Letztes Update am Mi, 07.11.2018 08:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Kongresswahl

Zwei Muslima und zwei Natives schreiben mit Wahlsiegen Geschichte

Mit Ilhan Omar und Rashida Tlaib wurden erstmals zwei muslimische Frauen in den US-Kongress gewählt. Auch zwei amerikanischen Ureinwohnerinnen gelang der Sprung ins Repräsentantenhaus. Colorado hat künftig einen homosexuellen Gouverneur – eine ebenso historische Wahl.

© AFPDie 36-jährige Ilhan Omar flüchtete einst als jüngstes von sieben Geschwistern mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg in Somalia.



Washington – Zwei Muslima haben bei den US-Wahlen Geschichte geschrieben: Ilhan Omar und Rashida Tlaib ziehen als erste Frauen ihres Glaubens in den US-Kongress ein. Omar kam einst als somalisches Flüchtlingskind ins Land. Tlaib ist die Tochter palästinensischer Einwanderer. Beide werden die Demokraten im Repräsentantenhaus vertreten.

Tlaibs Triumph stand schon im Voraus fest. Die 42-Jährige hatte in ihrem Wahlkreis im Bundesstaat Michigan keinen republikanischen Konkurrenten. Die 36-jährige Omar setzte sich im Bundesstaat Minnesota gegen ihre republikanische Kontrahentin durch.

Beide Frauen wollen im Kongress starke Stimmen für die Muslime und andere Minderheiten sein – und damit auch gegen Präsident Trump, der Ressentiments gegen Muslime und Einwanderer schürt. Beide Frauen wollen sich unter anderem gegen Einreisebann gegen Bürger überwiegend muslimischer Staaten einsetzen.

Wurzeln in Palästina und Somalia

Tlaib wuchs als ältestes von 14 Geschwistern in Detroit auf. Die Juristin wurde 2008 als erste Muslima in das Regionalparlament ihres Heimatstaates Michigan gewählt, dem sie sechs Jahre lang angehörte. Ihre palästinensische Herkunft beschreibt die zweifache Mutter als eine der Wurzeln ihres politischen Engagements: „Mein Antrieb und meine Leidenschaft kommen teilweise daher.“

Ihre Parteikollegin Omar flüchtete als jüngstes von sieben Geschwistern mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg in Somalia. Vier Jahre lebte sie in einem Flüchtlingslager in Kenia. Als sie 1995 mit ihren Eltern in die USA umzog, sprach sie kein Wort Englisch. Sie lernte schnell und studierte später Politik und internationale Angelegenheiten.

Zieht als Vertreterin der indigenen Bevölkerung ins Repräsentantenhaus ein: Sharice Davids.
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„Stark, unverwüstlich, indigen“

Mit Sharice Davids und Deb Haaland sind auch erstmals zwei amerikanische Ureinwohnerinnen („Natives“) in das US-Repräsentantenhaus gewählt worden. Sie gewannen in den Bundesstaaten Kansas und New Mexico.

Die 38-jährige Davids, Anwältin und ehemalige Kampfsportlerin, behauptete sich im Wahlkreis Kansas City gegen den bisherigen republikanischen Mandatsträger Kevin Yoder. Die 57-jährige Haaland setzte sich gegen die Republikanerin Janice Arnold-Jones durch.

Die beiden Frauen gehören zu einer Rekordzahl amerikanischer Ureinwohnern, die sich bei den Wahlen auf Sitze im Kongress, auf Gouverneursposten und auf andere Ämter beworben hatten. Davids ist Tochter einer alleinerziehenden Armeeveteranin und lebt offen homosexuell in dem traditionell konservativen US-Bundesstaat Kansas. „Stark, unverwüstlich, indigen“, stand auf einem T-Shirt, das Davids in einem ihrer Wahlwerbespots trug.

Haaland ist eine namhafte Gemeindeaktivistin in einem traditionell demokratischen Wahlkreis. Unermüdlich hat sie amerikanische Ureinwohner, die zwei Prozent der US-Bevölkerung ausmachen, dazu ermutigt, wählen zu gehen. Als Freiwillige half sie den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und Barack Obama bei ihren Wahlkämpfen.

Jared Polis wird der erste offen homosexuelle Gouverneur der US-Historie.
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Jared Polis erster schwuler Gouverneur der Geschichte

Indes hat Jared Polis die Wahl zum Gouverneur von Colorado gewonnen. Der Demokrat wird der erste bekennende homosexuelle Regierungschef eines Bundesstaats in der Geschichte der USA werden. Er besiegte seinen republikanischen Herausforderer Walker Stapleton.

Polis folgt dem populären Parteikollegen John Hickenlooper im Gouverneurssitz in Denver, der nach zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren konnte. (TT.com, APA)