaten - Österreich war nicht darunter - sowie die NATO hatten als Konsequenz aus dem Fall insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Der Kreml reagierte mit der Ausweisung ähnlich vieler Diplomaten. (TT.com, APA/dpa/Reuters/AFP)


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