Letztes Update am Di, 06.11.2018 11:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Kongresswahl

Demokraten setzen auf weiblichen Protest: Frauen vereint gegen Trump?

Im Ringen um die Mehrheit im Kongress könnte am Dienstag ein Faktor entscheidend sein: Die Unterstützung von Frauen für demokratische Kandidaten und Kandidatinnen. US-Präsident Donald Trump tat alles dafür, um seinen Gegnern Munition für eine möglichst große Mobilisierung von Frauen zu geben. Zuletzt veräppelte er die mutmaßlich von Missbrauch betroffene US-Professorin Christine Blasey Ford.

© AFP2016 stimmte noch ein erheblicher Teil der weiblichen Wählerschaft für Trump. Am Dienstag könnten die Republikaner bei Wählerinnen herbe Verluste einfahren.



Von Elodie Cuzin und Daniel Jahn/AFP

Washington – Die Kongresswahlen am 6. November zur Amtshalbzeit von Donald Trump werden von den Frauen entschieden – darin sind sich viele Experten in den USA einig. Die Umfragen verzeichnen einen besonders hohen Mobilisierungsgrad der weiblichen Wählerschaft, auch kandidiert eine Rekordzahl von Frauen. Und unter dem Einfluss der „MeToo“-Bewegung spielen Frauenthemen eine wichtige Rolle im Wahlkampf.

Ein Großteil der weiblichen Wahldynamik entspringt der Empörung über Trump. Deshalb hoffen die oppositionellen Demokraten, mit geballter Frauen-Power der Republikanischen Partei des Präsidenten zumindest die Mehrheit im Repräsentantenhaus entringen zu können, vielleicht sogar die Vorherrschaft im Senat. Unter den Wählerinnen gebe es eine „gewaltige Energie“, freut sich bereits die demokratische Senatorin Debbie Stabenow.

Den weiblichen Zorn facht der Präsident immer wieder selbst an – seinem Ruf als Frauenverächter wird er auch im aktuellen Wahlkampf gerecht. Vor Anhängern veräppelte er zuletzt etwa die „MeToo“-Bewegung und äffte die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford nach, die dem jüngst ernannten Verfassungsrichter Brett Kavanaugh versuchte Vergewaltigung vorwirft.

Trump beleidigt Kritikerinnen sexistisch

Auch mit seinen pubertären Lästereien über das Aussehen von Frauen macht Trump weiter – die Pornodarstellerin Stormy Daniels, mit der er einst ins Bett gestiegen sein soll, beschimpfte er als „Pferdegesicht“.

Vor zwei Jahren entfalteten Trumps frauenfeindliche Sprüche und die auch gegen ihn erhobenen Vorwürfe sexueller Übergriffe bemerkenswerterweise auf viele Frauen noch keine abschreckende Wirkung – immerhin 41 Prozent der weiblichen Wählerschaft stimmten für ihn. Seither ist der weibliche Abscheu über Trump jedoch offenkundig massiv gewachsen.

So sagten in einer CNN-Umfrage von Anfang Oktober fast zwei Drittel (63 Prozent) der Frauen, sie bevorzugten in ihrem Wahlbezirk den Kandidaten oder die Kandidatin der Demokraten. Besondere Aufmerksamkeit der Demoskopen zieht die Untergruppe der akademisch gebildeten weißen Frauen der Mittelschicht auf sich. Diese Frauen gelten als möglicherweise wahlentscheidender Faktor.

Weiße Mittelschicht könnte Ausschlag geben

44 Prozent von ihnen hatten vor zwei Jahren Trump gewählt. Doch viele dieser Frauen mit Hochschulbildung haben sich inzwischen offenbar vom Präsidenten und seiner Partei abgewandt. Laut einer Umfrage für die Washington Post präferieren in den besonders hart umkämpften Wahlbezirken 62 Prozent von ihnen die Demokraten.

Neben der weitverbreiteten Wut von Frauen auf Trump bezieht die Oppositionspartei ihre Hoffnungen auch daraus, dass sie eine hohe Zahl von Kandidatinnen aufgestellt hat. Eine Rekordzahl von 257 Frauen kandidiert für den Kongress, 198 davon für die Demokraten.

Der weibliche Massenprotest gegen Trump hatte schon am Tag nach seiner Vereidigung im Jänner 2017 begonnen, als mehr als eine Million Menschen an dem „Frauenmarsch“ in Washington und anderen US-Städten teilnahmen. Die damaligen Netzwerke sind weiterhin aktiv und lancieren Proteste und Wahlaufrufe im Vorfeld der Kongresswahlen.

Frauen gehen von Tür zu Tür

Barbra Bead, eine Entwicklungshilfe-Expertin aus Washington, engagiert sich in einer Kampagne namens „Call Your Sister“ (Ruf Deine Schwester an). In der Zeit „vor Trump“ sei sie „nur eine Wählerin“ gewesen, sagt die 37-jährige Anhängerin der Demokraten. Nun telefoniere sie herum und gehe von Tür zu Tür, um Frauen für den Urnengang zu gewinnen.

Die Demokraten setzen auch darauf, dass die von den Republikanern im Senat durchgeboxte Ernennung des obersten Richters Kavanaugh der weiblichen Anti-Trump-Welle zusätzliche Wucht verleiht. Allerdings könnte der erbitterte Streit um den Richter auch konservative und männliche Wähler mobilisieren – darauf hofft Trump.

Er beschreibt Kavanaugh als Opfer einer Rufmordkampagne – und warnendes Beispiel besonders für jüngere Männer, wie leicht sie an den Pranger geraten könnten. Es seien „sehr furchterregende Zeiten für junge Männer“, beklagte der Präsident.




Kommentieren


Schlagworte