Letztes Update am Fr, 24.08.2018 10:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Uganda

Todesstrafe droht: Musikstars fordern Freiheit für Bobi Wine

Ugandas Oppositionsführer und Popstar Bobi Wine wurde wegen Hochverrats angeklagt. Darauf steht in dem Land die Todesstrafe. International wird gegen das Vorgehen scharf protestiert.

Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine am Donnerstag vor Gericht in Gulu, Norduganda.

© AFPRobert Kyagulanyi alias Bobi Wine am Donnerstag vor Gericht in Gulu, Norduganda.



Kampala – Bobi Wine ist in Uganda ein Idol. Vor allem die Jugend des Landes singt die Texte des Sängers – der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi heißt – mit. Seit er vergangenes Jahr auch zur stärksten Stimme der Opposition aufstieg, ist er ins Visier des langjährigen Präsidenten Yoweri Museveni geraten. Am Donnerstag wurde Kyagulanyi wegen Hochverrats angeklagt, was über die Landesgrenzen hinaus für heftige Proteste sorgt. Kyagulanyi droht bei einem Prozess am 30. August sogar die Todesstrafe.

Bereits seine Verhaftung letzte Woche löste eine Welle der Empörung in Uganda aus. Laut Regierungsangaben soll Kyagulanyi einen Autokonvoi von Präsident Museveni in der Stadt Arua mit Steinen beworfen haben. Er und weitere vier Oppositionspolitiker wurden daraufhin verhaftet. Sein Chaffeur sei gar erschossen worden, ein Bild des schockierenden Vorfalls postete Kyagulanyi auf Twitter.

Kyagulanyi gemeinsam mit anderen Oppositionellen bei einer Protestaktion gegen die Einführung neuer Steuern vergangenen Juli.
Kyagulanyi gemeinsam mit anderen Oppositionellen bei einer Protestaktion gegen die Einführung neuer Steuern vergangenen Juli.
- REUTERS

Gewalt gegen Oppositionelle und Journalisten

Darauf folgten Demonstrationen von Teilen der Bevölkerung gegen die Regierung, mehrere Journalisten wurden dabei unter Einsatz von Gewalt verhaftet, berichtete unter anderem die britische Tageszeitung Guardian. Die USA, die Museveni eigentlich freundlich gesinnt sind, sowie Großbritannien äußerten sich besorgt über die Geschehnisse.

Kulturschaffende und Politiker weltweit solidarisieren sich derzeit mit Kyagulanyi, der sich selbst als „Ghetto-Präsident“ bezeichnet. Ein offener Brief, in dem die Freilassung des 36-Jährigen gefordert wird, wurde von 80 Prominenten unterzeichnet – darunter Coldplay-Sänger Chris Martin, Gorillaz-Frontmann Damon Albarn und Nobelpreisträger Wole Soyinka.

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In dem Brief werden „die Inhaftierung und die bösartigen, lebensbedrohlichen körperlichen Angriffe der ugandischen Regierungskräfte“ gegen Kyagulanyi scharf verurteilt. Laut seiner Familie sei er in der Haft schwer verletzt worden und sei derzeit nicht in der Lage, selbst zu gehen. Die Regierung bezeichnete dies als „Fake News“.

„Führer werden zu Irreführern“

In seinen Songs ruft Kyagulanyi als Bobi Wine zur „Rettung der Nation“ auf. „Wenn du Ungerechtigkeit siehst und nichts sagst, dann verrätst du dein eigenes Land“, heißt es etwa im Lied „Freedom“. Er singt, dass „Führer zu Irreführern“ werden und „Mentoren zu Peinigern“. Damit spielt er auf Präsident Museveni an. Der 74-Jährige hatte in der Vergangenheit afrikanische Präsidenten kritisiert, die sich an die Macht klammern. Nun ist Museveni selbst bereits mehr als 30 Jahre im Amt und schaffte erst kürzlich die Altershöchstgrenze von 75 Jahren ab, um 2021 zum sechsten Mal kandidieren zu können. (siha, TT.com)